α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Selbstmord (708 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 01.09.2009 um 18:12 Uhr (Zitieren)
Heute fällt mir reinweg gar nichts ein, außer daß ich kurz darüber nachgedacht habe, ob die im bei uns hier verbreitete Neigung, den Suizid als Selbstmord anzusehen, (auch) damit zusammenhängen könnte, daß wir keine eigenen grammatischen Formen für das Medium haben.
Augustinus z.B. (kein spezielles Medium im Latein) sagt ganz kühl: Das 5. Gebot verbietet das Morden, und ein Selbstmörder ist auch ein Mörder.
Also mordet da jemand, und das Objekt seiner Handlung ist (eher unwesentlicherweise) er selbst.
Oder da wird jemand ermordet, und der verbrecherische Täter dieser Handlung ist (eher zufälligerweise) das Opfer.

Und da dachte ich mir, daß eine Sprache, welche von vornherein zwischen Aktiv, Medium und Passiv unterscheidet (wie die griechische), eher dazu neigt, der Selbsttötung von vornherein einen eben nicht nur grammatisch, sondern auch moralisch eigenen Stellenwert zu geben.

Oder ist das einfach Spätnachmittags-in-der-S-Bahn-Gedankenmüll?
Re: Selbstmord
διψαλέος schrieb am 01.09.2009 um 18:28 Uhr (Zitieren)
Es gibt da im Internet eine Seite
"Die dümmsten Selbsttötungen"

In der griechischen Mythologie kommen Selbstentleibungen alle naselang und massenhaft vor..
(Eigentlich gibt es gr. KEINE Sage, in der NICHT ein Selbstmord vorkommt...)
Re: Selbstmord
Γραικίσκος schrieb am 01.09.2009 um 18:49 Uhr (Zitieren)
Es gibt da im Internet eine Seite
"Die dümmsten Selbsttötungen"

Aber, διψάλεος, was soll mir das denn bei meiner Frage helfen, ob die Grammatik die Moral beeinflussen kann?

Sollte ich aber jemals zu DEM Entschluß gelangen, dann werde ich mir zusätzlich überlegen, ob ich damit auf diese Internet-Seite kommen möchte.
Meine Prognose: eher nein.
Re: Selbstmord
διψαλέος schrieb am 01.09.2009 um 18:55 Uhr (Zitieren)
Ob die Grammatik oder die Sprache die Moral beeinflussen kann?

Sichrlich!
Sonst gäbe es die Rhetorik nicht.
Es gibt Sprachen, die haben keine Wörter für Gott, oder (herzliche) Liebe oder Haß oder für "G eld" oder für Zahlwörter größer als "zwei".
Oder es ist umgekehrt, diese Volksstämme haben eben eine bestimmte Moral, für die man bestimmte Sprachstrukturen nicht braucht...
Re: Selbstmord
Ὑληβάτης schrieb am 02.09.2009 um 09:39 Uhr (Zitieren)
Nur ganz kurz:
Mein alter Professor selig hat immer das Buch eines Schotten erwähnt: "How to improve morals by improving language", oder so. Da ging es wohl um Sprache und Charakter.
Bis später.
Re: Selbstmord
Ὑληβάτης schrieb am 03.09.2009 um 20:57 Uhr (Zitieren)
Hab das Buch nicht gefunden.
Über das Thema, wie die Sprache unser Denken und Handeln beeinflusst sind sicher schon viele Doktorarbeiten geschrieben worden oder müssen geschrieben werden, aber das jemand, der in einer Sprache ohne das Wort "Gott" oder "herzliche Liebe" aufgewachsen ist, eine andere Moral haben sollte, halte ich für äußerst fragwürdig. Vielleicht ist das zu naiv gedacht, aber folgendes Gedankenspiel will ich nachvollziehen:
Es gibt wohl Sprachen, die ziemlich wenig Farbwörter haben. Eine interessante Übersicht findet sich hier: http://www.zas.gwz-berlin.de/pr/lndw2003/ZASFarbwoerter.pdf
Ich will aber bezweifeln, dass die Dani weniger Farben sehen als ich - und ich habe eine Farbsehschwäche! - oder die grüne und die schwarze Mülltonne verwechseln und deshalb den Müll immer falsch trennen.
Gehe ich am Thema vorbei?

Der Gymnasiallehrplan (Deutsch, BaWü) sagt aber sehr nett, was dabei wichtig, und worin ich eher das Problem sehe: Die Mitteilungsfunktion von Sprache leidet, wenn man kein Wort für "herzliche Liebe" kennt.

Gibt es eigentlich im Deutschen ein Wort für "herzliche Liebe"?
Re: Selbstmord
Ὑληβάτης schrieb am 03.09.2009 um 21:01 Uhr (Zitieren)
Hatte nicht Nietzsche etwas darüber geschrieben, dass nur die indoeuropäische Sprache mit einem grammatischen Subjekt einen Einfluss auf das Selbstbild hat?
Re: Selbstmord
ανδρέας schrieb am 03.09.2009 um 21:24 Uhr (Zitieren)

Manche Selbsttötungen sind auch tragikomisch - wenn man das überhaupt sagen darf. Hier ein link:

http://www.darwinawards.com/deutsch/darwin/darwin2000-27.html
Re: Selbstmord
διψαλέος schrieb am 03.09.2009 um 22:53 Uhr (Zitieren)
Mir stellt sich die Frage: "Was ist Moral?"
(Ich bin heute nur kurz hier, Trauerfall in der Familie)
Re: Selbstmord
Γραικίσκος schrieb am 04.09.2009 um 22:23 Uhr (Zitieren)
Hatte nicht Nietzsche etwas darüber geschrieben, dass nur die indoeuropäische Sprache mit einem grammatischen Subjekt einen Einfluss auf das Selbstbild hat?

Ja, deswegen müssen wir uns zu jedem Tun einen Täter denken. Sprecher anderer Sprachen müssen (und tun) das nicht.
Re: Selbstmord
ανδρέας schrieb am 04.09.2009 um 22:56 Uhr (Zitieren)
>>> dass nur die indoeuropäische Sprache mit einem grammatischen Subjekt einen Einfluss auf das Selbstbild hat? <<<

Ob Nietzsche so ein Sprachkenner war?

Man geht heute davon aus , dass es allein 200 bis 500 verschiedene Sprachen in Nordamerika gegeben hat, die wegen der jeweiligen unterschiedlichen Besiedlungsphasen praktisch völlig unterschiedlich in Vokabular und Grammatik sind. (Gesamter Kontinent: geschätzt bis zu 2000 Dialekte). Erstaunlicherweise konnte man keinen gemeinsamen Ursprung erkennen, obwohl die Besiedlung aus Asien erfolgte. Die verschiedenen Stämme überwanden das Sprachproblem meist mit Zeichensprache.
Da kann man nicht einfach behaupten, DASS NUR DIE INDOEUROPÄISCHEN Sprachen diese Eigenheit aufweisen.

Beispiel:
Martin emaciapelo. Taku eniciapi hwo ?" "Ich heiße Martin. Wie heißt du ?">>> Lakota (Soux)
"Haash yinílyé ?." "Wie heißt du ?" >>> Navaho
"Na-tsesevehe Martin." "Ich heiße Martin." >>> Cheyenne

http://www.indianersprachen.de/kurs2.php

Interessant, wenn man die "indianisch" sprechenden Leute aus den Western kennt. Da geht man ja meist von einer relativ einheitlichen Sprache aus (wie bei den romanischen Sprachen).

Die Welt war größer als Nietzsche ... und er hat es nie verstanden.

Werde mich noch in ein nicht ganz so dickes Buch vertiefen

Gute Nacht
Re: Selbstmord
Γραικίσκος schrieb am 05.09.2009 um 16:20 Uhr (Zitieren)
Erstaunlicherweise konnte man keinen gemeinsamen Ursprung erkennen, obwohl die Besiedlung aus Asien erfolgte.

Möglicherweise nicht (nur)!
Vgl.:
http://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=235#26
Re: Selbstmord
ανδρέας schrieb am 05.09.2009 um 16:44 Uhr (Zitieren)

Es ist schon erstaunlich, welche Wendungen die Themen manchmal nehmen. (Selbstmord - Indianer)

Man weiß einfach nicht wirklich, wie die Besiedelung vonstatten ging. Offenbar in mehreren Wellen von Leuten, die in Kultur und Sprache große Unterschiede aufwiesen und unterschiedlichen Gegenden kamen. Daher mein Einwand, dass Nietzsche nur den europäisch zentrierten Kenntnisstand als Maßstab nimmt.
Re: Selbstmord
Γραικίσκος schrieb am 05.09.2009 um 17:10 Uhr (Zitieren)
Nietzsche beruft sich meiner Erinnerung nach auf das Ural-Altaische. Aber ich habe keine Ahnung, woher er darüber etwas gewußt haben will.
Als Hypothese ist seine Vermutung gleichwohl interessant: Die ontologische Substanz-Kategorie ist abgeleitet aus der grammatischen Subjekt-Kategorie. Wenn nun eine Sprache diese grammatische Kategorie nicht kennt, wird sie die Welt dann nicht ontologisch substanzlos deuten?
Solche Deutungen gibt es nun in der Tat. Z.B. in dem buddhistischen Gedanken der Ichlosigkeit, der Taten ohne einen, der sie tut, postuliert.
Die Realität, wie wir sie wahrnehmen, besteht ja auch eher aus fluktuierenden Eigenschaftskomplexen (eckig - hart - flach - ...), die wir dann als eine Ding-Substanz (Tisch) zusammenfassen. Warum tun wir das? Muß man das so tun? Gibt es andere Möglichkeiten, die Welt zu strukturieren? Hängen diese nicht wirklich von der jeweiligen Sprache bzw. ihrer Grammatik ab?

Selbst Kant, der des Nietzscheanismus ganz unverdächtig ist, leitet die (ontologischen) Kategorien aus den (sprachlichen) Urteilsformen ab.

Schreibe ich diesen Text, oder schreibt es hier, findet hier einfach Schreiben statt?
Re: Selbstmord
ανδρέας schrieb am 05.09.2009 um 17:38 Uhr (Zitieren)

Ja, es ist sicher so, dass die Sprache die Denkweise abbildet (hat dies mein Über-Ich geschrieben?).

Völker in den Tropen haben kein Wort für Schnee usw.. Dies gilt für dingliche Begriffe.
Aber prinzipiell gibt es keinen Grund , warum Menschen aus den unterschiedlichsten Gegenden nicht ähnliche Kategorien und Bewertungsmaßstäbe der Moral etc. bilden sollten (quasi Konvergenz der Gedanken).

Die Frage nach Ei und Henne. Was bestimmt was?
Die Grammatik die Gedanken oder die Gedanken die Sprache. Zuerst war sicher erst mal das Denken, die Sprache folgte und bildete damit auch die Denkweise ab.
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Regenbogen

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.