Sein frühes Verschwinden: In den Berichten über das spätere, öffentliche Wirken Jesu taucht Josef nie auf. Nur seine Mutter Maria und seine Geschwister werden erwähnt. Historiker gehen davon aus, dass Josef bereits vor dem Beginn von Jesu Wirken verstarb. Ein Erfinden einer Vaterfigur, die dann einfach stillschweigend aus der Geschichte verschwindet, wäre aus erzählerischer Sicht im Altertum unüblich gewesen.
Es gibt tatsächlich eine gelehrte Minderheitenmeinung und kritische Stimmen, die Josef weniger als historische Person und vielmehr als eine theologische Kunstfigur (eine literarische Fiktion bzw. ein "Midrasch") betrachten.
Die Autoren der Evangelien könnten die Figur des Josef literarisch konstruiert oder stark überformt haben, um Jesus ganz bewusst in die jüdische Tradition zu stellen. Jesus sollte als der "neue Mose" inszeniert werden – und ein neuer Mose braucht, genau wie der alte, einen Wegbereiter namens Josef, der ihn nach Ägypten bringt. In dieser Sichtweise ist Josef eine symbolische "Archetype"
Die Argumente für die Historizität Josefs lassen sich in drei Kernpunkten zusammenfassen:
-Das Kriterium der Peinlichkeit: Eine uneheliche Schwangerschaft war im damaligen Judentum ein schwerer Makel. Dass die Evangelien einen Mann präsentieren müssen, der das Kind dennoch adoptiert und legitimiert, spricht dafür, dass diese schwierige Familiensituation historische Realität war und nicht frei erfunden wurde.
- Unabhängige, nüchterne Erwähnung: Während Matthäus und Lukas Josef mit Legenden umgeben, erwähnen das älteste Evangelium (Markus) und das Johannesevangelium ihn völlig nüchtern und beiläufig als bekannten Vater Jesu aus der Nachbarschaft. Diese schlichten Alltagsberichte deuten auf eine reale Erinnerung hin.
-Sein folgerichtiges Verschwinden: Josef taucht beim späteren Auftreten des erwachsenen Jesus nicht mehr auf, was auf einen frühen Tod hindeutet. Für eine reine theologische Wunschfigur wäre dieses lautlose Verschwinden erzählerisch sinnlos gewesen.
Hätten sie ihn am Leben gelassen, er hätte bestimmt Maria Magdalena geehelicht und mit ihr Kinder gehabt. Vielleicht ganz gut, dass es zur Gründung dieser Dynastie von Viertel- und Achtelgöttern nicht gekommen ist!
Re: Odysseus als Vater
info schrieb am 16.07.2026 um 10:39 Uhr (Zitieren)
Der bekannte Journalist Franz Alt räumt in seinem Buch "Die außergewöhnlichste Liebe aller Zeiten – Die wahre Geschichte von Jesus, Maria Magdalena und Judas" (2021) mit überlieferten Kirchenklischees auf. Er zeichnet Jesus und Maria Magdalena als engste Seelengefährten und plädiert dafür, sie als das größte Liebespaar der Weltgeschichte zu betrachten.
Re: Odysseus als Vater
info schrieb am 16.07.2026 um 10:51 Uhr (Zitieren)
PS:
Ob Jesus leibliche Geschwister hatte (Mk 6,3; Mt 13,55f), bleibt umstritten.
Wäre es so, wäre die Jungfrau Maria "ante partum in partu post partum" nicht mehr zu halten.
Seit dem 19. Jahrhundert vertreten zahlreiche Theologen die Auffassung, die Geburtsgeschichten bei Evangelium nach Matthäus und Evangelium nach Lukas seien vor allem Glaubenszeugnisse. Sie verweisen darauf, dass die ältesten neutestamentlichen Schriften (etwa die Paulusbriefe und das Evangelium nach Markus) die Jungfrauengeburt nicht erwähnen.
Re: Odysseus als Vater
βροχή schrieb am 16.07.2026 um 10:59 Uhr (Zitieren)
Ist der kleine sein Sohn? Dann passt es perfekt :)
Re: Odysseus als Vater
βροχή schrieb am 16.07.2026 um 11:03 Uhr (Zitieren)
Die Frage ist unlogisch. Gäbe es dieses ganz sichere Wissen, dann wäre es kein Glauben.
Re: Odysseus als Vater
Patroklos schrieb am 16.07.2026 um 11:10 Uhr (Zitieren)
Sind Franz Alt und Eugen Drewermann nicht schon lange verheiratet? Beide sollen Taufpaten des Spahnschen Kindes werden, hört man.
Re: Odysseus als Vater
Γραικύλος schrieb am 16.07.2026 um 11:34 Uhr (Zitieren)
Über das Thema "Odysseus als abwesender Vater" gibt es nichts zu sagen? Nur über den unvermeidlichen Jesus?
Re: Odysseus als Vater
βροχή schrieb am 16.07.2026 um 11:39 Uhr (Zitieren)
... aber ich schrieb doch über ihn,
viell. zu profan?
16.07.2026 um 08:43 Uhr
Re: Odysseus als Vater
Andreas schrieb am 16.07.2026 um 12:38 Uhr (Zitieren)
Wenn Glaube bei so etwas anfängt, dann ist das für mich ein
seltsamer Glaube, der der Glaubensüberzeugung, dass Jesus
auch ganz Mensch war mit allen menschlichen Gefühlen und Bedürfnissen,
widerspricht und somit sein Menschsein massiv einschränkt um der
unnötigen, krampfhaften Betonung seiner divinen Herkunft willen.
Du sollest vlt. einen Blick in die moderne Soteriogie werfen, die ohne Leid
und Kreuzestod auskommt.
Die Satifaktionstheorie betrachte ich als überwunden und Blasphemie.
(z.B.Jürgen Moltmann)
Re: Odysseus als Vater
Γραικύλος schrieb am 16.07.2026 um 15:33 Uhr (Zitieren)
Ja, Du hast - kurz - etwas über Odysseus und Telemachos geschrieben. Als Odysseus zurückkehrt, halten sie zusammen.
Aber wie steht Telemachos zu seinem Vater?
Die interessante These von Gospodinov lautet:
Wie lieben wir jemanden, der nicht da ist? Das dürfte doch wohl eine andere Liebe als die zu einem Anwesenden sein, mit dem man zusammen lebt. Es dürfte sich um eine Idealisierung handeln, bei der man etwas in jemanden projiziert.
Und es bleibt das Merkwürdige, daß Odysseus nur den Telemachos nicht auf die Probe stellt.
Re: Odysseus als Vater
Patroklos schrieb am 16.07.2026 um 15:53 Uhr (Zitieren)
Die 10 Jahre Dauer ergibt sich aus dem Ziel der Mannbarwerdung des Telemach bzw der Todeserklärung des Verschollenen. Daher die Mordpläne der Freier. Dies ist die literarische KONSTRUKTION. Homer benötigt Polyphem wegen dessen Rachevater. Erst dadurch ergeben sich Abenteuer und Dauer.
Re: Odysseus als Vater
βροχή schrieb am 16.07.2026 um 15:57 Uhr (Zitieren)
Das ist sehr wahrscheinlich, solange er weg war. Das Zusammentreffen bei der Rückkehr, die Begegnung mit dem Vater normalisiert dann das Idealbild.
Telemachos wird nicht auf die Probe gestellt, weil er noch als Kind gilt. Ihm werden Fehler nicht so angekreidet wie Erwachsenen.
Re: Odysseus als Vater
Γραικύλος schrieb am 16.07.2026 um 22:43 Uhr (Zitieren)
Oder weil Odysseus ein Schuldbewußtsein ihm gegenüber hat?
Immer vorausgesetzt, daß Homer diese darstellerische Entscheidung bewußt getroffen hat.
Gegenüber Penelope hat er das aber wohl nicht (Kalypso).
Re: Odysseus als Vater
βροχή schrieb am 17.07.2026 um 05:53 Uhr (Zitieren)
Eher nicht. Er möchte stolz auf den Nachwuchs sein.
Re: Odysseus als Vater
Bukolos schrieb am 17.07.2026 um 11:16 Uhr (Zitieren)
Welche Proben sind eigentlich gemeint? Geht es um das Ausforschen der Angehörigen im Inkognito des Bettlers? Das widerfährt ja auch Telemach in der Hütte des Eumaios.
Dass Odysseus sich ihm schließlich selbst zu erkennen geben muss, dass es keine Anagnorisis-Szene wie bei Eurykleia, Laertes und Penelope gibt, liegt ja schlicht daran, dass Telemach keine Erinnerung an seinen Vater haben kann.
Die erste Rasur, bei der der Vater vermisst worden sei, hat übrigens wenig mit der Odyssee zu tun: Zum einen rasieren sich homerische Helden nicht, zum anderen hat Telemach noch keinen Bartwuchs.
Re: Odysseus als Vater
Γραικύλος schrieb am 17.07.2026 um 13:16 Uhr (Zitieren)
Das ist ein Argument!
Re: Odysseus als Vater
Ebenezer schrieb am 17.07.2026 um 14:01 Uhr (Zitieren)
Odysseus prüft außerdem gleich nach der durch göttliche Verwandlung inszenierten Offenbarung seiner Identität zuerst Telemachs Vertrauen und Mut gegenüber dem irrational scheinenden Plan, zu zweit über hundert Freier zu töten - ein Plan, den Telemach erst akzeptiert, als Odysseus auf den Beistand der Götter verweist.
Darauf folgt ein expliziter Loyalitätstest, der der heiklen Mission vorausgeht. Mit den Worten „Bist du wirklich mein Sohn, und unsers edlen Geblütes“ nötigt er ihm Schweigen über seine Identität auch Vertrauenspersonen gegenüber ab. Die Formel zielt auf die innere Identifikation mit der Rolle des Sohns, er bindet ihn so an die väterliche Autorität und kann aus seinem Verhalten Rückschlüsse ziehen.