Γραικίσκος schrieb am 27.11.2019 um 15:39 Uhr (Zitieren)
Odyssee XVII, 290-327:
Re: Argos, der Hund des Odysseus
Γραικίσκος schrieb am 28.11.2019 um 15:06 Uhr (Zitieren)
Es ist dies eigentlich die Geschichte der Zuneigung eines Hundes, nicht der eines Menschen - welcher, die Träne im Auge wacker unterdrückend, eben nicht zu seinem Hund geht und ihm ein letztesmal den Kopf krault, sondern beherrscht seinen Plan verfolgt, auf keinen Fall entdeckt zu werden.
Hätte denn ein Kopfkraulen seine Identität verraten?
Ich persönlich hätte eher gedacht: So sentimental gegenüber einem Hund? Das kann nicht Odysseus sein!
Dieser Mensch, der Mensch ist Verstellung. Ein Hund kann das nicht.
Re: Argos, der Hund des Odysseus
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 29.11.2019 um 13:21 Uhr (Zitieren)
Verstellung, ja. Aber so, wie Odysseus es anstellt, läßt er seinem treuen Hunde die würdigste Leichenrede halten, die man sich denken kann.
Verstellung also gewissermaßen auf des Messers Schneide: kalt und unsentimental wäre gewesen, wortlos vorüberzugehen.
Die Passage ist auch als Hinweis auf die Täuschbarkeit des Menschen lesbar, ein Hund ist in dieser Hinsicht nicht zu täuschen.
Re: Argos, der Hund des Odysseus
Γραικίσκος schrieb am 29.11.2019 um 14:42 Uhr (Zitieren)
Ja, das stimmt, auch so kann man die Passage lesen. Gut gesehen!
Wortlos vorüberzugehen, wäre gewiß noch kälter gewesen. Aber hier treffen, sieht man von der Träne ab, doch zwei Grundeinstellungen aufeinander: die der zweckrationalen Beherrschung (nur nicht zu früh entdeckt werden!) und die der reflexionslosen, spontanen Zuneigung.