Patroklos schrieb am 13.05.2026 um 15:56 Uhr (Zitieren)
Christi Himmelfahrt fällt auf den 40. Tag nach Ostern. Warum 40? Es gibt allerhand Hinweise, siehe auch die Reinheitsgebote in Levitikus. Auch die Fastenzeit. Ursprünglich auch die Quarantäne.
Worauf geht die 40-Tagesfrist der Himmelfahrt letztlich zurück?
Wiki englisch sagt: „without any universal explanation for its use.“
Na toll!
Re: 40
info schrieb am 13.05.2026 um 16:12 Uhr (Zitieren)
Obwohl es historisch-kritisch keine einzelne „Ur-Erklärung“ gibt, speist sich die 40-Tagesfrist von Christi Himmelfahrt aus drei wesentlichen Quellen:
Die biblische Typologie (Tradition des Alten Testaments)
Biologische und rechtliche Rhythmen (Reinheitsgebote aus Levitikus)
Die Zeit der Unterweisung (Vollendung des Lehramtes nach Lukas)
Die „40 Tage“ von Christi Himmelfahrt stammen zunächst direkt aus dem Neuen Testament: In der Apostelgeschichte 1,3 heißt es, dass Jesus nach der Auferstehung den Jüngern „vierzig Tage hindurch“ erschien, bevor er in den Himmel aufgenommen wurde.
Die eigentliche Frage ist aber: Warum gerade 40?
Eine eindeutige historische Ursprungs-Erklärung gibt es tatsächlich nicht. Die Zahl 40 ist im alten Vorderen Orient und besonders in der biblischen Tradition eine symbolische Zahl. Sie steht meist für:
Übergang
Läuterung
Vorbereitung
Prüfungszeit
Vollendung eines Wandels
Deshalb taucht sie ständig auf:
40 Tage Sintflut bei Genesis
40 Jahre Wüstenwanderung Israels
Moses 40 Tage auf dem Sinai
Elias 40 Tage bis zum Gottesberg
Jesu 40 Tage Fasten in der Wüste
40 Tage Fastenzeit
40 Tage bis zur Reinigung nach Geburt in den Reinheitsgesetzen von Levitikus
Die Zahl ist also weniger mathematisch als symbolisch gemeint: eine vollständige Zeit der Vorbereitung vor einem neuen Zustand.
Historisch könnte dahinter noch ältere semitische Zahlensymbolik stehen. In vielen Kulturen des Alten Orients bedeutete „40“ einfach:
„eine lange, vollständige, generationstypische oder ausreichende Zeit“.
Ähnlich wie wir manchmal „tausendmal“ sagen, ohne exakt zu zählen.
Re: 40
Patroklos schrieb am 13.05.2026 um 16:38 Uhr (Zitieren)
Die 40 im angegebenen Sinne verweist auf einen Kern. Astronomisch?
Vielleicht wissen wir morgen im Laufe des Tages mehr.
Re: 40
βροχή schrieb am 14.05.2026 um 06:01 Uhr (Zitieren)
Bei den Tibetern symbolisiert die 40 einen Lebenszyklus, bzw. die doppelte 40
Re: 40
βροχή schrieb am 14.05.2026 um 06:04 Uhr (Zitieren)
Re: 40
βροχή schrieb am 14.05.2026 um 06:11 Uhr (Zitieren)
... das ist nicht wörtlich zu nehmen, die Plejaden sind natürlich nicht 40 Tage lang hinter der Sonne, sie sind 40 Tage lang nicht sichtbar, weil sie in Sonnennähe den Horizont überqueren.
Re: 40
Patroklos schrieb am 14.05.2026 um 10:13 Uhr (Zitieren)
Der heutige Feiertag wird englisch benamst als „Ascension of Jesus/Christ“.
info schrieb am 14.05.2026 um 17:51 Uhr (Zitieren)
Hier die psychanalytische Auflösung
dieser gewisss völlig unhistorischen Passage:
Die Himmelfahrt nach Eugen Drewermann
1. Befreiung von der seelischen Schwerkraft
Für Drewermann ist der Himmel kein geografischer Ort, sondern ein Zustand vollkommener Angstfreiheit. Die Himmelfahrt symbolisiert den Prozess, in dem ein Mensch die Schwere des Daseins – also Schuldgefühle, soziale Zwänge und die Angst vor dem Tod – hinter sich lässt.
2. Die Installation der Liebe als innere Instanz
In Übereinstimmung mit deiner Interpretation sieht Drewermann in diesem Ereignis den Übergang Jesu von einer äußeren, historischen Person zu einer inneren, geistigen Kraft. Die Liebe ist nun nicht mehr an einen Körper gebunden, sondern wird zu einer universellen Atmosphäre, die das Bewusstsein der Menschen von innen heraus ordnet und leitet.
3. Gott als Raum des Unbedingten
Das Aufsteigen bedeutet das Eingehen in die Unbedingtheit Gottes. Das Prinzip Liebe, das Jesus verkörperte, wird dadurch unzerstörbar. Es entzieht sich dem Zugriff der Welt und ihrer Gewalt, bleibt aber als wirksame Kraft in der Seele jedes Einzelnen präsent.
4. Abschied vom starren Festhalten
Die Wolke, die Jesus entzieht, markiert die Grenze unseres Verstandes. Drewermann betont, dass wir das Göttliche nicht festhalten oder objektivieren können. Der Mensch soll nicht passiv zum Himmel starren, sondern die Erfahrung der bedingungslosen Annahme nutzen, um auf der Erde aufrecht und frei zu handeln.
5. Existenzielle Aufrichtung
Himmelfahrt ist das Bild für die menschliche Seele, die sich aus der psychischen Krümmung erhebt. Wer die Liebe als das höchste Prinzip akzeptiert, gewinnt eine neue Perspektive auf das Leben – eine Sicht von oben, die es ermöglicht, die Nöte der Welt mit Gelassenheit und Mitgefühl zu steuern (regat).