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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Dekalog- die neun Gebote? (1641 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2009 um 14:32 Uhr (Zitieren)
Exodus 20, 1-14 enthält den Dekalog. Deklaog bedeutet "δέκα λόγοι", und das sind
1. zehn
2. "Worte" (Sätze, Aussagen)
Aber es bedeutet nicht: zehn Gebote.
Ich zähle die Gebote durch (mithilfe der Übersetzung von Moses Mendelssohn):
1. betrifft die ausschließeliche Verehreung des einen Gottes - keine anderen Götter, kein Götzenbild;
2. betrifft den Mißbrauch des Namens Gottes;
3. betrifft den Gott geheiligten Tag;
4. gebietet, Vater & Mutter zu ehren;
5. verbietet den Mord;
6. verbietet den Ehebruch, das "Buhlen";
7. verbietet den Diebstahl;
8. verbietet, falsches Zeugnis abzulegen;
9. verbietet, den Besitz des Nächsten zu begehren: Haus, Weib, Sklave, Ochse.
Aber wo ist das zehnte Gebot?
Gibt es nicht! Es gibt wohl einen zehnten (bzw. ersten) λόγος: "Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich aus dem Land Mizrajim geführt habe, aus dem Hause der Sklaven."
Das steht allem voran und soll, wie ich es sehe, die folgenden Gebote legitimieren: Ich habe dir was zu sagen!

Soweit ich informiert bin, sprechen Juden auch nicht von zehn Geboten, sondern nur von 'zehn Worten', vom Dekalog eben.

Also sind die 'zehn Gebote' in Wahrheit nur neun?

Dafür spricht, daß die christlichen Übersetzungen, bei denen es zehn Gebote sein sollen, die Einteilung ganz unterschiedlich vornehmen: Entweder machen sie aus dem ersten oder dem letzten Gebot zwei; dies tun sie aber ganz sinnwidrig, d.h. sie reißen Zusammenhängendes auseinander.

[Ich habe das mal im Unterricht diskutiert und bin dabei auf einen Schüler gestoßen, der mir heftig widersprochen hat. Wir haben uns richtiggehend in unsere Standpunkte verbissen und, wenn wir uns auf dem Gang begegnet sind, statt mit "hallo!" o.ä., nur so begrüßt: "Es sind neun!" - "Es sind zehn!" Das aber nur als Anekdote am Rande.
Es sind neun!]
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2009 um 14:39 Uhr (Zitieren)
O Mann!
- Dekalog
- ausschließliche
- Verehrung
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
διψαλέος schrieb am 18.09.2009 um 15:47 Uhr (Zitieren)
http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote
Abschnitt
Einteilung und Zählung

jeder zählt bis zehn mit unterschiedlicher Aufteilung.
Ich nehme an, die Anzahl "Zehn" wurde wegen der leichteren Merkbarkeit mittels Fingerzählung entwickelt.
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
John schrieb am 18.09.2009 um 16:01 Uhr (Zitieren)
Wieso "das Land Mizrajim" und nicht Ägypten?
Diese Debatte über den Dekalog kommt alle paar Jahre mal wieder auf. Ich erinnere mich an eine "großartige" Entdeckung der Springerpresse zu diesem Thema (da waren es 11 oder mehr Gebote) vor ein paar Jahren.
Aus jüdischer Sicht ist das erste Gebot "Ich bin *adonai* (יהוה), dein Gott, der dich..." deswegen ein Gebot, weil es die persönliche Gottesbeziehung herausstellt. Der verbindlicheBegriff "elohaecha" (dein Gott) kam vermutlich erst relativ spät auf (im 7. vorchristlichen Jahrhundert nach der josianischen Reform). Er wurde so verbindlich, dass eine ganze Theologie, die sog. deuteronomistische, sich dieser persönlichen Beziehung zu dem Gott der Juden verpflichtete. Die zehn Gebote selbst wurden innerhalb dieses Prozesses (und wohl auch schon vorher) immer wieder redaktionell verändert - bis um ca. 100 n. Chr. kein Iod mehr verändert werden durfte, weil die Schrift selbst dann als heilig galt.
Ich will damit sagen, dass die gesamte Entstehungsgeschichte der Zehn Gebote selbst schon so verwirrend ist, dass Theologen sich nach wie vor darüber streiten, was der vermeintliche "Urtext" sein könnte.
In dem von διψαλέος angeführten Wiki-Artikel haben wir ja auch, dass es anfangs evtl. 12 Gebote gewesen sein sollen (manche Zahlen tauchen immer wieder auf: 12 und 40 sind beliebt). Man beachte außerdem die zweite (sich von der ersten unterscheidende) Version in 5. Mose 5... Man sieht bei diesem Thema kaum Land. Studiert man das Fach, wird es noch viel schlimmer und unübersichtlicher.
Wenn also ein Schüler darüber sprechen möchte, bitte nicht zum Studium der Theologie anspornen!;)
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Ὑληβάτης schrieb am 18.09.2009 um 16:03 Uhr (Zitieren)
Die verschiedenen Zählungen sehen so aus, als gäbe es die Verpflichtung, auf 10 Gebote zu kommen. Sonst wäre es unverständlich, warum nur Katholiken und Lutheraner aus eins zwei machen - eins fehlt ja, wenn man am Anfang aus zwei eins macht!
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
John schrieb am 18.09.2009 um 16:12 Uhr (Zitieren)
Ob 9, 10 oder 11 (oder vielleicht doch weniger)... Letztlich passt da am besten der aus der Textkritik bekannte Begriff "Tenazität" sehr gut, welcher eigentlich das hartnäckige Festhalten ("Kleben") der Abschreiber des Neuen Testaments betrifft. Hierbei handelt es sich, so meine Meinung, aber eher um eine Art anthropologische Konstante, weshalb mir die These der Fingerzählung gut gefällt.:)
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
John schrieb am 18.09.2009 um 16:20 Uhr (Zitieren)
Das hartnäckige Festhalten an einem Text selbstverständlich...
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2009 um 16:44 Uhr (Zitieren)
Das waren ja kompetente Auskünfte, während ich mit der Katze beim Tierarzt war ...
Die Zehnzahl ist also sozusagen fingerbedingt zwanghaft.

Wißt Ihr übrigens, warum fast alle Lebewesen mit Fingern, Zehen, Klauen etc. pro Extremität deren fünf haben - nicht vier (wie Donald Duck), nicht sechs?
Das hat einen überraschenden biologischen Grund, wie mir eine Fachfrau einmal erklärt hat.
[Das wäre eine Erläuterung, die Hilde geben könnte.]
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Ὑληβάτης schrieb am 18.09.2009 um 18:10 Uhr (Zitieren)
Das Dreifingerfaultier müssen wir natürlich ausnehmen. Haben nicht auch sehr viele Blüten (und Blätter) fünf "Finger"? Ich glaube, dass sogar Bananen fünf Seiten haben. Aber was ist des Rätsels Lösung?

Geht's Deiner Katze besser, oder zumindest gut?
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
διψαλέος schrieb am 18.09.2009 um 18:14 Uhr (Zitieren)
es gibt doch auch eine genetische "sechs-Fingrigkeit" bei Menschen?
Ich komme jetzt nicht auf den Fachausdruck,
bestimmt was mit "poly..."
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
διψαλέος schrieb am 18.09.2009 um 18:15 Uhr (Zitieren)
wir schweifen vom Thema ab...
von den Zehn Geboten zum Faultier....

:-))
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
ανδρέας schrieb am 18.09.2009 um 18:22 Uhr (Zitieren)


So nebenbei:

Polydaktylie kommt unter ca. 2000 Geburten 1 mal vor. Oft ist Inzest die Ursache. Heinrich VIII kam auch nicht mit 10 Finfern aus ....
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2009 um 18:23 Uhr (Zitieren)
Manchmal werden zwei ganz unterschiedliche Anlagen gekoppelt vererbt. In diesem Falle sind es 1. die Fünfgliedrigkeit (an sich evolutionsbiologisch nicht besonders vorteilhaft im Vergleich zur Vier- oder Sechsgliedrigkeit) und 2. eine sexuell hochbedeutsame Anlage (Zweigeschlechtlichkeit? Aber da bin ich mir nicht sicher). Alles , was mit Sexualität zu tun hat, ist natürlich evolutionsbiologisch hochgradig wichtig. Und so schleppt Anlage 2 Anlage 1 sozusagen mit sich, quer durch die Evolution.

Interessant ist übrigens: Wie viele Krallen haben Katzen (Vorder- und Hinterpfoten addiert)? Es müßten ja nun 20 sein. Aber da haben wir schon eine Ausnahme von der strikten Fünfgliedrigkeit.
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
ανδρέας schrieb am 18.09.2009 um 19:18 Uhr (Zitieren)
Tetrapoden:

Vierfüßler, also an Land lebende Wirbeltiere haben fünf Finger an ihren Vorder- und Hinterfüßen. Auch wenn diese nicht immer wie die uns gewohnten Finger oder Zehen aussehen, werden sie wegen ihrer Knochenstruktur als fünffingerig bezeichnet. Hände und Füße eines Frosches, einer Eidechse, eines Eichhörnchens oder eines Affen haben dieselbe Struktur. Selbst die Knochenstruktur der Vögel und Fledermäuse entspricht diesem Basis-Design.

Vielleicht verschwand die fünfte Zehe im großen Zehenballen. Huftiere haben die Zehen ja auch "zusammengefasst." Bei Walen sibd ja teilweise ihre funktionslos gewordenen Knochen vorhanden (rudimentär).
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
ανδρέας schrieb am 18.09.2009 um 19:21 Uhr (Zitieren)

Nicht, dass man über die 10 Gebote und die Katzenanatomie den Kreationisten (intelligent design) Argumente liefert ...
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2009 um 19:26 Uhr (Zitieren)
"Klar gibt es einen Gott! Irgendjemand muß doch den Katzen die Löcher genau an den Stellen ins Fell geschnitten haben, an denen die Augen sind!"

Katzen haben an den Hinterpfoten je vier Krallen.

Ich martere mir das Gehirn auf der Suche nach dem biologischen Begriff, mit dem man diese gekoppelte Vererbung bezeichnet. "Koevolution" ist es nicht; das ist etwas anderes.
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
ανδρέας schrieb am 18.09.2009 um 19:41 Uhr (Zitieren)
Hier nochmal ein link zu den 10 Geboten:

http://www.mdr.de/kultur/647735-hintergrund-661112.html

und ...
Die 10 (wichtigsten) Erzengel verkörpern die 10 "sephirotischen Kräfte" der GEISTIGEN WELT (Lebensbaum, Kabbala)

immer diese Zahlenmystik ...





Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
ανδρέας schrieb am 18.09.2009 um 19:45 Uhr (Zitieren)
Fachbegriff: GENKOPPLUNG
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
διψαλέος schrieb am 18.09.2009 um 19:50 Uhr (Zitieren)
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2009 um 19:51 Uhr (Zitieren)
Genkopplung, DAS ist es!
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Γραικίσκος schrieb am 18.09.2009 um 23:34 Uhr (Zitieren)
Wieso "das Land Mizrajim" und nicht Ägypten?

Das schreibt Mendelssohn so.
Buber/Rosenzweig, d.h. die zweite, neuere jüdische Übersetzung des Tanach, nennt Ägypten.
Was mag da im Hebräischen stehen?
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
διψαλέος schrieb am 19.09.2009 um 01:07 Uhr (Zitieren)
das "Land Mizrajim" war eine Provinz!

Es gibt mehrere Deutungen, welcher heutige Landstrich gemeint sein könnte!
(Am meisten wird ein damals wohl noch nicht wüstenhafter Teil zwichen dem östlichen Nilarm und dem heutigen Suez-Kanal genannt, bzw. etwas südlich davon, also am westlichen Ufer des Golfes von Suez.
Andere Quellen nennen auch "Goshen".)
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
John schrieb am 19.09.2009 um 02:33 Uhr (Zitieren)
Mein (sicherlich schon etwas antiquierter) Gesenius klärt es als Ägypten und sein Volk, was auch mit der Exodusüberlieferung über den Pharao und den Gegebenheiten zu tun hat, dass Ägypten Rückzugsland der Israeliten in Trockenzeiten war. Die Diskussion sollte sich also eher auf die politische Stabilität Ägyptens richten als auf alttestamentliche Texte.
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
John schrieb am 19.09.2009 um 02:52 Uhr (Zitieren)
Wichtig für das - noch nicht einmal in den Kinderschuhen steckende - Verständnis von Topographie und "Outopographie" ist ein seltsames, zentral verwaltendes System, was im präantiken jüdischen Sinn als einfach fremd empfunden gedeutet werden muss. Wir legen zu hohe Maßstäbe an, wenn wir von Provinzen sprechen! Die neu entstandene ethnische Glaubensgemeinschaft "Israel" wusste: Da gibt es einen Alleinherrscher, der uns willkürlich als Leiharbeiter zulässt und absetzt - wie auch immer es ihm beliebt. Wir, als Theologen, fragen heute nach der Intention der Autoren dieser Zeit und tun (endlich) nicht schlecht daran.
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Ὑληβάτης schrieb am 19.09.2009 um 09:41 Uhr (Zitieren)
Ich dachte immer, "Mizrajim" wäre das hebräische Wort für "Ägypter". Ist das gar nicht so klar?
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
John schrieb am 19.09.2009 um 13:37 Uhr (Zitieren)
Der Wiki-Autor sagt:
Der arabische Begriff Miṣr, heute der offizielle Staatsname, ist semitischen Ursprungs. Er ist der ursprünglichen assyrischen Schreibweise Misir/Musur sehr ähnlich, aber auch mit dem hebräischen מִצְרַיִם (Mitzráyim) verwandt. Er bedeutet schlicht „Land“ oder „Staat“, wobei historisch damit im engeren Sinn Unterägypten (Das untere Land) gemeint war und später auf das gesamte Land (Unter- und Oberägypten) übertragen wurde. Dies kommt auch in der späteren hebräischen Bezeichnung als Dual-Begriff zum Ausdruck. Im ägyptischen Dialekt des Arabischen wird aus Miṣr allerdings Maṣr bzw. maṣri für "ägyptisch", der häufige Beiname al-Masri bedeutet daher "der Ägypter".


Der Gesenius hält dagegen die Endung nicht für eine Dual-, sondern eine Lokalendung (wie bei Δελφοί). Die Bedeutung "Land" erschließt sich mir allerdings nicht. Das wäre eigentlich "Erez", was im Dekalog auch vor Mizrajim steht, daher auch Luther: Ägyptenland.
Re: Der Dekalog- die neun Gebote?
Γραικίσκος schrieb am 19.09.2009 um 13:42 Uhr (Zitieren)
Sieh an! Deswegen also übersetzt Mendelssohn auch "das Land Mizrajim".
 
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