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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Kleinere Quellen zu den Hyperboreern #5 (263 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 18.01.2021 um 14:12 Uhr (Zitieren)
10. Diodorus Siculus

Da wir nun schon die nördlichen Teile Asiens der Beschreibung für wert halten, scheint es nicht abwegig, auch die Fabeln von den Hyperboreern [τὰ περὶ τῶν Ὑπερβορέων μυθολογούμενα] mit zu behandeln. Die alten Mythographen, Hekataios und einige andere, berichten nämlich, gegenüber dem Lande der Kelten gäbe es eine Insel im Ozean, nicht kleiner als Sizilien. Sie liege im Norden und werde von den sogenannten Hyperboreern bewohnt, so genannt, weil sie weit jenseits der Nordwinde zu Hause seien. Die Insel habe guten Boden, auf dem alles wachse, und ihr Klima sei so ausgezeichnet, daß sie zweimal im Jahr Früchte hervorbringe.

Wie man erzählt, sei auf ihr Leto geboren, und deshalb werde auch Apollon am meisten von allen anderen Göttern durch die Bewohner verehrt, ja sie seien gleichsam Priester des Gottes, den sie Tag für Tag in fortwährenden Gesängen feierten und auch sonst ganz besonders auszeichneten. Auf der Insel befinde sich auch ein großartiger heiliger Bezirk dieses Gottes und ein bedeutender Tempel mit vielen Weihegaben ausgestattet, von kreisrunder Form.

Ferner gebe es dort eine ganz dem Gotte geweihte Stadt, deren Einwohner in der Mehrzahl Kitharaspieler seien, die in einem fort in dem Tempel zu ihren Instrumenten den Gott be-sängen und seine Taten verherrlichten.
Sprache hätten die Hyperboreer eine eigene [ἰδίαν τινὰ διάλεκτον], stünden aber den Griechen sehr nahe, vor allem den Athenern und den Deliern, eine Freundschaft, die schon auf die ältesten Zeiten zurückgehe. Auch erzählen sie, einige Griechen seien zu den Hyperboreern gelangt und hätten dort wertvolle Weihegeschenke zurückgelassen, die sie mit griechischer Aufschrift versahen.

Und ebenso soll aus dem Hyperboreerland Abaris nach Griechenland gekommen sein, um mit den Deliern Freundschaft und Blutsbrüderschaft zu erneuern. Der Mond erscheine von jener Insel aus ganz nahe der Erde und man könne bergähnliche Erhebungen auf ihm wahrnehmen.

Wie es heißt, kommt alle 19 Jahre der Gott auf die Insel zurück, in einem Zeitintervall, nach dessen Ablauf die Gestirne wieder ihre gleiche Stellung erreicht haben: Deshalb auch nennen die Griechen einen Zeitraum von 19 Jahren das Jahr des Meton [Μέτωνος ἐνιαυτὸν]. Die Anwesenheit des Gottes aber währe von der Frühlingsgleiche bis zum Anfang der Pleiaden: Während dieser Zeit singe er in einem fort, tanze im Reigen und freue sich des eigenen Wohlbehagens.

Herrscher über die Stadt und zugleich Aufseher über den heiligen Hain seien die sogenannten Boreaden, Nachkommen des Boreas, die die Herrschaft in ihrer Familie weitervererbten.

(II 47)

Befremdlich ist der Hinweis auf den fruchtbaren Boden und das günstige Klima so hoch im Norden; erstaunlich erscheint mir die Aussage über die bergähnlichen Erhebungen auf dem Mond, die doch erst von Galilei entdeckt worden sind.
 
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