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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Noch ein Rätsel (538 Aufrufe)
filix schrieb am 22.02.2016 um 23:29 Uhr (Zitieren)
Ein Frauen verbotener Ort lehrte ihn seine Künste. Seine Feder bediente die Sehnsüchte spleeniger Sammler und Gelehrter in ganz Europa, er schenkte der Insel, auf der er vermutlich das Licht der Welt erblickt hatte, eine Gelehrtenschule, die Papier und Dampfboot, Druckverfahren und allerlei Wunderwaffen erfunden haben soll.
Alles Lug und Trug - nicht aber jener auf den Häuten hunderter Tiere niedergeschriebene Codex, von dem er am Ende, um sich an einem, der ihn entlarvte, zu rächen, behauptete, er stamme von ihm. Wann und wo er starb, bleibt ungewiss - unter den Kandidaten für seine Grabstätte findet sich einstige Standort einer sagenhaften Bibliothek.
Re: Noch ein Rätsel
filix schrieb am 22.02.2016 um 23:30 Uhr (Zitieren)
... der einstige ...
Re: Noch ein Rätsel
Φιλομαθής schrieb am 23.02.2016 um 10:19 Uhr (Zitieren)
Die Suchmaschine führt mich zu Konstantinos Simonides und seiner Symais. Als falsche Fälschung erwies sich der Codex Sinaiticus. Eine interessante Figur.
Re: Noch ein Rätsel
filix schrieb am 23.02.2016 um 12:33 Uhr (Zitieren)
Gratuliere.

Ein Griff in die Bananenkiste bescherte mir unlängst Rüdiger Schapers Die Odyssee des Fälschers, der Simonides Spuren in ganz Europa nachgeht. Den Mangel an biographischem Material im engeren Sinn gleicht er durch die Beleuchtung der psychologischen und historischen Voraussetzungen, die so eine Karriere erst möglich machten, aus.

Man erfährt einiges über das Original als heiligen Gral, die über antike Texte ausgetragenen Kämpfe europäischer Gelehrter, gewitzte Bibliothekare, naive Büchernarren, die von ihrem privaten Museion träumen und sich so leicht düpieren lassen, deutsche Professoreneitelkeit und die Anfangsgründe moderner Paläographie und Textwissenschaften. Auch wie sich persönliche Ambitionen eines Ungeliebten und Missbrauchten, der versucht haben soll, seine Eltern zu vergiften, mit dem Bedürfnis einer verspäteten Nation, an deren Spitze ein bayerischer Philhellene steht, sich über die eigene große Vergangenheit zu behaupten, verquicken, wird in der Darstellung anschaulich.

Die Symais, Simonides' erste große Bombe, liegt längst entschärft unbeachtet in Bibliotheken: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/2S4CXHXTHNAOZWIIS3Z6MVBZUI4XQI7U

Dass man ihm jedoch zutraut, mit seinen Fälschungen noch die Gegenwart an der Nase herumzuführen, beweist die Kontroverse um den Artemidor-Papyrus, die der italienische Philologe Luciano Canfora zu Beginn dieses Jahrhunderts auslöste:
http://www.welt.de/wissenschaft/article1809404/Artemidor-Papyrus-ist-doch-keine-Faelschung.html
Re: Noch ein Rätsel
Φιλομαθής schrieb am 23.02.2016 um 14:15 Uhr (Zitieren)
Simonides ist für die Papyrologen anscheinend immer noch, was Shaun Greenhalgh für Museen und Kunstsammler ist.

http://www.nzz.ch/feuilleton/kunsthandel-auktionen/schoene-prinzessin-von-coop-1.18657647
Re: Noch ein Rätsel
filix schrieb am 23.02.2016 um 14:51 Uhr (Zitieren)
Man denkt auch an Marino Massimo de Caro, der bis 2012 vom Direktorensessel aus die Biblioteca dei Girolamini in Neapel plünderte und mit einer Galilei-Fälschung einer deutschen Professorenkarriere einen ziemlichen Dämpfer versetzte.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-135322530.html
Re: Noch ein Rätsel
Γραικίσκος schrieb am 05.09.2019 um 14:02 Uhr (Zitieren)
Stoff für mehr als einen Kriminalroman.
Der Büchernarr, der von seinem privaten Museion träumt - seine Rolle übernehme ich.
 
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