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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Lehre des Amenemhet (646 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 18.07.2009 um 13:50 Uhr (Zitieren)
[...]
Höre auf das, was ich dir sagen will,
dann wirst du, wenn du König des Landes bist
und die Ufer beherrschst,
das Gute mehren.

Nimm dich in acht vor Untergebenen,
die nichts geworden sind
und auf deren Absichten man nicht achtet.
Nähere dich ihnen nicht in deiner Einmaligkeit.
Vertraue keinem Bruder, kenne keinen Freund,
schaffe dir keinen Vertrauten - das führt zu nichts.
Wenn du schläfst, behüte dir selbst dein Herz,
denn niemand hat Anhänger am Tage des Unheils.
Ich habe dem Hilfsbedürftigen gegeben
und die Waise aufgezogen,
ich ließ den Habenichts ebenso vorwärtskommen
wie den, der etwas hatte.
Aber gerade der, der meine Speise gegessen hatte,
der nahm Rekrutierungen (gegen mich) vor,
und der, dem ich geholfen hatte, nützte das zum Terror.
Die mein feines Linnen trugen, sahen mich als Fußmatte an,
und die sich mit meinem kostbaren Öl salbten,
schlugen an mir (ihr) Wasser ab.
[...]

Sesostris, mein Sohn, meine Füße gehen fort,
doch du bist in meinem Herzen, meine Augen sehen dich noch.
Du bist geboren in einer glücklichen Stunde,
zur Seite des Sonnenvolkes, und jetzt preisen sie dich.
Sieh, ich habe den Anfang gemacht
und knüpfe dir jetzt den Schluß,
denn ich bin einer, der glücklich an Land bringt,
was in seinem Herzen ist.
[...]
Ich bin nun niedergestiegen zur Barke des Re,
steige du empor zum Königtum, das in der Urzeit entstanden ist.
[...]
Stelle Denkmäler auf und statte deinen Aufweg wohl aus.
Tritt ein für die Weisheit und den Weisen,
denn den hast du gern an der Seite Deiner Majestät.


[Quelle: Altägyptische Lebensweisheit. Lehren für das Leben. Herausgegeben von Hellmut Brunner. Zürich/München 1988, S. 173-177]

Amenemhet I. (Sehetepibre) war Pharao 1991-1962 v. Chr. und ist Opfer eines Mordanschlages geworden. Nach ägyptischer Überlieferung hat er in der Zeit zwischen seiner Ermordung und seiner Bestattung, also einem existentiellen Zwischenzustand, den vorliegenden Text zur Ermahnung seiner Sohnes Sesostris I. (Cheperkare) verfaßt.

Bemerkenswert daran erscheint mir u.a. das schöne Bild eines (von seinem Sohn) Abschied nehmenden Menschen mit der sozusagen abgestuften Trennung von Füßen (Verbindung endet rasch) - Augen (Verbindung hält länger) - Herzen (Verbindung bleibt).

Daß es sich um einen sehr pessimistischen Text handelt, erwähne ich nur am Rande.

Vor einigen Jahren hat Eugen Drewermann mal ein Buch (eines seiner vielen Bücher) mit Meditationen über den Tod veröffentlicht. "Ich steige hinab in die Barke der Sonne" lautete der Titel - und nirgends hat Drewermann verraten, woher er den hatte.
Re: Die Lehre des Amenemhet
Γραικίσκος schrieb am 19.07.2009 um 00:29 Uhr (Zitieren)
Dieser Pharao ist nicht in die Lösung des Ägypten-Quiz' involviert!
 
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