Zwingli und die rechtschaffenen Heiden (275 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 29.06.2026 um 14:25 Uhr (Zitieren)
Gottfried Keller: Züricher Novellen - Ursula
Der Züricher Reformator Ulrich Zwingli (1484-1531) ist im Oktober 1531 im Zweiten Kappelerkrieg gegen die fünf katholischen Kantone gefangen genommen und dann hingerichtet worden. Keller schildert es so, daß er in der Schlacht selbst gefallen sei.
(Gottfried Keller: Züricher Novellen, Legenden und Erzählungen. München 1978, S. 351 f.)
(1) von Frankreich
(2) Zwingli hatte Griechisch gelernt und nicht nur die Bibel, sondern auch die antiken Klassiker studiert.
Daß hier "die rechtschaffenen Heiden" in den Himmel aufgenommen worden sind, ist sehr freundlich für einen Christen; deren Liste fällt freilich merkwürdig aus.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
Andreas schrieb am 29.06.2026 um 16:35 Uhr (Zitieren)
Das waren die Vorläufer von Rahners anonymen
Christen.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
Γραικύλος schrieb am 29.06.2026 um 16:42 Uhr (Zitieren)
Das ist ein vereinnahmender Ausdruck. Zwingli läßt sie sein, was sie sind bzw. waren: Heiden.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
info schrieb am 29.06.2026 um 16:51 Uhr (Zitieren)
Römer 2,14-15:
„Wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz. Sie zeigen damit, dass des Gesetzes Werk in ihr Herz geschrieben ist; ihr Gewissen bezeugt es ihnen...“
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
Γραικύλος schrieb am 29.06.2026 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Herkules?
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
info schrieb am 29.06.2026 um 17:21 Uhr (Zitieren)
Gilt sicher nicht für literarische Fiktionen und Verdichtungen, zu der auch der biblische
Abraham, Moses und Jesus gehören, der historisch
als nahezu unbekannt gilt, u.v.a.m.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
Γραικύλος schrieb am 29.06.2026 um 17:22 Uhr (Zitieren)
Diesen heute gängigen Unterschied macht der Text überhaupt nicht, sondern mischt alle Arten von Helden zusammen.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
Patroklos schrieb am 29.06.2026 um 17:35 Uhr (Zitieren)
Witz eines schottischen Freundes, studying divinity.
Do you know the difference between Calvin and Zwingli?
Well, Calvin had a beard and Zwingli didn’t.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
βροχή schrieb am 30.06.2026 um 07:10 Uhr (Zitieren)
"... ist sehr freundlich für einen Christen... "
Diese Floskel funktioniert immer.
Setze statt "einen Christen"
etwas anderes ein, wie etwa
... einen...
Heiden
Juden
N-wortler
Muslim
Kommunisten
Mann
Migranten
Rentner
Halbstarken
...
Sie ist ein Passepartout der pauschalen Abwertung.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
info schrieb am 30.06.2026 um 10:20 Uhr (Zitieren)
Konnte er auch nicht.
Damals kannte man die historisch-kritische
Methode in der heutigen Form nicht.
Ein bisschen Allegorese u.ä.und das wars dann auch schon.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
Γραικύλος schrieb am 30.06.2026 um 10:50 Uhr (Zitieren)
Nein, für einen Christen ist diese Einstellung tatsächlich ungewöhnlich, denn die christliche Soteriologie erfordert für das Heil den Glauben an Jesus Christus - wenn nicht sogar die Zugehörigkeit zur Kirche (nulla salus extra ecclesiam).
Etwa bei Dante befinden sich selbst die größten Helden der Antike in der Vorhölle (Limbus) - ein Ort, dessen Existenz die katholische Kirche erst vor einigen Jahren aufgegeben hat.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
Γραικύλος schrieb am 30.06.2026 um 10:53 Uhr (Zitieren)
"Damals" ist wann? Diese Geschichte stammt von Gottfried Keller.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
βροχή schrieb am 30.06.2026 um 12:20 Uhr (Zitieren)
Dann ist es nicht rassistisch, wenn man einem schwarzen sagt, für einen schwarzen bist du ziemlich unmusikalisch, denn die meisten schwarzen sind sehr musikalisch...
?
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
βροχή schrieb am 30.06.2026 um 13:10 Uhr (Zitieren)
... die positive Version:
"für einen schwarzen spricht er gut deutsch"
ist zwar insofern korrekt, dass die weitaus meisten schwarzen kein Deutsch sprechen, wird aber gar nicht gut aufgenommen. Probiere es mal aus.
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
Γραικύλος schrieb am 30.06.2026 um 14:13 Uhr (Zitieren)
Ich verstehe die Parallele nicht.
Die christliche Theologie sagt traditionell über Heiden ...
Hier aber sagt ein Christ über Heiden ...
Das ist sehr freundlich für einen Christen.
Was wird vom Christentum übrigbleiben?
Ein mehr oder weniger radikaler Humanismus
mit unklarer, phantastischer Jenseits-Perspektive,
ein rein menschliches Gedankenkonstrukt
ohne jede rationale Basis ?
Notwendiges Wunschdenken zur Motivation derer,
sie so etwas brauchen um den Glauben an den Sieg des Guten nicht zu verlieren?
Re: Zwingli und die rechtschaffenen Heiden
info schrieb am 01.07.2026 um 07:07 Uhr (Zitieren)
vgl.
Rupert Lay, Nachkirchliches Christentum.
Der lebende Jesus und die sterbende Kirche,1995