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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ἱερὰ ἀναγραφή: Die utopische Insel Παγχαία (223 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 11.05.2019 um 13:30 Uhr (Zitieren)
Das Werk Ἱερὰ ἀναγραφή des in der Antike für seine rationalistische Mytheninterpretation bekannten Euhemeros (um 300 v.u.Z.) ist lediglich in einer von Diodorus Siculus (V 41-46 und VI 1) überlieferten Zusammenfassung erhalten. Darin findet sich (V 42 ff.) im Rahmen eines fiktiven Reiseberichts die Schilderung der utopischen Insel Panchaia [Παγχαία].
45. [...] Das ganze Land ist überaus fruchtbar, vor allem trägt es eine Fülle der verschiedenen Weinarten. Die Bewohner sind kriegerisch und bedienen sich nach alter Sitte in den Schlachten der Streitwagen. Die gesamte Bürgerschaft ist in drei Klassen eingeteilt: die erste Klasse bei ihnen ist die der Priester, zu denen noch die Handwerker kommen, die zweite die der Ackerbauer[n], die dritte die der Soldaten, denen auch die Hirten zugerechnet werden. Die Priester waren nun bei allem die Führer, sie entschieden in Streitsachen und hatten die Entscheidung auch in den anderen öffentlichen Angelegenheiten. Die Ackerbauern, die das Land bearbeiten, liefern den Ertrag an die Gemeinschaft ab; wer von ihnen sich bei der Bearbeitung des Bodens besonders ausgezeichnet hat, erhält bei der Verteilung der Früchte ein besonderes Ehrengeschenk, nachdem er von den Priestern zum Erst- und zum Zweit- und so fort bis zum Zehntbesten erklärt worden ist, um die anderen dadurch aufzumuntern. In gleicher Weise liefern auch die Hirten die Opfertiere und den sonstigen Ertrag ihrer Herden an die Gemeinschaft ab, und zwar alles aufs genaueste, nach Zahl oder Gewicht. Überhaupt darf niemand irgend etwas persönlich besitzen außer Haus und Garten, alle Erzeugnisse und Erträge nehmen die Priester in Empfang und teilen gerecht einem jeden das ihm Zukommende zu; sie selbst erhalten als einzige das Doppelte.
Die Einwohner tragen Kleider aus zarten Stoffen, denn ihre Schafe haben eine überaus feine Wolle. Auch tragen sie Goldschmuck, nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer. [...]
46. Die Soldaten erhalten den ihnen zugeteilten Sold und beschützen das Land, verteilt auf feste Plätze und Lager; denn ein Teil des Landes ist den Raubzügen verwegener und gesetzloser Menschen ausgesetzt, die den Landleuten auflauern und sie bekämpfen. Die Priester selbst übertreffen an Üppigkeit wie in der größeren Verfeinerung und Pracht ihrer Lebensführung bei weitem alle anderen. [...] Ihre Haupttätigkeit besteht darin, sich dem Dienste der Götter hinzugeben und ihnen Hymnen und Lobgesänge darzubringen, in denen sie die Taten der Götter und ihre Wohltaten an den Menschen aufzählen. [...]
Das Land hat reiche Bergwerke von Gold, Silber, Kupfer, Zinn und Eisen; von diesen Metallen darf aber nichts aus der Insel ausgeführt werden; ja, den Priestern ist es nicht einmal erlaubt, überhaupt nur ihren heiligen Bezirk zu verlassen; tut es einer doch, so darf jeder, der ihm begegnet, ihn töten. Zahlreiche große Weihegeschenke aus Gold und Silber sind im Schatz der Götter angehäuft, weil im Laufe der Zeit sich die Menge solcher Opfergaben sehr vermehrt hat. Die Tore des Tempels sind wunderbar konstruierte Objekte, ausgearbeitet in Silber, Gold, Elfenbein und Zitrusholz. [...]

[Geschichte in Quellen, 7 Bde.; Bd. 1: Altertum. Hrsg. v. Walter Arend. München ³1978, S. 381 f.; Auslassungen z.T. nach dem Original des Diodorus Siculus ergänzt]
 
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