Γραικύλος schrieb am 19.07.2026 um 15:45 Uhr (Zitieren)
(1) Apollon
Dies ist des Euripides Versuch, den psychischen Zustand einer (von einem Gott!) vergewaltigten Frau darzustellen.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 10:25 Uhr (Zitieren)
Sie vermisst ihr Kind. Sie gab es auf, obwohl sie es nicht ablehnt.
Was mir als fremdartig auffällt:
das Wort Bund.
Ein Bund wird einvernehmlich geschlossen, Verbündete haldeln im gegenseitigen Einverständnis gegenüber Außenstehenden.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 20.07.2026 um 10:44 Uhr (Zitieren)
Das hieße in heutigem, oder weniger poetisch "eingeklemmtem", Deutsch wohl 'Verbindung'. Denn unauflöslich miteinander verbunden sind sie durch die Tat und ihre Folgen.
Γραικύλε, Du bist sonst so gewissenhaft mit Quellenangaben, bist Du bitte so freundlich, die hier nachzuliefern?
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
Γραικύλος schrieb am 20.07.2026 um 11:45 Uhr (Zitieren)
Was meinst Du mit Quellenangabe?
Euripides: Ion, Verse 859-906, so steht es da.
Die Übersetzung ist die von Ernst Buschor.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 11:45 Uhr (Zitieren)
Das sehe ich anders, eine Verbindung kam gar nicht erst zustande, daher wurde eine solche auch nicht aufgelöst.
Wobei auf sprachlicher Ebene die Silbe Ver- den Bund schon bisschen ins Zwielicht rückt.
(als Quelle verstehe ich die Tragödie Ion von Euripides mit den Versangaben V)
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 11:59 Uhr (Zitieren)
An dem Stück ist erstaunlich, dass mit Ion ein außereheliches Kind der Mutter von ihrem Ehemann Xuthos aufgenommen wird, in der Annahme, es wäre sein Bastard.
Wahrscheinlich steckt da auch ein bisschen Spott von Euripides über die Schürzenjäger drin.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 12:10 Uhr (Zitieren)
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 20.07.2026 um 12:15 Uhr (Zitieren)
868: σιγῶσα γάμους,
901f.: ἵνα με λέχεσι μελέαν μελέοις ἐζεύξω τὰν δύστανον.
Im Original ist es unzweideutig. Der γάμος ist die Hochzeit, speziell der Vollzug (consumatio), und im zweiten Passus wird Kreusa deutlich: "dort(hin), wo du mich Elende auf elendem Lager unterjochtest, die Unglückliche."
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 12:32 Uhr (Zitieren)
... könnte es sein, dass die Vergewaltigung nachträglich legitimiert werden konnte, indem der Täter das Opfer heiratet? Worauf Kreussa noch letzte Hoffnung setzte, was Apollo aber verweigerte?
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
Patroklos schrieb am 20.07.2026 um 12:36 Uhr (Zitieren)
In anderem Zusammenhang die bekannte
Legitimatio per subsequens matrimonium.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
Patroklos schrieb am 20.07.2026 um 13:24 Uhr (Zitieren)
Der vollzogene/vollendete Akt wurde früher (nur?) theologisch definiert als
Ejaculatio seminis in vas naturale mulieris.
Wegen der kuriosen Formulierung „vas naturale…“ ist mir das erinnerlich, nicht aber die Quelle.
Weiß es jemand?
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
Γραικύλος schrieb am 20.07.2026 um 13:46 Uhr (Zitieren)
Im Prinzip ja, aber bei einem Gott und einer menschlichen Frau?
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 13:56 Uhr (Zitieren)
... viell. ist der mythische Gott eine Metapher für eine Person den Herrscherhauses?
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
Γραικύλος schrieb am 20.07.2026 um 14:23 Uhr (Zitieren)
Innerhalb des Dramas nicht, und deshalb funktioniert die Option Ehe m.E. nicht im Drama.
Allenfalls konnte man erwarten, daß der Gottvater sich um sein Kind kümmerte.
Es gibt m.W. nur einen Fall, in dem ein Gott eine Menschenfrau geheiratet hat: Dionysos die Ariadne. Ein Sternbild war das Brautgeschenk.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 14:39 Uhr (Zitieren)
... weshalb ist von Bund und Verrat die Rede, wenn es das von vorn herein ausgeschlossen ist?
Metapher heißt ja gerade, es wird nicht ausgesprochen, das Publikum überträgt die Metapher selbst auf das, was gemeint ist.
Euripides zielte viell. auf einen hochrangigen Zeitgenossen, welcher sich ähnliches erlaubte wie Apollo?
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 14:46 Uhr (Zitieren)
... die Götter als Spiegelbild der Herrscherkaste
das könnte auch ein Aspekt beim Wechsel vom Polytheismus zum Monotheismus sein?
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
Patroklos schrieb am 20.07.2026 um 14:56 Uhr (Zitieren)
Spiegelbild?
Angesichts der griechischen Stämme bzw poleis?
Wäre einen eigenen Faden wert, mE.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 15:01 Uhr (Zitieren)
stimmt, es lenkt hier viell. bisschen ab,
war so eine Spontanassoziation
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 20.07.2026 um 15:13 Uhr (Zitieren)
Nehmt's mir nicht übel, aber diese Spekulationen entzünden sich an Gedanken, die sich von der Übersetzung ableiten bzw. an sie herangetragen werden. sie sind m. E. vom Text nicht gedeckt.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
Patroklos schrieb am 20.07.2026 um 15:24 Uhr (Zitieren)
Ich habe die Aussage als allgemeine aufgefasst.
Wenn einem so viel Kluges widerfährt, das ist schon einen Faden wert.
Re: Quellen zum Thema Vergewaltigung #2
βροχή schrieb am 20.07.2026 um 15:56 Uhr (Zitieren)
@ja, so ist es, mein Gedanke ist allgemein,
von den griechischen Göttern ausgehend, könnte es auf andere Götterwelten auch zutreffen (ägyptische, germanische ...)