α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω ἀ ἁ ά ὰ ᾶ ἄ ἅ ἂ ἃ ἆ ἇ ᾳ ᾷ Ἀ Ἁ Ἄ Ἅ Ἂ Ἃ Ἆ Ἇ ἐ ἑ έ ὲ ἔ ἕ ἒ ἓ Ἐ Ἑ Ἔ Ἕ ἠ ἡ ή ὴ ῆ ἤ ἥ ἢ ἣ ἦ ἧ ῃ ῇ ᾗ Ἠ Ἡ Ἤ Ἥ Ἦ Ἧ ἰ ἱ ί ὶ ἴ ἵ ἲ ἳ ἶ ἷ ῖ Ἰ Ἱ Ἴ Ἵ Ἶ Ἷ ὀ ὁ ό ὸ ὄ ὅ ὂ ὃ Ὀ Ὁ Ὄ Ὅ Ὂ Ὃ ῥ ὐ ὑ ύ ὺ ὔ ὕ ὒ ὓ ὖ ὗ ῦ Ὑ Ὓ Ὕ Ὗ Ῠ Ῡ Ὺ Ύ ὠ ὡ ώ ὼ ὤ ὥ ὢ ὣ ὦ ὧ ῳ ῶ ῷ ᾧ ᾤ Ὠ Ὡ Ὤ Ὥ Ὢ Ὣ Ὦ Ὧ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sklaverei und Sünde (89 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.10.2026 um 11:18 Uhr (Zitieren)
Augustinus, De civitate Dei XIX 5:
Das ist’s, was die natürliche Ordnung vorschreibt, und so hat Gott den Menschen geschaffen. Denn Gott sprach: „Er herrsche über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.“ Vernünftig und nach seinem Ebenbild erschaffen, sollte der Mensch nur über die vernunftlosen Geschöpfe herrschen, also nicht Mensch über Mensch, sondern Mensch über Tier.

Daher wurden die ersten Gerechten mehr zu Hirten über Vieh als zu Königen über Menschen eingesetzt, und auch dadurch gab Gott zu verstehen, was die Naturordnung der Schöpfung fordert und was verdiente Folge der Sünde ist. Denn das Los der Knechtschaft ist, wie man einsehen muß, mit Recht dem Sünder auferlegt. Darum lesen wir in der Schrift nirgendwo etwas von Knechten, bevor der gerechte Noah mit diesem Worte seines Sohnes Sünde strafte (1). Dies Wort hat also die Schuld aufgebracht, nicht die Natur.

Man nimmt jedoch an, daß das Wort Knecht in der lateinischen Sprache daher stammt, daß die, welche nach Kriegsrecht getötet werden konnten, von den Siegern, die sie aufbewahrten, Knechte genannt wurden („servi“ von „servare“); aber auch das ist eine Folge der Sünde. Denn wenn auch ein gerechter Krieg geführt wird, kämpft man doch auf der Gegenseite für die Sünde. Und jeder Sieg, auch wenn er den Bösen zufällt, ist ein Gottesgericht zur Demütigung der Besiegten, sei es um sie von Sünden zu reinigen, sei es um sie für Sünden zu bestrafen.

Zeuge ist der Gottesmann Daniel, der in der Gefangenschaft seine und seines Volkes Sünde Gott bekennt und mit frommem Schmerz bezeugt, daß sie die Ursache der Gefangenschaft sei. Also ist die erste Ursache der Knechtschaft die Sünde, die dahin führt, daß ein Mensch dem anderen durch den Zwang seiner Lage dienstbar wird. Dazu kommt es aber nur durch das Gericht Gottes, bei dem keine Ungerechtigkeit ist und der den Schuldigen mancherlei Strafen nach Verdienst zumißt.

Aber es ist, wie der Herr des Himmels sagt: „Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht“, und so stehen zwar viele Fromme im Dienst ungerechter Herren, doch sind diese deshalb nicht etwa frei, denn „von wem jemand überwunden ist, des Knecht ist er geworden“. Und sicher ist besser daran, wer einem Menschen dient als der Begierde; denn mit grausamster Herrschaft verwüstet die Herzen der Menschen, um von anderen Begierden zu schweigen, gerade die Herrschgier.

Wenn aber jetzt nach jener Friedensordnung die einen den andern untertan sein müssen, so ist Demut den Dienenden ebenso heilsam, wie Hochmut den Herrschenden schädlich. Doch ist von Natur, wie Gott den Menschen anfangs schuf, niemand eines Menschen oder der Sünde Knecht.
Aber auch die als Strafe auferlegte Knechtschaft wird von dem Gesetz geordnet, das die natürliche Ordnung zu bewahren gebietet und sie zu verletzen verbietet. Denn wenn dies Gesetz nicht übertreten wäre, gäbe es nichts, was durch die Strafe der Knechtschaft zu ahnden wäre. Darum ermahnt auch der Apostel die Knechte, ihren Herren untertan zu sein und ihnen von Herzen und gutwillig zu dienen (2).

Können sie also von den Herren nicht frei werden, so sollen sie ihre Knechtschaft gewissermaßen dadurch frei machen, daß sie nicht in arglistiger Furcht, sondern in treuer Liebe ihren Dienst tun, bis die Ungerechtigkeit vergeht, alle menschliche Herrschaft und Gewalt aufgehoben wird und Gott ist alles in allen.

(Augustinus: Vom Gottesstaat. 2 Bde. Hrsg. v. Wilhelm Thimme und Carl Andresen. Zürich/München ²1978; Bd. 2, S. 557-559)

(1) Genesis 9, 21-27
(2) Paulus, Kolosser 3, 22 - 4, 1
Re: Sklaverei und Sünde
Andreas schrieb am 08.10.2026 um 12:02 Uhr (Zitieren)
Er war noch weit, weit weg von der modernen Bibelexegese.
Seine eigene ist oft naiv, primitiv und geradezu verstörend.
Ich denke an seinen Kommentar zum Johannesevangelium und die Anwendung der
allegorischen Methode, mit er man abenteuerliche und gerade abstruseste Eisegese betrieb.
Re: Sklaverei und Sünde
Γραικύλος schrieb am 08.10.2026 um 12:19 Uhr (Zitieren)
Modern ist er nicht; aber als offizieller Kirchenvater und Kirchenlehrer hat er für die Geschichte des Christentums eine enorme Bedeutung.
Re: Sklaverei und Sünde
Andreas schrieb am 08.10.2026 um 15:55 Uhr (Zitieren)
hat er für die Geschichte des Christentums eine enorme Bedeutung.

Leider auch für viel Negatives.
Berühmt ist seine Falschübersetzung von Röm 5,12.

In der lateinischen Übersetzung (Vulgata), auf die sich Augustinus stützte, wurde die griechische Phrase ἐφ’ ᾧ (eph' hō) fälschlicherweise als in quo ("in welchem" / "in dem") wiedergegeben.
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Pyramiden von Gizeh

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.