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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Zeit der Olympischen Spiele (62 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.04.2026 um 12:58 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Aussprüche von Spartanern (Moralia 215 F):

Agis II. war ein spartanischer König, der von 427 bis 401 v.u.Z. regierte. Das Zitat könnte sich auch auf Agis III. (338-331) beziehen.
When someone commended the People of Elis because they were very just in conducting the Olympic games, he [sc. Agis] said, “What great or marvellous accomplishment is it if they practise justice on one day only in four years? [καὶ τί μέγα, εἶπεν, ἢ θαυμαστὸν ποιοῦσιν, εἰ ἐν ἔτεσι πέντε μιᾷ μόνον ἡμέρᾳ δικαιοσύνῃ χρῶνται;]”

[Plutarch, Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 288 sq.]

Daraus ergibt sich für mich eine Frage: Dauerten die Spiele nur einen Tag lang?
Re: Die Zeit der Olympischen Spiele
info schrieb am 30.04.2026 um 16:24 Uhr (Zitieren)
1. Historische Dauer der Spiele

Die Olympischen Spiele dauerten zur Zeit von König Agis (5. Jahrhundert v. Chr.) fünf Tage. Ursprünglich (776 v. Chr.) begannen sie als eintägige Veranstaltung, wurden aber spätestens 472 v. Chr. aufgrund der Fülle an Disziplinen offiziell auf fünf Tage erweitert.

Beleg: Der antike Reiseschriftsteller Pausanias (Buch 5, 9, 3) berichtet explizit von der Ausweitung der Spiele von einem auf mehrere Tage, um den Zeitdruck bei den Wettkämpfen zu mindern.
„...τὸ δὲ ἀπὸ τούτου κατέστησαν τὸν ἀγῶνα ἐφ᾽ ἡμέρας πέντε ἄγεσθαι: πρότερον γὰρ ἐπὶ μιᾷ ἡμέρᾳ τὰ ἀγωνίσματα ἐτελεῖτο...“

2. Der klassische Fünf-Tage-Ablauf

Tag 1: Religiöse Eröffnung, Eidesleistung der Athleten vor der Statue des Zeus Horkios.

Tag 2: Wagenrennen, Pferderennen und Pentathlon (Fünfkampf).

Tag 3: Prozession und das große Opfer von 100 Ochsen für Zeus; abends Laufwettbewerbe.

Tag 4: Kampfsportarten (Ringen, Boxen, Pankration) und Waffenlauf.

Tag 5: Feierliche Siegerehrung und gemeinsames Festmahl.

3. Interpretation des Agis-Zitats (Plutarch)

Obwohl die Spiele fünf Tage dauerten, spricht Agis bei Plutarch von „einem einzigen Tag“ (miā monon hēmerā). Dies hat zwei Gründe:

Rhetorische Abwertung: Agis praktiziert den typisch spartanischen Lakonismus. Er nutzt die Zahl „Eins“ als rhetorisches Mittel, um die Seltenheit der Gerechtigkeit in Elis zu betonen. Im Vergleich zu den 1.460 Tagen einer Olympiade (vier Jahre) ist der Unterschied zwischen einem und fünf Tagen für sein Argument vernachlässigbar.

Fokus auf den Entscheidungstag: Möglicherweise bezog er sich auf den spezifischen Tag der Urteilsverkündung durch die Kampfrichter (Hellanodiken), an dem die tatsächliche „Gerechtigkeit“ in der Bewertung der Athleten am stärksten gefordert war.

4. Die „fünf Jahre“ im Text

Plutarch schreibt: „en etesi pente“ (in fünf Jahren).

Beleg: Dies entspricht der antiken Inklusivzählung. Das Jahr der Spiele wurde sowohl als Ende der alten als auch als Beginn der neuen Periode gezählt. Was wir heute als vierjährigen Zyklus bezeichnen, nannten die Griechen oft einen fünfjährigen Zeitraum (Pentaeteris).

Fazit: Die Spiele dauerten faktisch fünf Tage; die Erwähnung von nur einem Tag bei Plutarch ist als spitzfindiger, spartanischer Sarkasmus zu verstehen, um die Unverhältnismäßigkeit zwischen kurzzeitiger Festtags-Moral und dauerhafter Tugend aufzuzeigen.
 
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