Zum historischen Hintergrund:
Die Stadt Akkad ist unter ihrem Herrscher Sargon (2337-2297 v.u.Z.) und seinen Nachfolgern zur beherrschenden Zentralmacht in Mesopotamien geworden. Man spricht vom ersten semitischen Großreich. Dagegen erhebt sich Widerstand, insbesondere in den alten, traditionsreichen Zentren der sumerischen Städte im Süden des Landes, die sich zu einer Koalition gegen den akkadischen Herrscher zusammenschließen.
Betroffen von diesem Aufstand und Bürgerkrieg ist die Hohepriesterin Encheduana („Zierde des Himmels[gottes] An“), die sich als Tochter Sargons und loyale Anhängerin der Dynastie bezeichnet und ihr Amt im rebellischen Süden, in der Stadt Ur, ausübt. In ihrer Not wendet sie sich an die Göttin Inana und bittet sie um ein Eingreifen.
Durch verschiedene andere Quellen – weitere Dichtungen und mehrere Siegelinschriften – ist diese Frau für das 23. Jhdt. v.u.Z. historisch faßbar. Damit handelt es sich um den frühesten namentlich bezeugten Autor und um den ältesten Text der Weltliteratur, dessen Autor historisch belegt ist.
[angelehnt an Annette Zgoll: Die Geburt des Autors. Das Lied der Hohepriesterin Encheduana aus dem 23. Jahrhundert vor Christus; in: Erzählungen aus dem Land Sumer, s.u.]
(Erzählungen aus dem Land Sumer. Hrsg. v. Konrad Volk. Wiesbaden 2015, S. 339-342)