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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Fluch der verlassenen Dido (114 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.10.2026 um 14:03 Uhr (Zitieren)
P. Vergilius Maro (Vergil), Aeneis I 607-629:
[...]
Sol, der du all das Treiben auf Erden flammend durchmusterst,
du auch, Juno, Mittlerin du dieses Grames und Zeugin,
Hekate, nachts in den Städten am Kreuzweg mit Heulen verehrte,
Rachegöttinnen [dirae ultrices] ihr, ihr Götter der sterbenden Dido,
seht, wie ich leide, und schenkt meiner Qual den Schutz, den ihr schuldet,
und erhöret mein Flehn. Soll wirklich zum Hafen gelangen
dieses verfluchte Haupt (1) und sicher landen und fordern
Juppiters Schicksalssprüche es so, bleibt dies doch die Grenze:
heimgesucht von Krieg und Waffen verwegenen Volkes,
fern vom Lande verbannt, der Umarmung entrissen des Julus,
soll um Hilfe er flehn und sehn unwürdigen Tod der
Seinen: und wenn er sich auch eines harten Friedens Gesetzen
beugte, so soll er doch nimmer des Reichs und des Lebens genießen,
falle vielmehr vor der Zeit ohne Grab inmitten des Sandes.
Darum bitt‘ ich, verströme zuletzt dies Wort mit dem Blute.
Dann aber, Tyrier, quält diese Brut und in Zukunft den ganzen
Stamm mit Haß und schickt meiner Asche dieses als Gabe:
nie soll Liebe die Völker vereinen und nimmer ein Bündnis!
[nullus amor populis nec foedera sunto.]
Wachse doch, wer du auch seist, aus unsern Gebeinen, du Rächer (2),
der du mit Feuer und Schwert heimsuchst dardanische Siedler
jetzt oder einst, wann immer zur Zeit die Kräfte bereit sind.
Strand sei Gegner dem Strand, und Woge der Woge, so bitt‘ ich.
Waffe den Waffen, und Kampf entzweie sie selbst und die Enkel!
[impecor, arma armis: pugnent ipsique nepotesque.]

(Vergil: Aeneis. Herausgegeben von Johannes Götte. München ²1965, S. 166-169)

(1) Aeneas
(2) die karthagisch-römische Erbfeindschaft, verkörpert in Hannibal

 
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