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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein schlechtes Vorzeichen für einen Rekruten (218 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 11.01.2019 um 14:19 Uhr (Zitieren)
ἢν ἀνδρὸς μέλλοντος ἐπ' Ἄρεα δήïον ἕρπειν
ἀντήση<ι> κλαίων πρέσβυς ἐπὶ τριόδου,
οὐκέτι νοστήσει κεῖνος βροτός. ἀλλ' ἀναθέσθω
τὴν τόθ' ὁδοιπορίην εἰς ἕτερον πόλεμον.
καὶ γὰρ Τιμολέων κεκλαυμένος ἦλθεν ὁ Φωκεὺς
ἐκ πολέμου τούτωι σήματι μεμψάμενος.

[Manuel Baumbach übersetzt:]
Wenn einem Mann, der sich anschickt, in einen verderblichen Krieg zu ziehen,
ein weinender alter Mann an einem Dreiweg begegnet,
dann wird jener Sterbliche nicht mehr nach Hause zurückkehren. Vielmehr soll er
seinen Marsch auf einen anderen Krieg verschieben!
Denn auch Timoleon, der Phoker, kam beweint zurück
aus dem Krieg, weil er dieses Zeichen missachtet hatte.

(Der Neue Poseidipp. Text - Übersetzung - Kommentar. Griechisch und deutsch. Herausgegeben von Bernd Seidensticker, Ardian Stähli und Antje Wessels. Darmstadt 2015, S. 136)

Dieses Epigramm gehört zu den Oionoskopika des Poseidippos.

Welcher General, welcher Feldherr hätte es seinen Rekruten oder Söldnern freigestellt, mit einer solchen Begründung dem Dienst fernzubleiben?
Natürlich hat ein Soldat bei beginnendem Krieg ein Interesse daran zu erfahren, ob er den Krieg wohl überleben wird. Ansonsten verstehe ich die Funktionsweise dieses Rates nicht, seinen Marsch auf einen anderen Krieg zu verschieben.
Und auch die Begründung mit einem Einzelfall klingt seltsam.
Re: Ein schlechtes Vorzeichen für einen Rekruten
Γραικίσκος schrieb am 11.01.2019 um 15:14 Uhr (Zitieren)
Ardian --> Adrian
Re: Ein schlechtes Vorzeichen für einen Rekruten
Φιλομαθής schrieb am 11.01.2019 um 22:13 Uhr (Zitieren)
Dann kann sich der Rat ja nur an jemanden wenden, der zwar in den Krieg ziehen will, sich aber noch nicht verpflichtet hat.
Re: Ein schlechtes Vorzeichen für einen Rekruten
Γραικίσκος schrieb am 12.01.2019 um 11:37 Uhr (Zitieren)
Bei Bürgerheeren mit Dienstpflicht funktioniert es nicht. Aber zu Poseidipps Zeit waren wohl schon die Söldnerheere dominierend.
Re: Ein schlechtes Vorzeichen für einen Rekruten
οὔτις schrieb am 12.01.2019 um 11:57 Uhr (Zitieren)
Wenn der Krieg bereits als verderblicher dargestellt wird, was bedarf es da noch einer Entscheidung (Dreiweg) und eines alten Weinenden (sum quod eris)?

Es sei denn, es handelt sich um ein Traumgesicht mit eigener Logik.
Re: Ein schlechtes Vorzeichen für einen Rekruten
Γραικίσκος schrieb am 12.01.2019 um 13:00 Uhr (Zitieren)
Ich habe das so verstanden, daß der Krieg erst durch die Begegnung am Dreiweg zu einem verderblichen wird. Allerdings steht das nicht wörtlich so da. Eigene Logik?

Inzwischen stelle ich es mir so vor:
Ein Krieg kündigt sich an. Ein junger Mann denkt sich: "Fein, da gibt es etwas zu verdienen. Da mache ich mit. So kann ich meinen Gläubigern oder meiner Schwiegermutter oder wem auch immer für einige Zeit entkommen."
Und dann begnet ihm ein weinender alter Mann an einem Dreiweg (= zwei Optionen, weiterzugehen).
Eieiei! Dann doch eher bei nächster Gelegenheit.
Weil das auch bei einem gewissen Timoleon nicht gut ausgegangen ist.

Letzteres empfinde ich als Begründung nicht umwerfend. Allerdings dürfte die Zahl der Testfälle mit weinenden alten Männern an einem Dreiweig auch nicht sehr groß sein.
Re: Ein schlechtes Vorzeichen für einen Rekruten
Γραικίσκος schrieb am 12.01.2019 um 13:01 Uhr (Zitieren)
Dreiweig = Dreiweg

Edith wäre hilfreich.
Re: Ein schlechtes Vorzeichen für einen Rekruten
Φιλομαθής schrieb am 12.01.2019 um 23:24 Uhr (Zitieren)
Das böse Omen des weinenden Alten an der Kreuzung sollte, damit Timoleon es missachten konnte, schon vor dessen Tod bekannt gewesen sein. Durch die namentliche Erwähnung dieser einen Person erhält das Gedicht neben seiner 'didaktischen' eine zweite Funktion als Epitaph.
 
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