Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7 (198 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.07.2026 um 13:02 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Moralia 232 D – 236 E:
[Plutarch: Moralia III. Ed. by Frank Cole Babbitt. Cambridge (Mass.)/London 72004, pp. 394-421]
(7) Agis III. (338-331/330 v.u.Z.) konnte eine antimakedonische Allianz organisieren, unterlag aber wohl im Frühjahr 330 dem makedonischen General Antipater bei Megalopolis, wurde verwundet und starb auf dem Rückzug.
(8) Homer, Ilias XXII 74 und XXIV 516
55 ist nun die Anekdote, von der ich meinte, daß sich die Griechen/Athener schäbig, die Spartaner hingegen anständig verhalten.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7
Γραικύλος schrieb am 01.07.2026 um 13:39 Uhr (Zitieren)
right and fair: τὰ καλά.
Welch ein schlichtes und schönes Wort!
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 01.07.2026 um 14:12 Uhr (Zitieren)
Ja, das hat nix mit lose-aufmüpfig / sittenstreng zu tun, das ist auch mehr als flegelhaft, das muß man wirklich schon schäbig nennen. Und es ist ja nicht eine Handvoll halbwüchsiger Rüpel, sondern fast die ganze Zuschauerschaft, die mit einem Greis respektlos umgeht und mutwillig ihr böses Spiel treibt.
Ich finde auch den einleitenden Ausruf so treffend οἴμοι τῶν κακῶν!
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7
Γραικύλος schrieb am 01.07.2026 um 16:07 Uhr (Zitieren)
Gefragt habe ich mich, ob das heute noch (wieder) passieren könnte ... und wer dann für den alten Mann aufstünde. Vielleicht Türken?
οἴμοι τῶν κακῶν, das merke ich mir. Für alle Fälle.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7
βροχή schrieb am 02.07.2026 um 06:05 Uhr (Zitieren)
Mit Sicherheit kein Türke.
Eine alte, noch nicht uralte Frau oder ein ganz junger Araber mit größerer Wahrscheinlichkeit. Der uralte Mann braucht aber mind. 1 Krücke, sonst wird das nix.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7
Bukolos schrieb am 02.07.2026 um 11:28 Uhr (Zitieren)
Der Anekdotenerzähler will zuviel: Der Sinneswandel der versammelten Athener von boshafter Verhöhnung des Alten zu begeisterter Zustimmung für jene, die sich seiner erbarmen, wirkt nicht sonderlich plausibel.
In der älteren Fassung der Anekdote, in Ciceros Cato maior, findet sich von derartiger Spottlust im Publikum noch keine Spur. Der Applaus wirkt hier auch schon dadurch motiviert, dass es spartanische Würdenträger sind, die, nachdem der Greis sich durch die Reihen abwärts bis zur Prohedria vorgearbeitet hat (einem Bereich des Theatron, dem nahezu die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wurde, wie der Bühne selbst), ihm einen Platz in ihrem privilegierten Bereich einräumen und dadurch eine Art Oedipus Coloneus mit happy ending zur Aufführung bringen.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 02.07.2026 um 13:27 Uhr (Zitieren)
Ja, der Einwand ist berechtigt, die plötzlich einhellige Zustimmung derer, die den Alten vorher verhöhnt hatten, ist mir auch als etwas seltsam aufgestoßen.
Aber die Ausschmückung mit der Zutat der Verhöhnung soll wohl den Gegensatz zwischen '(eigentlich) wissen' und sich dennoch 'schäbig verhalten' - der Satz, das Fazit des Alten ist ja bei beiden Autoren / Überlieferungen so gut wie identisch - noch weiter pointieren.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7
Γραικύλος schrieb am 02.07.2026 um 13:48 Uhr (Zitieren)
Zwischen der Verhöhnung und dem Applaus könnte ein wichtiger Moment liegen: die Scham.
Re: Spartaner-Sprüche ohne namentliche Zuordnung #7
Γραικύλος schrieb am 02.07.2026 um 13:53 Uhr (Zitieren)