α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Satire auf die Ausrottung der Juden #1 (135 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.04.2026 um 00:11 Uhr (Zitieren)
Ich möchte einen Text vorstellen, der nichts mit der Antike zu tun, mich aber sehr beeindruckt hat, insofern der Kladderadatsch im Jahre 1875 eine Satire veröffentlich hat, die mir den Atem stocken läßt: Schon damals konnte man die Ausrottung der Juden in Deutschland zum Thema machen!

Speziell interessant ist, wie es damals dazu kam und welche Akteure hier imaginiert werden.

Ob das als Satire gelungen ist, steht auf einem anderen Blatt.

Hintergrund: Seit dem großen Börsenkrach 1873 mit einer nachfolgenden Konjunkturkrise war der Antisemitismus in Deutschland stark angewachsen, zumal einige führende deutsche Bankhäuser sich in jüdischen Händen befanden. Darauf bezieht sich die Satire des Kladderadatsch.
Die große Judenverfolgung.
Ein schaudernder Blick in die Zukunft.


Die erste directe Aufforderung zur Verfolgung der Juden hatte mit Kreideschrift an dem schön schwarz getheerten Zaun einer Caserne gestanden. Dieser erste schüchterne Versuch war in den Verbrecherkellern und Waldschänken so günstig aufgenommen worden, daß die „Germania“ (1) es nunmehr wagen konnte, sich öffentlich und definitiv als „Zaunpresse“ zu constituiren. Ihre Kreide-Artikel hatten vor den früher von Eirund und Genossen mit Tinte geschriebenen und mit Schwärze gedruckten den großen Vorzug der Klarheit, der Einfachheit und der Kürze. Sie lauteten meistens: „Schlagt die Mauschels tot!“ – oder: „Verbrennt die verfluchten Juden!“ – oder: „An die Laterne mit den Krummnasen!“

So etwas aber mußte zünden. Gar bald war die Stimmung im Volke so weit vorgerückt, daß die Häupter der Ultramontanen und der Kreuzzeitungspartei (2) zusammentreten konnten, um den Kriegsplan zu entwerfen.

Er wurde entworfen. Das Ziel war die vollständige Ausrottung der im Deutschen Reich vorhandenen Juden.

Und der Staat? O, bei dem war eingetroffen, was die Ultramontanen schon längst vorausgesehen hatten. In Folge des Culturkampfs war er dermaßen in auswärtige Kriege verwickelt, daß er nicht mehr Acht auf das haben konnte, was im Innern vorging. Das ganze Kriegsheer befand sich außerhalb der Gränzen.

Dies war die allgemeine Lage, als das von den Ultramontanen und Neuconservativen aufgebotene Kreuzheer zu den Fahnen eilte. Im Uebrigen war es Nacht.

***

(Facsimile Querschnitt – Kladderadatsch. Hrsg. v. Liesel Hartenstein. Bern o.J., S. 110)

(1) ultramontane Zeitung der katholischen Zentrumspartei; "ultramontan" bezieht sich darauf, daß das gedachte Oberhaupt dieser Bewegung jenseits der Berge (Alpen) amtierte: der Papst.
(2) preußisch-christlich-konservative Zeitung

Re: Eine Satire auf die Ausrottung der Juden #1
βροχή schrieb am 22.04.2026 um 06:45 Uhr (Zitieren)
. Die große Judenverfolgung.
Ein schaudernder Blick in die Zukunft.


Die Parolen heutiger Judenhasser sind nicht weniger tödlich. Die schon anfingen es umzusetzen (7.Oktober) haben noch zusätzlich Hitler, den sie eben dafür verehren.
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Pyramiden von Gizeh

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.