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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
nin me šár-ra #1 (562 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.02.2020 um 15:22 Uhr (Zitieren)
Encheduana (En-hedu-anna)
(23. Jhdt. v.u.Z.)

HYMNE FÜR INANA
(nin me šár-ra)

Zum historischen Hintergrund:
Die Stadt Akkad ist unter ihrem Herrscher Sargon (2337-2297 v.u.Z.) und seinen Nachfolgern zur beherrschenden Zentralmacht in Mesopotamien geworden. Man spricht vom ersten semitischen Großreich. Dagegen erhebt sich Widerstand, insbesondere in den alten, traditionsreichen Zentren der sumerischen Städte im Süden des Landes, die sich zu einer Koalition gegen den akkadischen Herrscher zusammenschließen.
Betroffen von diesem Aufstand und Bürgerkrieg ist die Hohepriesterin Encheduana („Zierde des Himmels[gottes] An“), die sich als Tochter Sargons und loyale Anhängerin der Dynastie bezeichnet und ihr Amt im rebellischen Süden, in der Stadt Ur, ausübt. In ihrer Not wendet sie sich an die Göttin Inana und bittet sie um ein Eingreifen.
Durch verschiedene andere Quellen – weitere Dichtungen und mehrere Siegelinschriften – ist diese Frau für das 23. Jhdt. v.u.Z. historisch faßbar. Damit handelt es sich um den frühesten namentlich bezeugten Autor und um den ältesten Text der Weltliteratur, dessen Autor historisch belegt ist.

[angelehnt an Annette Zgoll: Die Geburt des Autors. Das Lied der Hohepriesterin Encheduana aus dem 23. Jahrhundert vor Christus; in: Erzählungen aus dem Land Sumer, s.u.]

Herrin über die göttlichen Mächte, die unzähligen,
Licht, das strahlend aufgegangen ist,
Frau voll gewaltiger Taten, in gleißendem
Schreckensglanz, in Liebe verbunden mit An und Urasch,
Herrscherin über den Himmel, Besitzerin aller
großen Insignien der Herrschaft (auf Erden),
die die wirkmächtige Tiara liebt, die ideal zum
hohepriesterlichen Amt paßt,
mächtig im Besitz der sieben göttlichen Mächte des Hohepriestertums!
Meine Herrin! Du bist Hüter der großen göttlichen Mächte!
Diese Mächte hast du zu dir emporgehoben, diese Mächte hast du fest ergriffen.
Diese Mächte hast du alle zusammengebracht,
diese Mächte hast du fest an dich gedrückt.
Wie ein Drache hast du auf das feindliche Land
Gift geschleudert!
Wo du wie der Gewittergott Ischkur donnernd gebrüllt hast,
war die Ernte um deinetwillen dahin.
Wasserflut, die von oben herab auf solch
feindliches Land stürzt,
die Ranghöchste, die Inana von Himmel und Erde bist du!
Feuer, immer neu entfacht, auf das Land Sumer
herniedergeprasselt,
der An die göttlichen Mächte gegeben hat, Herrin, die auf Raubtieren dahineilt,
die das schicksalsbestimmende Wort Ans durch ihr Wort zur Vollstreckung bringt:
All deine großen, die Herrschaft sichernden Rituale – wer kennt sie?
Zerstörerin der feindlichen Länder – dem
Sturmeswüten hast du Kraft gegeben.

In liebender Übereinstimmung mit Enlil hast du
auf dem Land Sumer furchtbaren Schrecken lasten lassen.
Die Aufträge des An auszuführen, stehst du bereit.

(Erzählungen aus dem Land Sumer. Hrsg. v. Konrad Volk. Wiesbaden 2015, S. 339-342)
 
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