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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die älteste nachgewiesene Pest-Epidemie (99 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.06.2026 um 14:07 Uhr (Zitieren)
Pest im Paradiese

Westlich des Baikalsees in Sibirien sind Forscher auf die Opfer des frühesten bisher bekannten Ausbruchs der Pest gestoßen. Wie Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen und Mitautoren in „Nature“ berichten, identifizierten sie 18 von 42 Menschen auf vier Gräberfeldern entlang des Flusses Angara als Pesttote. Ihre Überreste wiesen Erbmaterial des Erregers (Yersinia pestis) auf, und ihre Verwandtschaftsgrade deuten auf Ansteckungen in kleinen Familiengruppen hin. Zudem muss es zwei Ausbrüche gegeben haben, eine[n] kurz nach 3500 v. Chr. und eine[n] weitere[n] einige Jahrhunderte später. Damals lebten die Menschen am Baikalsee noch in kleinen mobilen Gruppen als Jäger und Sammler und hatten keine Kontakte zu neolithischen Bauern im westlichen Eurasien. Die Entdeckung stellt daher die verbreitete Theorie infrage, Infektionskrankheiten hätten sich erst unter den beengten Bedingungen einer sesshaften, agrarischen Lebensweise ausbreiten können.

(FAS vom 21. Juni 2026)
Re: Die älteste nachgewiesene Pest-Epidemie
info schrieb am 24.06.2026 um 16:24 Uhr (Zitieren)
Die älteste wissenschaftlich nachgewiesene Pestepidemie der Menschheitsgeschichte ereignete sich vor rund 5.500 Jahren (in der Spätsteinzeit) in Sibirien. Diese Entdeckung wurde im Juni 2026 in einer Studie im Fachmagazin Nature veröffentlicht und wirft ein völlig neues Licht auf die Entwicklung des Pesterregers (Yersinia pestis).
Die Eckdaten des Ausbruchs

Region: Region um den Baikalsee im Südosten Sibiriens (u. a. an der archäologischen Fundstätte Ust-Ida am Fluss Angara).

Betroffene Kultur: Mobile Jäger und Sammler.

Erregernachweis: Ein internationales Forschungsteam isolierte bakterielle DNA aus den Zähnen von 46 untersuchten Individuen. Bei 18 von ihnen (39 Prozent) wurde der Pesterreger zweifelsfrei nachgewiesen.

Warum dieser Fund die Wissenschaft überraschte

Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass tödliche Epidemien ein Phänomen sesshafter Kulturen seien. Die gängige Theorie besagte, dass die Pest dichte Siedlungen, Ackerbau und die Nähe zu Nutztieren sowie Ratten benötigte, um sich massenhaft auszubreiten.

Der Fund am Baikalsee widerlegt dies: Die Seuche grassierte bereits Jahrhunderte vor der Entstehung großer Städte in kleinen, mobilen Gruppen.

Besonderes Merkmal der Toten: Unter den Opfern befanden sich auffallend viele Kinder und Jugendliche. Da viele von ihnen in Gemeinschaftsgräbern (z. B. zusammen mit Geschwistern oder Eltern) bestattet wurden, lässt sich auf ein plötzliches, massives Sterbeereignis innerhalb kurzer Zeit schließen.

Übertragungsweg und Aggressivität

Die genetische Analyse des Steinzeit-Erregers zeigte wichtige Unterschiede zu späteren Pandemien wie dem Schwarzen Tod im Mittelalter:
Merkmal Steinzeitliche Pest (vor 5.500 Jahren) Mittelalterliche Pest (ab 1346)
Hauptüberträger Direkter Kontakt mit Wildtieren (z. B. Murmeltieren) Flöhe auf Ratten
Infektionsform Vermutlich primär Lungenpest (Mensch-zu-Mensch) Beulenpest und Lungenpest
Genetische Anpassung Fehlendes Gen für die Überleitung durch Flohbisse, aber Vorhandensein eines hochaggressiven Toxins (Superantigen) Vollständig an die Übertragung durch Flöhe angepasst

Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Jäger beim Erlegen, Häuten oder Verzehr von infizierten Nagetieren (wie Murmeltieren) ansteckten. Einmal im Menschen verankert, verbreitete sich die Krankheit wahrscheinlich rasant per Tröpfcheninfektion über die Atemwege von Person zu Person. Trotz des Fehlens der klassischen Floh-Übertragung war dieser frühe Stamm für die Betroffenen bereits extrem tödlich.
 
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