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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2 (287 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.06.2026 um 12:23 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Moralia 232 D – 236 E:
10.
To a man who was listening avidly to some spitefully slanderous remarks a Spartan said, “Stop being so generous with your ears against me [παῦσαι κατ’ ἐμοῦ τὰ ὦτα χορηγῶν].”

11.
To a man who was being punished, and kept saying, “I did wrong unwillingly,” someone retorted, “Then take your punishment unwillingly [ἄκων τοίνυν καὶ κολάζου].”

13.
When some Chians, on a visit to Sparta, vomited after dinner in the hall of the Ephors, and befouled with ordure the very chairs in which the Ephors were wont to sit, the Spartans, first of all, instituted a vigorous investigation, lest possibly these might be citizens; but when they learned that they were, in fact, Chians, they caused public proclamation to be made that ‘The Spartans grant permission to the Chians to be filthy [τοῖς Χίοις ἐφιᾶσιν ἀσελγαίνειν].’

15.
A man plucked a nightingale and finding no meat, said, “It’s all voice ye are, and nought else [φωνὰ τύ τίς ἐσσι καὶ οὐδὲν ἄλλο].”

[Plutarch: Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 394-421
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 26.06.2026 um 13:10 Uhr (Zitieren)
Zu 13. die Frage, welche Strafe denn Spartaner für dieses Malheur zu gewärtigen gehabt hätten?

Die anderen drei sind richtig niedlich in ihrer kindlich-schlagfertigen Art.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Γραικύλος schrieb am 26.06.2026 um 13:43 Uhr (Zitieren)
Den Ephoren auf die Sessel kotzen? Das muß für einen Spartaner schwere Folgen haben!
Eine genaue gesetzliche Vorschrift?
Charillus, being asked why Lycurgus made so few laws, said, “Because those who use few words have need of but few laws [ὅτι, ἔφη, τοῖς ὀλίγα λέγουσιν ὀλίγων καὶ νόμων ἐστὶ χρεία].”

Mein Favorit ist 15. Ja, niedlich.

Letztlich waren die Spartaner doch nicht nur diese Blutsuppe essenden Haudraufs.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 26.06.2026 um 13:58 Uhr (Zitieren)
Letztlich waren die Spartaner doch nicht nur diese Blutsuppe essenden Haudraufs.
Nein, das Bild wäre wohl schief. Aber der negative Eindruck hängt sicherlich auch damit zusammen, daß solche Sprüche wie diese es nicht weiter in den Vordergrund geschafft haben. (Selbst in unserem wirklich sehr guten Griechischunterricht haben wir solche Blüten leider nicht zu sehen bekommen.)
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Patroklos schrieb am 26.06.2026 um 14:32 Uhr (Zitieren)
unserem wirklich sehr guten Griechischunterricht.

Ein aufschlussreiches Binnenlob (laus sibi). Das passiert selbst hohen Würdenträgern zuweilen. Soeben lobte Mr. Starmer seine Demissionsentscheidung mit den Worten „with good grace“. Ein Cambridger Freund kommentierte/bestätigte meinen höflichen Einwand:
It’s odd that he says so himself- it would normally be something that others say of him.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Γραικύλος schrieb am 26.06.2026 um 15:00 Uhr (Zitieren)
In Deuschland sind die Spartaner ja vor allem von den Nazis popularisiert ... und reduziert worden.
Man denke daran, wie die Schlacht von Stalingrad mit der bei den Thermopylen verglichen wurde. "Sie starben, damit Deutschland lebe!"
So wie die deutsche Jugend "hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie Windhunde" werden sollte. Hitler dachte bei den Griechen an Sparta.

Humor, auch lakonischer, war da nicht vorgesehen.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 26.06.2026 um 15:46 Uhr (Zitieren)
it would normally be something that others say of him.
Eben! Ich habe mit dem Unterricht den Lehrer gelobt, nicht uns, nicht mich - ich bin einer der 'others'. Dieser Deiner witty comments geht ins Leere.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 26.06.2026 um 15:49 Uhr (Zitieren)
Und ich bitte näher zu erläutern, welchen Aufsschluß Du aus meiner Bewertung ziehen zu können vermeinst.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Patroklos schrieb am 26.06.2026 um 16:09 Uhr (Zitieren)
„Nicht zu sehen bekommen“
Das könnte womöglich vieles betreffen.

Eine Anschauung meinerseits ist bei leicht 35° Außentemperatur umweht:
In unserem sehr guten Mathematikunterricht (fiktiv) haben wir die Mersenne-Primzahlen nicht zu sehen bekommen. Bitter!
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 26.06.2026 um 16:57 Uhr (Zitieren)
Tja, es ist eben nicht Bitterkeit, die aus meinem Satz, den Du jetzt zerpflückst, spricht, sondern ein Staunen, daß das Bild, das wir - in einem Unterrichtsmodul, das sich mit dem Vergleich Athen-Sparta in puncto Erziehung und Staatsauffassung beschäftigte - aus der Plutarch-Lektüre (und einige der vorgestellten Moralia-Stellen habe ich wiedererkannt) gewinnen konnten, offenbar einigermaßen (oder reichlich) monochrom war.
Dies, aber hier beginnt es etwas spekulativ zu werden, "vielleicht mit Absicht gar": unser Griechischlehrer (17jährig eingezogen, in russische Gefangenschaft geraten und mit schweren, dauernden Gesundheitsschäden heimgekehrt) hatte den nazistischen Irrsinn am eigenen Leibe gebüßt; gut möglich, daß er, im mutmaßlichen Bestreben, dem braungefärbten Spartabild (s. Γραικύλος 15:00 Uhr) ein offenes, freieres Gegenbild entgegenzusetzen, aufhellende Züge wie die obigen nicht hat aufleuchten lassen.
Merke: es gibt kaum etwas, was ganz schwarz oder nur weiß ist - das ist die Einsicht, die ich wieder einmal, hier aus dem vorgestellten "lakonischen Humor" ziehe,
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Patroklos schrieb am 26.06.2026 um 17:19 Uhr (Zitieren)
Unsere nicht wenigen kriegsversehrten Lehrer, allesamt masculini generis, der noch 60er Jahre, waren Mahnmale. Einige ließen uns zurückhaltend, weniger keck werden. Wir sahen ihre Schicksale. Freilich gab es irgendwann dann auch quasi Normalität: der nur mit dem linken Arm schreibfähige Lateinlehrer.
(Sorry fürs Persönliche)
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Γραικύλος schrieb am 26.06.2026 um 18:02 Uhr (Zitieren)
Es werden noch Anekdoten kommen, bei denen die Athener aus moralischer Sicht ganz, ganz schlecht aussehen im Vergleich zu den Spartanern: geradezu flegelhaftes Benehmen vs. Anstand.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 26.06.2026 um 18:53 Uhr (Zitieren)
Naja, das kommt nicht ganz so unerwartet: lose-aufmüpfig vs. sittenstreng. Aber ich lasse mich überraschen.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Γραικύλος schrieb am 26.06.2026 um 19:49 Uhr (Zitieren)
Laß Dich überraschen.
Ich meine nicht lose-aufmüpfig vs. sittenstreng, sondern schäbig vs. anständig.

Das Beunruhigende: Ich habe mir sofort gedacht, daß das heutzutage ebenso passieren könnte, bin mir nur nicht sicher, wer heute die Spartaner wären.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Bukolos schrieb am 27.06.2026 um 00:53 Uhr (Zitieren)
Hierbei sollte man nicht ausblenden, dass aus den überlieferten Texten über Sparta - sei das Spartabild, das sie entwerfen, nun negativ oder positiv - nicht Sparta spricht, sondern Athen bzw. die attische Tradition. Je nach Tendenz der Autoren wird Sparta Projektionsfläche des eigenen politisch-moralischen Programms: vom So wollt ihr nicht werden! bis zum So sollten wir leben! Wer die Spartaner tatsächlich waren, lässt sich daraus nur sehr bedingt ableiten.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Γραικύλος schrieb am 27.06.2026 um 11:25 Uhr (Zitieren)
Plutarch aus Chaironeia (seine Urheberschaft unterstellt) zählt zur attischen Tradtion? Ich hatte ihn der neutralen Seite zugeordnet.

Aber sicherlich kennen wir keine bzw. kaum spartanische Quellen.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #2
Bukolos schrieb am 27.06.2026 um 13:34 Uhr (Zitieren)
Nun ja, was Plutarch mitteilt, ist eben abhängig von der Polis, deren Literatur von den Alexandrinern als mustergültig verehrt und gesammelt wurde, eben Athen. Und: Literatur setzt in der Antike relativ aufwendig zu unterhaltende Institutionen der Textpflege voraus. Papyrus bleibt jenseits trockenen Wüstenklimas ca. 70 Jahre lesbar, Texte (die nicht in Stein oder Erz gegraben waren) mussten also regelmäßig kopiert werden.

Der Mangel an spartanischen Quellen war auch zu Plutarchs Zeiten offensichtlich. Ob Sparta keine Literatur hatte, wie die Überlieferung behauptet,* ob die genannten Institutionen fehlten oder ob Alexandria und Pergamon als kulturelles Gedächtnis der hellenistischen Epoche einfach kein Interesse an spartanischen Texten hatten, die Perspektive auf Sparta war einseitig.

* Γράμματα ἕνεκα τῆς χρείας ἐμάνθανον· τῶν δ' ἄλλων παιδευμάτων ξενηλασίαν ἐποιοῦντο, οὐ μᾶλλον ἀνθρώπων ἢ λόγων. "Lesen und Schreiben lernten sie nur zur Notdurft; alle übrigen Wissenschaften waren, gleichsam als Fremdlinge, verbannt[, was für Gedanken genauso wie für Menschen galt]." Plut., Instituta Laconica 4 (= mor. 237b), Übersetzung Bähr (ergänzt). Vgl. Plut., Leben des Lykurg 16, 4.
 
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