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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das Bonmot des Tages (146 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.05.2026 um 16:18 Uhr (Zitieren)
Die FAZ vom 30. Mai 2026 veröffentlicht ein Intrerview mit Prof. Bazon Brock über "letzte und vorletzte Dinge" aus Anlaß seines 90. Geburtstages.

Ich kannte Bazon Brock nicht, doch anscheinend ist er seriös:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bazon_Brock

Das allerletzte Ding aber ist diese Interview-Passage:
Schon der Gründervater der europäischen Dramatik, Pindar, hat 470 vor Christus in seinem ersten großen Drama zu Prometheus nicht etwa die berühmte Geschichte gefeiert, dass da einer den Menschen das Feuer brachte. Er feiert Prometheus vielmehr als denjenigen, der den Menschen das Bewusstsein ihrer Sterblichkeit genommen hat. Vorher lebten die Menschen in der Gewissheit, sterben zu müssen.

Auf mich wirkt er auch sonst etwas skurril. Nicht der Pindar, sondern der Brock.
Re: Das Bonmot des Tages
Γραικύλος schrieb am 30.05.2026 um 16:19 Uhr (Zitieren)
Intrerview --> Interview
Re: Das Bonmot des Tages
info schrieb am 30.05.2026 um 16:47 Uhr (Zitieren)
Er feiert Prometheus vielmehr als denjenigen, der den Menschen das Bewusstsein ihrer Sterblichkeit genommen hat.

Wie meint er das?

KI interpretiert so:
Der tiefere Sinn der Aussage:
Prometheus befreite die Menschen von der ständigen,
lähmenden Angst vor dem Tod und schenkte ihnen die Fähigkeit zu hoffen.
Befreiung von der Lähmung: Bevor er eingriff, waren die Menschen
durch das ständige Bewusstsein ihres sicheren Endes passiv und verängstigt.
Wer jede Sekunde an den Tod denkt, baut nichts für die Zukunft auf.

Die Erfindung der Hoffnung: Er ersetzte die Todesgewissheit
durch die „blinde Hoffnung“ (caecas spes).
Die Menschen verdrängten fortan ihre Sterblichkeit im Alltag und lebten so,
als hätten sie unendlich viel Zeit.
Voraussetzung für Fortschritt:
Erst dieses Ausblenden des Todes machte den Menschen überhaupt handlungsfähig.
Es ist die psychologische Basis, um Kultur zu schaffen, Häuser zu bauen
und das Feuer sinnvoll zu nutzen.
Es ist nicht die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod,
sondern die Hoffnung auf das Leben vor dem Tod – die Zuversicht,
dass es sich lohnt, das Hier und
Jetzt zu gestalten.

Was würde wohl Emil Cioran dazu sagen?
https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Cioran
Re: Das Bonmot des Tages
info schrieb am 30.05.2026 um 16:53 Uhr (Zitieren)
PS:
Emil Cioran wurde als zweites Kind des orthodoxen Priesters Emilian und seiner Gattin Elvira Cioran in Rășinari geboren

Ob ihn das früh depressiv gemacht hat?
Ich denke auch an Nietzsche.

Emil Cioran (Sohn eines rumänisch-orthodoxen Priesters)
Die Ursache: Als Kind hörte Cioran im Vorzimmer täglich die Beichten und moralischen Abgründe der Dorfbewohner, die sein Vater entgegennahm.
Die Auswirkung: Diese frühe Konfrontation mit Schuld und Sünde zerstörte seine kindliche Unschuld. Es folgte der Umzug in eine strenge städtische Umgebung, was bei ihm ab dem 20. Lebensjahr extreme, chronische Schlaflosigkeit und eine lebenslange, nihilistische Depression auslöste.

Friedrich Nietzsche (Sohn eines lutherischen Pfarrers)
Die Ursache: Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs Nietzsche in einem extrem frommen, pietistischen Frauenhaushalt auf. Er wurde zur totalen Selbstdisziplin und zur Unterdrückung von Lebensfreude erzogen.
Die Auswirkung: Sein späterer Bruch mit dem Christentum war ein brutaler emotionaler Kraftakt. Der permanente innere Kampf gegen die verinnerlichte, lebensfeindliche Moral seiner Kindheit erschöpfte ihn psychisch und begünstigte seine schweren psychosomatischen und depressiven Krisen.
Re: Das Bonmot des Tages
Γραικύλος schrieb am 30.05.2026 um 17:28 Uhr (Zitieren)
Da ist ja zunächst der Umstand, daß Brock Pindar zum Autor zum Dramatiker und Autor des "gefesselten Prometheus" ernennt. Zwar ist die Urheberschaft für dieses Drama nicht ganz geklärt und lese bei Theunissen, daß er Autor sich bei Pindar bedient haben könnte, aber das macht Pindar nicht selbst zum Autor.

Im Drama beschenkt Prometheus die Menschen mit Feuer, Hoffnung und der Gabe der Prophetie. Was Brock dazu sagt, halte ich für sehr problematisch. Gemeint sein kann ja allenfalls, daß die Hoffnung uns den Tod verdrängen hilft.
Re: Das Bonmot des Tages
Γραικύλος schrieb am 30.05.2026 um 17:49 Uhr (Zitieren)
und lese bei Theunissen --> und ich lese bei Theunissen
Re: Das Bonmot des Tages
Patroklos schrieb am 31.05.2026 um 12:58 Uhr (Zitieren)
Das Interview mit Brock empfand ich als aufgeplustert, eben Bazon.
Eine Zierde der FAZ war dagegen letzten Freitag das Gespräch mit Harald Schmidt über Depression. This separates the boy from the man.
Bitte googeln. Verschiedene Versionen, thematisch auch außerhalb der FAZ.
Re: Das Bonmot des Tages
Γραικύλος schrieb am 31.05.2026 um 15:02 Uhr (Zitieren)
Aufgeplustert, das trifft es.
 
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