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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
R. M. Rilke über Apollon (770 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 16.07.2009 um 16:34 Uhr (Zitieren)
ARCHÄISCHER TORSO APOLLOS

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und
kurz unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du muß dein Leben ändern.


Die letzten anderthalb Zeilen sind ... mir fehlen die Worte.
Re: R. M. Rilke über Apollon
John schrieb am 17.07.2009 um 00:56 Uhr (Zitieren)
Die letzte halbe Zeile zumindest ist Anthropotechnik.
Re: R. M. Rilke über Apollon
Ὑληβάτης schrieb am 17.07.2009 um 09:44 Uhr (Zitieren)
Es ist nicht so, dass ich die Wikipedia-Definition von "Anthropotechnik" auf Anhieb begreifen könnte, aber ist die letzte Zeile nicht einfach absolut ... absolut?
Der Gedankenblitz, der das lyrische Ich durchfährt beim bloßen Anblick eines Torsos. Dieser unbedingte, allumfassende Gedankenblitz, der durch und durch geht!
Ist das nicht mehr als "die Gestaltung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine"?
Re: R. M. Rilke über Apollon
Γραικίσκος schrieb am 17.07.2009 um 10:19 Uhr (Zitieren)
John hat schon einige Male erwähnt, daß er das Werk Peter Sloterdijks schätzt. Und daher kommt, vermute ich, seine Assoziation.

Konfrontiert mit dem Anblick der Vollkommenheit: Was bin ich?
Weitest davon entfernt.
Aber ist Vollkommenheit nicht der Maßstab?
Ich muß mein Leben ändern.

Ist dies der Inhalt des Gedankenblitzes?
Re: R. M. Rilke über Apollon
Ὑληβάτης schrieb am 17.07.2009 um 10:33 Uhr (Zitieren)
Hm, ja. Die Vollkommenheit ist interessanterweise hier im einem Torso, einem Fragment, das trotz seiner Unvollständigkeit vollkommen ist. Der Torso alleine "glüht" noch "flimmert wie Raubtierfelle" - und das ist die Bedingung für den Gedankenblitz. Wahrscheinlich steckt er noch voll Kraft und Schönheit.
Der Kopf fehlt, aber das Schauen ist noch drin und das Lächeln.
Vielleicht kann man sagen: "Da ist keine Stelle, die dich nicht sieht" - das Kunstwerk spricht den Betrachter an und wirkt unmittelbar auf ihn. Als würde es ihm eine Frage stellen oder eine Aufgabe.
Re: R. M. Rilke über Apollon
Γραικίσκος schrieb am 17.07.2009 um 10:38 Uhr (Zitieren)
Du hast Recht! Der Begriff, um den es geht, ist nicht der der Vollkommenheit, sondern des des Blicks, des Schauens - bei einem Torso ohne Kopf!
Das ist viel verblüffender.
Re: R. M. Rilke über Apollon
Ἐυφροσύνη schrieb am 17.07.2009 um 22:08 Uhr (Zitieren)
bgeblich bezieht sich Rilke mit diesem Sonett auf eine Skulptur Rodins...
Re: R. M. Rilke über Apollon
Ὑληβάτης schrieb am 17.07.2009 um 22:29 Uhr (Zitieren)
Hat Rilke nicht für Rodin gearbeitet?
Re: R. M. Rilke über Apollon
Ἐυφροσύνη schrieb am 18.07.2009 um 10:12 Uhr (Zitieren)
Nicht, dass ich wüsste. Aber er hat eine zeitlang bei ihm gewohnt.
Re: R. M. Rilke über Apollon
Γραικίσκος schrieb am 18.07.2009 um 10:18 Uhr (Zitieren)
Eine Frage aus Neugier (ich wußte nichts von dem Rodin-Bezug): Wieso hat Rilke dann über einen archaischen Torso (Titel!) gedichtet?
Re: R. M. Rilke über Apollon
Ἐυφροσύνη schrieb am 18.07.2009 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Ich dachte das sei der Name der Skulptur...
Das mit dem Bezug hat uns übrigens meine Deutschlehrerin erzählt. Aber google spuckt da auch weniges aus.
 
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