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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Perikles in Düsseldorf #2 (408 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 04.10.2019 um 23:32 Uhr (Zitieren)
Nun stand er, nicht minder ratlos, auf der anderen Seite und blickte auf eine weitere, gerade verlaufende Straße, die rechts von großen Häusern, links von einem Wassergraben ge-säumt wurde – in Richtung Süden, und dorthin zu gehen hatte er ja beschlossen. Nach einiger Zeit erschien ihm ein entgegenkommender Passant auf unbestimmte Weise griechisch, weshalb er ihn ansprach: „Bist du Grieche? Kannst du mich verstehen? Kannst du mir Auskunft geben?“ Das konnte der Mann offenbar nicht, aber nun trat ein anderer herzu, der auf das kurze Gespräch aufmerksam geworden war.

Ich traue meinen Ohren nicht. Der Mann spricht Altgriechisch, so wahr ich Griechischlehrer am Görresgymnasium bin! Er spricht die Sprache des Platon und des Sophokles, und das in Düsseldorf auf der Königsallee, direkt vor unserem Schulgebäude! Kann es sich um einen Scherz meiner Schüler handeln? Aber nein, so fließend sprechen die doch nicht Griechisch, trotz meines Unterrichts. Außerdem ist der Mann eindeutig zu alt für einen Schüler, der hat längst sein Abitur, wenn nicht sogar schon einen Studienabschluß in Klassischer Philologie. Ich muß ihn ansprechen.

Er spricht Attisch! Wie ein jämmerlicher Barbar von finsteren Nebelgestaden zwar, aber er spricht Attisch! Erschöpft nach langer Mühe und um einiges erleichtert, hätte er sich mit weichen Knien am liebsten auf einer Bank niedergelassen, wenn es eine in der Nähe gegeben hätte. Sie standen am Durchgang zu einem Hof, auf dem Kinder herumliefen, aber um die Agora handelte es sich gewiß nicht. Kurz dachte er an ein Gymnasion, aber nein, die Knaben waren nicht nackt. Die Mädchen - Mädchen! – ebenfalls nicht.

„Mein Bester“, so hub er schließlich an, „es erfreut mein Herz, einen Mann zu finden, der die Sprache der Kultur spricht, und dann auch noch in so vollendeter Form. Sag an, wo befinde ich mich hier?“
„Am Eingangstor des Gymnasions, das die Väter nach Joseph Görres benannt haben, in der Stadt an einem Fluß, der seit altersher Düssel heißt, und nach ihm die Stadt“, entgegnete der Fremde, und er fügte hinzu: „Mögest du willkommen sein. Wie ist dein Name?“

Ein seltsamer Vogel, dachte er und hätte einige kritische Worte über seine Grammatik zu sagen gewußt, doch er wollte es um keinen Preis mit diesem exzentrischen Exemplar eines vernunftbegabtes Lebewesens verderben, weshalb er nur sagte:
„Mein Name ist Perikles, Sohn des Xanthippos aus der Familie der Alkmeoniden, Bürger von Attika, Phyle ... nun, lassen wir die Einzelheiten, die dir wenig sagen mögen. Apollon hat, weil ich zu dicht an die Pythia herangetreten bin, ein seltsames Schicksal über mich verhängt. Ich befinde mich in einer mir völlig fremden Stadt, von der du mir gastfreundlich den Namen mitgeteilt hast, der mir leider nicht entscheidend weiterhilft. Mein Wunsch ist, so schnell mich die Füße tragen mögen, in meine Heimatstadt zurückzukehren, zu welchem Zweck ich wohl baldigst ein Sühneopfer im nächstgelegenen Apollon-Tempel darbringen sollte. Kannst du mir wohl durch einige Angaben dazu oder sogar durch deine freundliche Begleitung dabei behilflich sein? Als erstes benötige ich wohl einen Opferstier, makellos und nach Möglichkeit weiß.“

Re: Perikles in Düsseldorf #2
Γραικίσκος schrieb am 04.10.2019 um 23:34 Uhr (Zitieren)
(Fortsetzung folgt)
Re: Perikles in Düsseldorf #2
Γραικύλος schrieb am 20.11.2020 um 17:43 Uhr (Zitieren)
Eine Passage dieser Erzählung hat Roger-Bôtan ins Altgriechische übersetzt:
„Am Eingangstor des Gymnasions, das die Väter nach Joseph Görres benannt haben, in der Stadt an einem Fluß, der seit altersher Düssel heißt, und nach ihm die Stadt“, entgegnete der Fremde, und er fügte hinzu: „Mögest du willkommen sein. Wie ist dein Name?“

„Πρόσθεν τῶν πυλῶν τοῦ γυμνασίου τοῦ ὑπὸ τῶν πρoγόνων τῶν ἡμετέρων ἀπὸ τοῦ Ιωσήφου Γοερρες κληθέντος, ἐν δε τῇ πόλει ἣ ἐπὶ τῆς ἀκτῆς τοῦ ποταμοῦ ἐστὶ τοῦ πάλαι ἠδ' ἔτι καὶ νῦν Δυεσσελ ὀνομαζομένου, ἀπὸ τοῦ καὶ τὴν πόλιν Δυεσσελόπολιν καλοῦμεν“, – εἶπε ὁ ξένος, ἔπειτά δε προσέφη: „Χαῖρε, τίς εἶ; τί ἐστὶ σὸν ὄνομα;“

(Roger-Bôtan, https://www.keinverlag.de/441591.text am 19.11.2020)

Die Wiedergabe erfolgt mit seiner Erlaubnis.

 
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