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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Dreifuß der Weisen (35 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.10.2026 um 16:26 Uhr (Zitieren)
1. Diodorus Siculus: Griechische Weltgeschichte

Die Einwohner von Priëne berichten, daß Bias einige Mädchen vornehmer messenischer Herkunft freigekauft und sie, wie wenn sie seine eigenen Töchter wären, in Ehren gehalten habe. Als sich nach einiger Zeit ihre Verwandten auf der Suche bei ihm einfanden, gab er ihnen die Mädchen zurück, ohne für den Unterhalt oder Freikauf Entschädigung zu verlangen, im Gegenteil, er beschenkte sie noch reichlich aus eigenem Besitz. Die Mädchen liebten ihn daher wegen des Zusammens-eins mit ihm und seiner großen Wohltaten wie ihren leiblichen Vater, so daß sie auch, nachdem sie mit ihren Angehörigen in die Heimat abgereist waren, nicht der in fremdem Land genossenen Freundlichkeit vergaßen.

Einige messenische Fischer hatten ihre Netze ausgeworfen, aber einen ehernen Dreifuß mit der Aufschrift „Dem Weisesten“ [χαλκοῦν δὲ τρίποδα μόνον ἐπιγραφὴν ἔχοντα Τῷ σοφωτάτῳ] emporgezogen. Und sie nahmen das Gerät, um es Bias zu schenken.

Bias war ein gar gewaltiger Redner und übertraf in dieser Kunst seine Zeitgenossen, doch bediente er sich der Kraft seiner Rede auf andere Art, als es viele tun: er setzte sie nämlich nicht ein, um sich damit Honorare oder Einnahmen zu verschaffen, sondern um jenen, die Unrecht erlitten, Hilfe zu leisten. So etwas kann man wohl nur ganz selten finden.

[IX fr. 13, 1-3]


2. Diogenes Laërtios: Leben und Meinungen berühmter Philosophen

Allbekannt ist ferner die Geschichte von dem Dreifuß, der, von Fischern aus dem Meere gezogen, von dem Volke der Milesier an die (sieben) Weisen überwiesen ward. Man erzählt nämlich, einige ionische Jünglinge hätten milesischen Fischern einen Fischzug abgekauft. Als dabei der Dreifuß zu Tage kam, erhob sich ein Streit darüber, der erst geschlichtet ward, als die Milesier darüber das Orakel zu Delphi befragten. Die Antwort des Gottes lautete folgendermaßen:

ἔκγονε Μιλήτου, τρίποδος πέρι Φοῖβον ἐρωτᾷς;
τίς σοφίῃ πάντων πρῶτος, τούτου τρίποδ‘ αὐδῶ.

Bürger Milets, du befragst den Phoibos über den Dreifuß?
Wer der Weiseste ist, dem gebührt, so sag‘ ich, der Dreifuß.

So wird er denn dem Thales überreicht. Dieser übergibt ihn einem andern der sieben Weisen, und dieser wieder einem andern bis auf Solon. Dieser aber erklärte für den Weisesten den Gott und sandte den Dreifuß nach Delphi.

Kallimachos stellt die Sache in seinen Jamben anders dar und zwar so, wie er sie bei dem Milesier Maiandrios geschildert fand. Danach hat ein gewisser Bathykles, ein Arkadier, eine Schale hinterlassen mit der Anweisung, sie dem Trefflichsten unter den Weise zu überreichen. So ward sie dem Thales überwiesen; aus dessen Hand wanderte sie reihum von einem Weisen zu andern und kam so wieder zurück zu Thales. Dieser aber sandte sie an den didymäischen Apollon mit folgenden Begleitversen nach Kallimachos:

Θαλῆς με τῷ μεδεῦντι Νείλεω δήμου
δίδωσι, τοῦτο δὶς λαβὼν ἀριστεῖον.

Thales gibt mich dem Walter über Neileus‘ Volk (1),
nach dem er zweimal mich als Ehrenpreis erhielt.

[I 27-29]

(1) Neleus wurde als Gründer Milets angesehen.

Re: Der Dreifuß der Weisen
Γραικύλος schrieb am 01.10.2026 um 16:26 Uhr (Zitieren)
Zusammens-eins --> Zusammenseins
 
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