Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Heilige Schar #1 (144 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 18.08.2026 um 13:24 Uhr (
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Plutarch, Pelopidas 18 f.:
18. Die „heilige Schar“ [ὁ ἱερὸς λόχος] bildete, so heißt es, zuerst Gorgidas aus dreihundert auserlesenen Männern, die auf der Kadmeia lagerten und von der Stadt [sc. Theben] Ausrüstung und Verpflegung erhielten. Daher hießen sie die Schar von der Burg [ὁ ἐκ πόλεως λόχος]; denn für Akropolis sagte man damals gewöhnlich einfach Polis.
Einige sagen, daß diese Schar aus Liebhabern und Geliebten [ἐξ ἐραστῶν καὶ ἐρωμένων] bestanden habe, und es wird ein Scherzwort des Pammenes (1) überliefert: er sagte, der Nestor Homers sein kein guter Taktiker mit seiner Weisung, die Griechen sollten sich nach Stämmen und Geschlechtern ordnen,
Ὡς φρήτρη φρήτρηφιν ἀρήγῃ, φῦλα δὲ φύλοις
Daß Geschlecht dem Geschlecht hülfreich und dem Stamme der Stamm sei (2);
besser solle man den Liebhaber neben den Geliebten stellen. Denn Stammes- und Geschlechtsgenossen fragten nicht viel nacheinander in der äußersten Not, eine in Liebesfreundschaft zusammengeschlossene Schar aber sei unauflöslich und unzerreißbar, wenn die einen aus Liebe zu ihren Geliebten, die anderen aus Scham vor ihren Liebhabern, einer für den andern in der Gefahr ausharrten.
Und das ist nicht erstaunlich, da sie ja auch bei Abwesenheit voreinander mehr Scham empfinden als vor anderen, die anwesend sind, wie jener Mann, der, niedergeworfen, den Feind, der im Begriff war, ihn zu töten, anflehte, ihm das Schwert durch die Brust zu stoßen, „damit“, so sagte er, „mein Geliebter sich nicht schämen muß, wenn er mich mit der Todeswunde im Rücken liegen sieht“.
So soll auch Ioleos (3), der an allen Taten der Herakles teilnahm und ihn mit seinem Schilde schirmte, sein Geliebter gewesen sein. Aristoteles sagt (4), daß auch noch zu seiner Zeit Liebende und Geliebte am Grabe des Ioleos einander die Treuschwüre leisteten. So ist es wohlverständlich, daß die Schar „die heilige“ genannt wird, wie auch Platon den Liebhaber einen gotterfüllten Freund genannt hat (5).
(1) thebanischer Staatsmann und Feldherr im Jahrzehnt nach dem Tode des Epaminondas
(2) Homer, Ilias II 363
(3) ionische Namensform, sonst Iolaos
(4) frg. 97
(5) Phaidros 255B
Re: Die Heilige Schar #1
Patroklos schrieb am 18.08.2026 um 14:06 Uhr (
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Zum letzten Absatz siehe Dover, Homosexualität, S. 174:
Die Boiotier nannten Iolaos, den Waffengefährten von Herakles, dessen eromenos, und in Aristoteles‘ Zeiten (fr. 97) war das Grabmal des Iolaos eine heilige Stätte, an der erastai und eromenoi Schwüre gegenseitiger Liebe und Treue austauschten.
Re: Die Heilige Schar #1
Γραικύλος schrieb am 18.08.2026 um 14:10 Uhr (
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Das hat er gewiß von Plutarch übernommen.
Re: Die Heilige Schar #1
Andreas schrieb am 18.08.2026 um 14:25 Uhr (
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In der Bibel gibt es den (HEILIGEN) REST:
Das Konzept vom „Heiligen Rest“ (oft auch als „Überrest“ bezeichnet) ist ein zentrales theologisches Motiv in der Bibel. Es beschreibt die Zusage Gottes, dass selbst nach schweren Gerichten, Katastrophen oder Zeiten des Abfalls nicht das gesamte Volk vernichtet wird, sondern eine treue Minderheit überlebt, um einen Neuanfang zu ermöglichen.
Key-Facts zur Rest-Theologie
• Hebräische Begriffe: Im Alten Testament meist abgeleitet von sche'ar (שְׁאָר) oder sche'erit (שְׁאֵרִית) für „Rest“ oder „Übriggebliebenes“.
• Kernbotschaft: Gericht bedeutet nicht das endgültige Aus. Gott bewahrt eine Keimzelle der Hoffnung.
• Bedeutungsverlagerung: Von rein historisch-militärischen Überlebenden hin zu einer geistlich läuterten, treuen Gemeinschaft.
Der „Heilige Rest“ im Alten Testament
Besonders stark ausgeprägt ist der Gedanke bei den prophetischen Schriftstellern:
• Jesaja: Das Prophetenthema wird bereits im Namen von Jesajas Sohn greifbar: Schear-Jaschub bedeutet „Ein Rest kehrt um“. In Jesaja 6,13 wird Israel mit einem umgehauenen Baum verglichen – der im Boden verbleibende Stumpf ist der „heilige Samen“ (heiliger Rest).
• Elija und die 7.000 (1. Könige 19): Als der Prophet Elija glaubt, er sei der Einzige, der Gott noch treu ist, offenbart ihm Gott: „Ich habe siebentausend in Israel übrig gelassen, alle Knie, die sich nicht vor Baal gebeugt haben.“
• Das Babylonische Exil: Nach der Zerstörung Jerusalems (586 v. Chr.) wird der Teil der Bevölkerung, der nach der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrt und den Tempel wiederaufbaut, als dieser verheißene Rest verstanden.
Der „Heilige Rest“ im Neuen Testament
Im Neuen Testament greifen Jesus und die Apostel den Begriff auf und erweitern ihn:
• Paulus (Römerbrief 9–11): Paulus zitiert Jesaja und verweist auf die Erzählung von Elija (Röm 11,5). Er erklärt, dass es auch in der Gegenwart einen „Rest nach der Gnadenwahl“ gibt – also den Teil Israels, der Jesus als Messias annimmt.
• Die frühe Gemeinde: Die kleine Schar der Nachfolger Jesu versteht sich nicht als exklusive Elite, sondern als Keimzelle für Gottes Reich, das allen Menschen offensteht.
Die doppelte Bedeutung
Warnung vor dem Gericht: Gott duldet keine Ungerechtigkeit oder Abkehr; eine bloße Volks- oder Religionszugehörigkeit schützt nicht vor Konsequenzen.
Trost und Hoffnung: Egal wie gering die Zahl der Gläubigen erscheint oder wie schwer die Zeiten sind, Gott lässt sein Werk nicht untergehen. Der Rest bildet das Fundament für die Zukunft. Re: Die Heilige Schar #1
Γραικύλος schrieb am 18.08.2026 um 14:29 Uhr (
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Woher stammt diese Information?
Re: Die Heilige Schar #1
Quoth schrieb am 18.08.2026 um 22:40 Uhr (
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War der Heilige Rest der Propheten auch schwul?