α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Archimedes: ein technisches Wunderwerk der Antike (1154 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 26.06.2009 um 16:13 Uhr (Zitieren)
Athenaios von Naukratis berichtet im 5. Buch seinesr Schrift "Das Gelehrtenmahl":
Das Riesenschiff des Hieron

Vom Schiff des Hieron [II.] von Syrakus , dessen Bau der Mathematiker Archimedes beaufsichtigte, sollte man nicht schweigen, zumal es darüber die Abhandlung eines gewissen Moschion gibt, die ich unlängst sorgfältig gelesen habe. Moschion schreibt: Diokleides von Abdera wird wegen seiner Beschreibung der Belagerungsmaschine bewundert, die Demetrios [Poliorketes] gegen die Mauern von Rhodos einsetzte, Timaios wegen der des Scheiterhaufens für den Tyrannen Dionysios von Syrakus, Hieronymos wegen der des Wagens, mit dem der Leichnam Alexanders transportiert wurde, Polykleitos wegen der des für den Perserkönig angefertigten Leuchters. Hieron, der König von Syrakus, ein großer Freund der Römer, baute nicht nur eifrig Tempel und Gymnasien, sondern war auch sehr am Schiffsbau interessiert. Die Herstellung eines der Getreidetransporter, die er bauen ließ, will ich beschreiben. Bauholz ließ er am Ätna schlagen, in einer Menge, die für sechzig Vierruderer ausgereicht hätte. Entsprechende Dübel, Rippen und Spanten und das übrige benötigte Holz beschaffte er teils aus Italien, teils aus Sizilien, für das Tauwerk Flachs aus Spanien, Hanf und Pech von der Rhône und den ganzen übrigen Bedarf aus den verschiedensten Gegenden. Er holte auch Schiffsbauer und die übrigen Handwerker zusammen, setzte über sie alle Archias von Korinth als Bauleiter, hieß ihn den Bau zügig anzugreifen und kam auch selbst Tag für Tag hin. Binnen sechs Monaten war eine Hälfte des Schiffes fertig. Sowie jeder Teil fertig war, wurde er mit Bleiplatten belegt, wobei dreihundert Fachkräfte mit ihren Helfern tätig waren. Diesen Teil befahl Hieron also zu Wasser zu bringen, damit er dort den übrigen Ausbau erhielte. Über die Methode des Stapellaufs gab es eine ziemliche Diskussion, bis ihn schließlich der Mathematiker Archimedes mit wenigen Leuten fertigbrachte. Denn er konstruierte eine Winde, mit der er ein so großes Schiff zu Wasser brachte. Er war der erste, der eine Winde konstruierte. Die übrigen Teile des Schiffes wurden in weiteren sechs Monaten vollendet. Es war ganz mit bronzenen Bolzen gesichert, von denen die meisten zehn Minen wogen, der Rest noch die Hälfte mehr. Sie waren durch Bohrungen geführt und hielten die Spanten zusammen. Das Holz wurde mit Bleiplatten beschlagen, unter denen pechgetränkte Leinwand lag. Nach Vollendung der Außenfläche machte er sich an den Abschluß des Innenausbaus.
Das Schiff war ausgelegt für zwanzig Ruderbänke und drei Laufgänge. Der unterste Laufgang führte zum Laderaum, zu dem feste Treppen führten, der zweite war für die eingerichtet, die zu den Kabinen wollten, der dritte war für die bewaffnete Besatzung vorgesehen. Am mittleren Gang gab es auf beiden Seiten Kabinen für die Mannschaft zu je vier Liegen, dreißig an der Zahl. Die Offizierskabine enthielt fünfzehn Liegen und hatte zudem drei Ruheräume mit je drei Liegen. Dazu gehörte heckwärts die Küche. Alle diese Räume hatten einen Mosaikboden aus vielfältigen Steinen, in dem die ganze Geschichte der Ilias mit erstaunlicher Kunst dargestellt war. Auf den Innenwänden, der Decke und den Türen war das gleiche Thema behandelt. In Höhe des obersten Laufganges lagen ein Turnplatz und Promenaden entsprechend der Größe des Schiffes, dort gab es bunte Beete, die in verblüffender Weise von Blumen überquollen. Sie wurden durch verborgene bleierne Wasserleitungen bewässert. Auch gab es Lauben von weißem Efeu und Weinranken, die ihre Wurzeln in erdgefüllten Körben hatten. Sie wurden ebenso wie die Beete bewässert. Diese Lauben beschatteten die Promenaden. Es schloß sich ein Aphrodite-Heiligtum mit drei Liegen an, der Fußboden war mit Achat ausgelegt und den schönsten Steinen, die die Insel bot. Es hatte Wände und Decke aus Zypressenholz und Türen von Elfenbein und Duftzeder. Es war mit Bildern, Skulpturen und Trinkgefäßen aller Art üppig ausgestattet.
Anschließend folgte ein Studierraum mit fünf Liegen, dessen Wände und Decke aus Buchsbaum waren. Er enthielt eine Büchersammlung und an der Decke eine Sonnenuhr, eine Nachbildung der Uhr von Achradine. Es gab auch einen Baderaum mit drei Liegen, drei bronzenen Wannen und einem fünf Eimer fassenden Waschbecken aus buntem Marmor von Taurmina. Ferner gab es mehrere Räume für die Seesoldaten und für die Kielwasser-Wärter. Außerdem befanden sich auf beiden Seiten des Schiffes je zehn Pferdeboxen, daneben das Pferdefutter und die Ausrüstung der Reiter und der Pferdeburschen. Am Bug befand sich ein gedeckter Wasserbehälter von zweitausend Eimer Fassungsvermögen, gefertigt aus Brettern, Pech und Leinwand, daneben ein Fischzuchtbecken aus Blei und Brettern, gefüllt mit Seewasser, in dem viele Fische gehalten wurden. Auf beiden Seiten des Schiffes ragten in festen Abständen aus der Bordwand Balken hervor. Dort waren Holzbehälter, Back- und Bratherde, Handmühlen und zahlreiche andere Hilfseinrichtungen untergebracht. Außen um das Schiff lief eine Reihe von sechs Ellen hohen Atlasfiguren, die, in festen Abständen angebracht, den oberen Aufbau trugen. Und das ganze Schiff war mit passenden Bildern ausgemalt.
Acht Türme gab es, in der Größe passend zur Masse des Schiffes, zwei am Heck, zwei am Bug, die anderen an den Seiten. Jeder hatte zwei Kräne. Über ihnen befanden sich Luken, durch die Steine auf unten herankommende feindliche Fahrzeuge geschleudert werden konnten. Die Türme waren jeweils besetzt von vier Schwerbewaffneten und zwei Bogenschützen. Das Innere der Türme war mit Steinen und Geschossen angefüllt. Quer durch das Schiff lief auf Stützen eine feste, gedeckte Mauer. Auf ihr stand eine Schleuder, die einen Stein von drei Talenten und ein zwölf Ellen langes Wurfgeschoß abschießen konnte. Das Gerät wurde von Archimedes erfunden, es schleuderte beide Geschosse ein Stadion weit. Anschließend gab es lederne Schutzvorhänge, die mit bronzenen Ketten an kräftigen Balken aufgehängt waren. Das Schiff hatte drei Masten, an denen zwei Steinschleudern angebracht waren und von denen aus auch Enterhaken und Bleikugeln gegen einen Angreifer geschleudert werden konnten. Eine eiserne Palisade lief um das Schiff als Schutz gegen Enterversuche und ebenso eiserne Greifarme, die, mechanisch bewegt, gegnerische Fahrzeuge greifen und in eine Position ziehen konnten, in der sie zu treffen waren.
An jeder Bordseite waren sechzig kräftige Schwerbewaffnete postiert, ebenso viele besetzten die Masten und die Steinschleudern. Die Masten trugen Mastkörbe aus Bronze, die bemannt waren, beim vordersten mit drei Mann, bei den anderen jeweils mit einem weniger. Für sie wurden in Flechtkörben mit Seilwinden Steine und Geschosse von Sklaven zu den Mastkörben hinaufgehievt. An Ankern gab es vier aus Holz und acht aus Eisen. Stämme für den zweiten und dritten Mast waren leicht zu finden, der für den ersten wurde nach langem Suchen von einem Schweinehirten in den Bergwäldern von Bruttium ausfindig gemacht. Den Transport dieses Mastbaums zum Meer hinab bewerkstelligte der Ingenieur Phileas von Tauromenion. Das im Rumpf angesammelte Sickerwasser konnte selbst bei großer Tiefe von einem einzigen Mann mit Hilfe einer Schraube ausgepumpt werden, einer Erfindung des Archimedes. Das Schiff erhielt den Namen ‚Syrakosia’. Später, als er es ausschickte, nannte Hieron es um in ‚Alexandris’. Im Schlepp hatte es als erstes eine Schaluppe, die dreitausend Talente faßte, nur mit Rudern bewegt, danach Fischerboote von tausendfünfhundert Talenten sowie mehrere kleine Boote. Außer der festen Besatzung gab es weitere sechshundert Mann, die am Bug für besondere Einsätze bereitstanden. Für an Bord begangene Vergehen gab es ein Gericht aus dem Kommandanten, dem Steuermann und dem Bugoffizier, das nach den Gesetzen von Syrakus Recht sprach.
An Getreide lud das Schiff sechzigtausend Sack, an sizilischem Salzfisch zehntausend Krüge, dazu zwanzigtausend Talente Wolle und zwanzigtausend Talente sonstige Fracht. Hinzu kam die Verpflegung für die Mannschaft. Als Hieron aber von allen Häfen Nachricht bekam, daß sie ein solches Schiff nicht fassen konnten oder nur mit großer Gefährdung, beschloß er, es König Ptolemaios [III.] zu schenken und nach Alexandria zu senden, da in Ägypten gerade Getreide knapp war. So geschah es, das Schiff fuhr nach Alexandria und wurde dort an Land gezogen. Hieron belohnte auch den Epigrammdichter Archimelos, der ein Gedicht auf das Schiff verfaßt hatte, mit tausend Sack Weizen, die er auf eigene Kosten nach dem Piräus sandte.


(Quelle: Athenaios von Naukratis, Das Gelehrtenmahl. Herausgegeben von Ursula und Kurt Treu. Leipzig 1985, S. 130-135)
Re: Archimedes: ein technisches Wunderwerk der Antike
Γραικίσκος schrieb am 26.06.2009 um 16:24 Uhr (Zitieren)
Dieses Schiff hätte ich mal sehen mögen!
Das mit den Häfen hätte man allerdings vorher einkalkulieren sollen. Das ist ja, als würde man heute ein Flugzeug bauen, für welches es keinen Flughafen gibt.
Re: Archimedes: ein technisches Wunderwerk der Antike
Ὑληβάτης schrieb am 29.06.2009 um 09:03 Uhr (Zitieren)
Ein ganz herrliches Detail:
Stämme für den zweiten und dritten Mast waren leicht zu finden, der für den ersten wurde nach langem Suchen von einem Schweinehirten in den Bergwäldern von Bruttium ausfindig gemacht.
Re: Archimedes: ein technisches Wunderwerk der Antike
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 29.06.2009 um 10:33 Uhr (Zitieren)
Den Beitrag von Γραικίσκος habe ich ganz übersehen...Interessant!
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Regenbogen

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.