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Träume von Inzest #2 (133 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.08.2026 um 11:30 Uhr (
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Artemidoros, Das Traumbuch I 78 f.:
79. Was das Kapitel über die Mutter betrifft (1), das verwickelt und umfangreich ist und viele Unterscheidungen zuläßt, so haben viele Traumdeuter es gar nicht berücksichtigt. Es hat damit folgende Bewandtnis: Die Tatsache der Liebesvereinigung für sich allein reicht noch nicht aus, um die Sinndeutung aufzuzeigen, vielmehr sind es die verschiedenen Arten der Vereinigung und Körperstellungen, die verschiedene Ausgänge bewirken.
Zuerst sei von dem Verkehr die Rede, der Körper an Körper und mit der lebenden Mutter geübt wird, weil die lebende nicht dasselbe wie die tote bedeutet. Wenn einer träumt, er beschlafe seine Mutter Körper an Körper oder, wie andere es ausdrücken, auf natürliche Weise, und zwar seine lebende, so wird er sich mit dem Vater, falls dieser gesund ist, verfeinden, wegen der Eifersucht, die etwas Allzumenschliches ist. Ist der Vater aber krank, wird er sterben; denn der Träumende wird als Gebieter und Schützer der Mutter Sohn und Gatte zugleich sein.
Von guter Vorbedeutung ist das Traumerlebnis für jeden Handwerker und Arbeiter; denn das Handwerk nennt man gewöhnlich Mutter, und was könnte die Vereinigung mit ihr anderes bedeuten als rastlose Tätigkeit und gute Einnahmen aus dem Handwerk.
Glück beschert es ferner jedem Demagogen und Politiker; denn die Mutter bedeutet das Vaterland [σημαίνει γὰρ τὴν πατρίδα ἡ μήτηρ (2)]. Wie nun der Mann beim Verkehr nach Aphroditens Gesetz ganz und gar Herr über den Körper der Beischläferin ist, wenn diese ihm zu Willen ist und sich gerne hingibt, so wird der Träumende alle Machtbefugnisse im Staat erringen.
Und der, welcher seiner Mutter feind war, wird wieder Liebe für sie empfinden, wegen der körperlichen Vereinigung; denn diese wird Liebe genannt.
[...]
Für die Kranken ist die Deutung nicht die gleiche, falls die Mutter tot ist, weil dann der Träumende sehr bald sterben wird; denn der Leib der Verstorbenen löst sich in den Stoff auf, aus dem er aufgebaut und gebildet wurde, und weil er im wesentlichen aus Erde besteht, verwandelt er sich wie-der in die ihm gemäße Materie. Auch nennen wir die Erde an sich schon Mutter.
[...]
Am allerschlimmsten ist es nach meiner Beobachtung, wenn man von der Fellatio durch die Mutter träumt; es bedeutet dem Träumenden den Tod der Kinder, Verlust seines Hab und Gutes und schwere Krankheit. Ich kenne jemand, der nach diesem Traumgesicht sein Geschlechtsglied verlor; ganz folgerichtig wurde er an dem Köperteil gestraft, mit dem er gefrevelt hatte.
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(1) Inzestträume mit der Mutter werden in der Antike relativ häufig überliefert: z.B. Herodot VI 107 (Hippias, Sohn des Peisistratos, vor seiner Rückkehr aus dem Exil); Plutarch, Caesar 32, 9 (vor dem Übergang über den Rubikon); Sophokles, König Ödipus V. 981 f. (Iokaste: „Viele Menschen haben schon im Traum der Mutter beigewohnt.“).
(2) Daß das Vater land als Mutter angesehen wird, ist also auch im Griechischen so.
Re: Träume von Inzest #2
Γραικύλος schrieb am 09.08.2026 um 14:44 Uhr (
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Selbst hier, wo von Vorgängen die Rede ist, die jenseits des Traums παρὰ νόμον sind, neigt Artemidor in der Bewertung als Traum nicht zu einer Verurteilung - ausgenommen den letzten geschilderten Fall.