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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Paradoxien, nicht nur aus der Antike #4 (125 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 05.08.2026 um 14:40 Uhr (Zitieren)
(Platz für neue Fälle)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #4
Γραικύλος schrieb am 05.08.2026 um 17:31 Uhr (Zitieren)
Die Silbenzahl in den englischen Namen endlicher ganzer Zahlen wächst immer mehr, je größer die Zahlen werden, und muß allmählich ins Unendliche wachsen, da aus einer gegebenen endlichen Zahl von Silben nur eine endliche Anzahl von Namen gebildet werden kann. Daher müssen die Namen einiger ganzer Zahlen wenigstens aus neunzehn Silben bestehen, und unter diesen muß es eine kleinste geben. Daher muß „die kleinste ganze Zahl, die mit nicht weniger als neunzehn Silben benannt werden kann“ [„the smallest integer not to be named with less than nineteen syllables“], eine bestimmte ganze Zahl bezeichnen; tatsächlich bezeichnet es 111777. Nun ist aber „the smallest integer not to be named with less than nineteen syllables“ selbst ein aus achtzehn Silben bestehender Name; daher kann die kleinste mit nicht weniger als neunzehn Silben benennbare ganze Zahl mit achtzehn Silben benannt werden, was ein Widerspruch ist.

(Alfred North Whitehead/Bertrand Russell: Principia Mathematica. Vorwort und Einleitungen. Mit einem Beitrag von Kurt Gödel. Frankfurt/M. 1986, S. 89)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #4
Γραικύλος schrieb am 05.08.2026 um 17:35 Uhr (Zitieren)
Es ist das Gesetz in einer gewissen Gegend, daß all jene, welche in die Stadt hineinwollen, nach ihrem Anliegen dort gefragt werden. Wer wahrheitsgemäß antwortet, darf in Frieden kommen und gehen. Jene, die lügen, werden gehängt. Was soll mit dem Reisenden geschehen, der, nach seinem Begehr gefragt, antwortet: „Ich bin gekommen, um gehängt zu werden“?

(R. M. Sainsbury: Paradoxien. Stuttgart 1993, S. 205)

Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #4
Patroklos schrieb am 07.08.2026 um 11:34 Uhr (Zitieren)
Heute im Büchermarkt:
Anna Schapiro: „Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind“
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #4
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 07.08.2026 um 11:47 Uhr (Zitieren)
Das klingt nur paradox (wenn man mal im Ausland erlebt hat, wie Deutsche sich aufführen, als ob sie zuhause wären …)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #4
Telramund schrieb am 07.08.2026 um 12:50 Uhr (Zitieren)
Es ist das Gesetz in einer gewissen Gegend, daß all jene, welche in die Stadt hineinwollen, nach ihrem Anliegen dort gefragt werden. Wer wahrheitsgemäß antwortet, darf in Frieden kommen und gehen. Jene, die lügen, werden gehängt. Was soll mit dem Reisenden geschehen, der, nach seinem Begehr gefragt, antwortet: „Ich bin gekommen, um gehängt zu werden“?


Dieses Gesetz der Stadt schreibt ja nur vor, die Wahrhaftigkeit des Besuchers zur Voraussetzung einer Hinrichtung zu machen, es bewertet weder den Inhalt, noch wird, wenn er nicht gehängt wird, unwahr, was er sagt, handelt es sich doch um eine Aussage über sein Begehr. Zu dessen Wahrheitsgehalt trägt die Frage, ob es erfüllt wird oder nicht, nichts weiter bei. Die Hinrichtung ist demnach eine Folge der Lüge, nicht ein Beweis der Wahrheit der Aussage oder seiner Aufrichtigkeit. Eine echte Paradoxie mit einem unauflöslichen Widerspruch liegt in meinen Augen nicht vor.
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #4
Bukolos schrieb am 07.08.2026 um 13:13 Uhr (Zitieren)
Die Paradoxien des geistigen Klimas, in dem sich die bürgerliche Jugend am Ende der k. u. k. Monarchie bewegte, schildert Manès Sperber folgendermaßen:
Beherrscht durch die Zukunft, die es ankündigt und von der es seine Bestätigung erwartet, wendet sich das revolutionäre Denken unablässig der Vergangenheit zu: In vergessenen Gräbern sucht der Rebell seine Herolde und die beispielhaften Männer. In diesem Geist durchstöberte die Jugend der besiegten Länder von 1919 die Geschichte. Sie las Marx und seine Jünger, doch verschlang sie gleichzeitig den "Untergang des Abendlandes", obschon sie die "besseren Herren" verachtete, die sich auf Spengler beriefen. Diese Jugend lächelte über die soziologische Unwissenheit und die politische Naivität Nietzsches, aber aus seiner Philosophie, mehr noch als aus dem historischen Materialismus, schöpfte sie die Gewißheit, daß man mit den Kriterien der Sittenlehren der Vergangenheit brechen mußte. Die Jungen machten sich daran, die hierarchisch geordneten Werte zu analysieren, das heißt zu zersetzen, und alle jene außer Kurs zu setzen, die nichts anderes mehr waren als Idole. Zwar nahm man Nietzsches Behauptung, Sokrates wäre nichts als ein besonders geschwätziger Sophist gewesen, für bare Münze, man fuhr jedoch fort, jenen Philosophen zu verehren, der gelehrt hatte, wie man in weiser Würde stirbt. Man kannte Platons erkenntnistheoretische und politische Theorien und lehnte sie ab, doch suchte man bei ihm, der die Poeten zu verachten vorgab, dichterische Visionen. Wir fühlten uns solidarisch mit Spartakus, mit Franz von Assisi, mit Spinoza, mit Saint-Just, mit Rosa Luxemburg, und ein gleiches Gefühl verband uns mit den jungen russischen Terroristen des 19. Jahrhunderts einerseits und mit Rembrandt, mit van Gogh und Cézanne, mit den Verkannten anderseits.

(Manès Sperber: Alfred Adler oder Das Elend der Psychologie, Frankfurt/M. / Berlin / Wien 1983, S. 12)
Re: Paradoxien, nicht nur aus der Antike #4
meine Meinung schrieb am 07.08.2026 um 16:52 Uhr (Zitieren)
Heute im Büchermarkt:
Anna Schapiro: „Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind“

Wenn man an den Saustall denkt, den viele in
der business class von Flugzeugen hinterlassen ,
ist das kein Paradoxon mehr, sondern eine ernüchternde Tatsache.
Oder so etwas:
https://www.mopo.de/news/panorama/sex-in-der-business-class-paar-nach-landung-gefasst-familie-wartet-auf-mann/3980836
 
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