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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Über Reichtum (89 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.06.2026 um 16:11 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Aussprüche von Spartanern (Moralia 226 E-F):

Lykurg war der mythische Gesetzgeber Spartas; die Datierungen reichen vom 11. bis ins 8. Jhdt. v.u.Z.
Having made wealth unenviable, since nobody could make any use or show of it, he said to his intimate friends, “What a good thing it is, my friends, to show in actual practice the true characteristic of wealth, that it is blind [ὡς καλόν ἐστιν, ὦ ἑταῖροι, διὰ τῶν ἔργων ἐπιδεῖξαι τὸν πλοῦτον ὁποῖός ἐστι τῇ ἀληθείᾳ, ὅτι τυφλός].”

[Plutarch: Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 356 sq.]

Vgl. Plutarch, Lykurgos 10:

Schon das [sc. die Einführung der Syssitien, der gemeinsamen Mahlzeiten] war etwas Großes, noch bedeutungsvoller aber die Tatsache, daß er [sc. Lykurg], wie Theophrast (1) sagt, den Reichtum wertlos, gleichsam zu einem Nichts machte durch die Gemeinschaft der Mahlzeiten und die Einfachheit der Kost. Denn es gab ja keine Gelegenheit mehr, die reiche Ausstattung zu brauchen, zu genießen, ja nicht einmal sie sehen zu lassen und mit ihr zu prunken, wenn reich und arm zum selben Mahle ging. Daher wurde in Sparta als der einzigen von allen Städten unter der Sonne das vielgebrauchte Wort zur Wahrheit: man sah den Reichtum blind, leblos wie ein Gemälde und bewegungsunfähig daliegen. Denn es war auch nicht möglich, zu Hause vorweg zu speisen und schon gesättigt zu den Syssitien zu kommen, denn die anderen gaben wohl acht, und wenn einer nicht mit ihnen aß und trank, dann machten sie ihn schlecht als einen Schlemmer, dem die gemeinsame Kost nicht gut genug sei.

Re: Über Reichtum
Bukolos schrieb am 10.06.2026 um 06:19 Uhr (Zitieren)
Zitat von Γραικύλος am 9.6.26, 16:11... ἐπιδεῖξαι τὸν πλοῦτον ὁποῖός ἐστι τῇ ἀληθείᾳ, ὅτι τυφλός.

Die Sache ist nicht übersetzbar, da τυφλός nicht nur (wie dt. blind) eine aktive Dimension - zur Bezeichnung einer Person, die nicht sehen kann - besitzt, sondern auch eine passive - zur Bezeichnung eines Gegenstands, der nicht gesehen werden kann -, d. h. auch unsichtbar bedeutet.

Der Topos vom blinden Plutos findet sich auch in einem Timokreon-Fragment

ώφελέν σ᾽ ὦ τυφλὲ Πλοῦτε
μήτε γᾖ μήτ᾽ ἐν θαλάσσῃ
μήτ᾽ ἐν ἠπείρῳ φανῆμεν
ἀλλὰ Τάρταρόν τε ναίειν
κἀχέροντα· διὰ σὲ γὰρ πάντ᾽
αἰὲν ἀνθρώποις κακά.

Blinder Reichthum, ja du solltest nicht zu Land und nicht im Meere und auf keinem Boden hausen, sondern nur im Höllenreiche wohnen: Denn du bist die Quelle aller Übel in der Welt!

(Poetae Melici Graeci 731, Übersetzung J. A. Hartung)
Re: Über Reichtum
Aurora schrieb am 10.06.2026 um 08:53 Uhr (Zitieren)
Die Sache ist nicht übersetzbar, da τυφλός nicht nur (wie dt. blind) eine aktive Dimension

Analog dazu ist caecus im Lateinischen.
Re: Über Reichtum
Patroklos schrieb am 10.06.2026 um 10:07 Uhr (Zitieren)
Nur nebenbei zum Thema „blind“.
Das Wegschauen aus Gründen der Peinlichkeit heißt im Englischen „to turn a blind eye“. „To pretend tactfully not to see/to avoid embarrassment“
 
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