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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Geschichtsschreibung und Sprache (94 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.09.2026 um 17:21 Uhr (Zitieren)
Plutarch, Demosthenes 2:
Wer sich jedoch der Aufgabe unterzogen hat, ein Geschichtswerk zu schreiben, das aus der Lektüre größtenteils anderen gehöriger, vielfach zerstreuter Schriften, die er nicht selbst besitzt noch zur Hand hat, zusammenkommen muß, der sollte tatsächlich zuerst und vor allen Dingen eine altberühmte, volkreiche, für alles Schöne interessierte Stadt zum Wohnsitz haben, damit er eine große Menge verschiedenster Bücher zu seiner Verfügung hat, dazu alles, was in den Büchern nicht zu finden, aber im Gedächtnis aufbewahrt und sicher genug beglaubigt ist, mit den Ohren aufnehmen und erkunden und so ein Werk liefern kann, in dem nichts von dem Erforderlichen fehlt.

Ich jedoch, der ich eine kleine Stadt bewohne (1) und, damit sie nicht noch kleiner wird, gern in ihr verweile, bei meinen Aufenthalten in Rom und im übrigen Italien aber keine Zeit gehabt habe, mich in der lateinischen Sprache zu üben, teils wegen politischer Geschäfte, teils wegen der vielen, die sich wegen philosophischer Fragen an mich wendeten, bin erst spät und in schon vorgerücktem Alter dazu gekommen, lateinische Schriften zu lesen.

Dabei ist mir etwas begegnet, das erstaunlich klingt, aber doch volle Wahrheit ist. Ich machte die Erfahrung, daß ich nicht so sehr von den Wörtern aus die Dinge erfaßte und begriff, als ich von den Dingen her, von denen ich schon eine gewisse Kenntnis besaß, und mit ihrer Hilfe den Wörtern auf die Spur kam. Die Schönheit und die Knappheit der lateinischen Sprache recht zu erfassen, die bildliche Verwendung der Wörter, ihre harmonische Fügung und all das andere, was den Schmuck der Rede ausmacht, recht zu erfühlen, das ist, meine ich, etwas Schönes und Reizvolles. Aber die dafür erforderliche gründliche Beschäftigung ist nichts Leichtes und nur denen möglich, die mehr freie Zeit haben und denen ihr Lebensalter noch gestattet, sich ein solches Ziel zu setzen.

(Plutarch: Große Griechen und Römer. Hrsg. v. Konrat Ziegler. 6 Bde. München 1980; Bd. 4, S. 219 f.)

(1) Chaironeia
Re: Geschichtsschreibung und Sprache
Trauma schrieb am 25.09.2026 um 13:52 Uhr (Zitieren)
Das wäre ein tausendmal besserer Autor für ein
Pflicht-Proseminar (auch für Latinisten) gewesen als die Poetik von
Aristoteles bei einem mehr als langweiligen
Lehrstuhlinhaber, der das Ganze noch dazu
von 17 Uhr bis 20 Uhr c.t.abhielt.
Mit Grauen denke ich noch an dieses Seminar zurück.
Fachlich Hochqualizierte sind noch lange keine guten
Fachdidaktiker, öfter das glatte Gegenteil.

PS:
Kann mir jemand zufällig sagen, wie es heutzutage
in Seminaren zugeht?
Ich würde gerne vergleichen.
 
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