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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Skandal der Antike (804 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 23.07.2009 um 16:41 Uhr (Zitieren)
Folgender Text ist in griechischer Sprache verfaßt. Ich habe alle Namen durch Ziffern ersetzt.
Solange die alte Kaiserin noch am Leben war, war es für [1] völlig unmöglich, [2] zu seinem ehelichen Weibe zu machen. Denn in diesem einzigen Punkte blieb jene unnachgiebig, während sie ihm sonst keinen Widerstand leistete. Schlecht war diese Frau ja ganz und gar nicht, wohl aber, wie schon gesagt, recht bäurisch und von barbarischer Herkunft. Sie besaß keinerlei Fähigkeiten, und so lagen ihr Staatsgeschäfte durchaus fern. Nicht einmal ihren ursprünglichen Namen - er klang zu lächerlich - konnte sie beibehalten, als sie in den Kaiserpalast einzog. Sie hieß jetzt [3]. Nach einer Weile starb die Kaiserin. [4] aber, ein Schwachkopf und uralter Mann, ward zum Gespötte seiner Untertanen, und da er die Vorgänge nicht verstand, so übergingen ihn alle voll Geringschätzung, doch vor [1] zitterten sie und waren ihm zu Diensten. Denn unstet und neuerungssüchtig wie er war, zerstörte er alle Ordnung. Um diese Zeit entschloß sich [1], sich mit [2] zu verloben. Da aber ein Senator keine Hetäre heiraten durfte - die ältesten Gesetze verboten dies -, veranlaßte er den Kaiser, ein neues Gesetz zu geben, und seitdem war er mit [2] als seiner rechtmäßigen Gattin vermählt. Auch allen anderen gestattete er die Heirat mit Hetären. Ein Usurpator, maßte er sich die Rechte des Kaisers an, wobei er unter dem Vorwand, eingreifen zu müssen, sein gewalttätiges Vorgehen verbarg. Tatsächlich riefen ihn alle maßgebenden römischen Persönlichkeiten zum Mitregenten seines Onkels aus, wobei freilich nur bebende Angst sie zu dieser Entscheidung bestimmte. Die Kaiserwürde empfingen [1] und [2] drei Tage vor dem Osterfest, da man doch keinen Freund empfangen, ja nicht einmal einen Friedensgruß sprechen soll. Bald darauf starb [4] an einer Krankheit , nachdem er neun Jahre regiert hatte, und die Kaiserwürde lag nun allein bei [1] und [2].

Das war wie gesagt die Herkunft, die Erziehung und Ausbildung [2], und damit gelangte sie völlig ungehindert bis zur Kaiserwürde. Ihr Gatte hatte ja keine Vorstellung von der Schmach, die er damit allen antat; hätte er doch im ganzen Römerreich seine Wahl treffen und zu seiner Ehefrau das vornehmste Mädchen machen dürfen, das seine Erziehung in aller Stille erfahren hatte, Ehrgefühl, dazu Verstand und blendende Schönheit besaß, eine reine Jungfrau, eine Orthótitthos (= mit aufrechten Brüsten), wie man sagt. [1] entblödete sich indessen nicht, ohne Rücksicht auf das Ebenerwähnte den allgemeinen Schandfleck der Welt sich zu eigen zu machen und ein Weib zu nehmen, das unter anderen schrecklichen Vergehen auch vielfachen Kindsmord durch freiwillige Abtreibung begangen hatte. Weiteres über die Art dieses Menschen zu berichten halte ich für völlig unnötig. Denn alle seine seelischen Empfindungen dürfte dieser Ehebund hinlänglich dartun, Dolmetscher, Zeuge und zugleich Biograph seines Charakters. Denn wer ohne Schamgefühl für seine Taten sich erfrecht, allen ins Gesicht zu schlagen, der geht jeden Weg der Gesetzlosigkeit, der trägt stets die Verworfenheit auf der Stirne und läßt sich spielend leicht und mühelos zu schmutzigsten Taten herbei. Aber freilich kein einziges Mitglied des Senates wagte, als es den Staat in solche Schande geraten sah, seine Empörung auszudrücken und so etwas zu verbieten, nein, gleich Gott wollten ihr alle fußfällig ihre Unterwürfigkeit ausdrücken.

Gleiche Ziffern bezeichnen natürlich immer gleiche Personen.
Welches Skandalehepaar verbirgt sich hinter [1] und [2]?
Autor und Wekr kann man natürlich noch zusätzlich erraten.
Re: Ein Skandal der Antike
andreas schrieb am 23.07.2009 um 17:36 Uhr (Zitieren)
Vermutlich:

Theodora war die Hetäre, Justinian ihr kaiserlicher Gatte, Ostrom (Byzanz)

Prokop, Anekdota
Re: Ein Skandal der Antike
Γραικίσκος schrieb am 23.07.2009 um 19:28 Uhr (Zitieren)
Ja.
Und sehen sie nicht seriös aus auf den offiziellen Darstellungen?
http://www.byzantios.net/SiteCollectionImages/JustinianTheodoraNew.jpg
Re: Ein Skandal der Antike
Bibulus schrieb am 23.07.2009 um 20:08 Uhr (Zitieren)
Sehr schöne Mosaiken,
Ravenna, San Vitale
http://de.wikipedia.org/wiki/San_Vitale
 
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