Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Fall Lucretia #4 (92 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 13.07.2026 um 11:01 Uhr (
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Titus Livius I 58-60:
Sobald man dorthin gekommen war, berief ein Herold das Volk vor den Tribunen der Celeres – dieses Amt hatte damals gerade Brutus inne. Er hielt dort eine Rede, aus der keineswegs mehr der Charakter und der Geist sprach, den er bis zu diesem Tag vorgetäuscht hatte; er sprach von der Gewalttat und der zügellosen Begierde des Sex. Tarquinius, von der abscheulichen Schändung der Lucretia und ihrem beklagenswerten blutigen Tod, von dem Verlust, den Tricipitinus erlitten hatte, für den empörender und beklagenswerter noch als der Tod der Tochter die Ursache dieses Tode sei. Dann kam er auf die Überheblichkeit des Königs selbst zu sprechen und auf das Elend und die Mühen des einfachen Volkes, das er zum Ausheben von Gräbern und Entwässerungskanälen unter die Erde geschickt habe; römische Männer, Sieger über alle Völker ringsum, habe er aus Kriegern zu Bauarbeitern und Steinmetzen gemacht. Er rief den empörenden Mord an König Ser. Tullius (3) in Erinnerung und wie dessen Tochter mit ihrem ver-ruchten Wagen über den Leichnam ihres Vaters gefahren war, und rief die Götter an, die die Eltern rächen.
Indem er diese und andere, ich glaube noch schrecklichere Dinge in Erinnerung rief, wie sie die Empörung des Augenblicks eingibt, wie sie aber für die Geschichtsschreiber keineswegs leicht wiederzugeben sind, brachte er die erregte Menge dazu, daß sie dem König die Herrschaft aberkannte und L. Tarquinius mit Frau und Kinder[n] in die Verbannung schickte. Er selbst stellte aus den jungen Männern, die sich freiwillig meldeten, eine Truppe zusammen und bewaffnete sie und machte sich dann auf den Weg nach Ardea zum Lager, um das Heer gegen den König aufzuwiegeln. Die Befehlsgewalt in der Stadt überließ er Lucretius, der schon zuvor vom König als Stadtkommandant eingesetzt worden war.
Während dieser Unruhen flüchtete Tullia aus ihrem Haus; wo sie auch auftauchte, wurde sie von Männern und Frauen verflucht, die die Rachegeister der Eltern [parentum furias] auf sie herabriefen.
(Titus Livius: Römische Geschichte. Bd. 1: I-III. Hrsg. v. Hans Jürgen Hillen. Darmstadt 1987, S. 150-157)
(3) 6. König Roms, dessen Tochter Tullia den Tarquinius Superbus heiratete; dieser setzte den Ser. Tullius ab und ließ ihn ermorden; Tullias Wagen überfuhr die Leiche, die unbestattet liegenblieb.