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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zenobia #2 (88 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.02.2021 um 18:25 Uhr (Zitieren)
Der Bericht des Trebellius Pollio fährt fort:
Dieses Schreiben bezeugt, welch hohe Meinung Aurelian von Zenobia hegte. Ihre Keuschheit war so groß [cuius ea castitas fuisse dicitur], daß sie selbst mit dem eigenen Mann geschlechtlich nur verkehrte in der Absicht, von ihm zu empfangen. Denn nach jedem Beilager, das sie ihm gewährte, versagte sie sich ihm bis zur Zeit der nächsten Periode, um zu konstatieren, ob sie schwanger sei; nur wenn dies nicht der Fall war, gab sie sich ihm abermals hin in der Hoffnung auf Kindersegen [nam cum semel concubuisset, exspecatis menstruis continebat se, si praegnans esset, sin minus, iterum potestatem quaerendis liberis dabat].
Sie lebte in königlicher Pracht.

Eher nach persischem Brauch ließ sie sich kniefällig begrüßen. Nach persischem Königsbrauch gestaltete sie ihre Tafel. Nach dem Brauch der römischen Kaiser erschien sie zu den Heeresversammlungen im Helm und in Purpur, an dessen unterstem Saum Juwelen hingen, während das Mittelstück wie mit einer Agraffe nach Frauenart mit einem schneckenförmigen Edelstein zusammengehalten wurde; die Arme ließ sie häufig unbedeckt.

Ihre Gesichtsfarbe war bräunlich, die Hautfarbe dunkel; sie hatte ungewöhnlich lebendige schwarze Augen, besaß einen wunderbaren Geist und unglaublichen Charme [spiritus diuini, uenustatis incredibilis]. Ihre Zähne waren so weiß, daß viele sie für Perlen, nicht für gewöhnliche Zähne erklärten. Ihre Stimme klang hell und männlich.

Wo es nottat, war sie streng wie ein Tyrann; wo es die Menschlichkeit erforderte, zeigte sie die Milde eines guten Fürsten [seueritas, ubi necessitas postulabat, tyrannorum, bonorum principum clemetia, ubi pietas requirebat]. Sie wußte mit Bedacht zu spenden, hielt aber ihre Schätze besser zusammen, als von einer Frau zu erwarten stand.

Sie benutzte einen zweirädrigen Wagen, selten einen vierrädrigen, häufiger ritt sie. Es heißt aber, daß sie nicht selten drei oder vier Meilen zu Fuß mit den Fußtruppen zurückgelegt habe.
Der Jagdleidenschaft frönte sie wie ein Spanier [uenata est Hispanorum cupiditate]. Oft trank sie im Kreis ihrer Generäle, während sie im allgemeinen enthaltsam war; sie trank auch Perser und Armenier unter den Tisch [bibit et cum Persis atque Armeniis, ut eos uinceret].

Bei ihren Banketten bediente sie sich goldener, juwelenbesetzter Trinkgefäße, auch solcher, die von Kleopatra stammten. Sie ließ sich von älteren Eunuchen bedienen, kaum je von Mädchen [in ministerio eunuchos grauioris aetatis habuit, puellas nimis raras].

Ihre Söhne hielt sie an, lateinisch zu sprechen, was zur Folge hatte, daß sie griechisch nur mit Mühe und selten sprachen.

Sie selbst verstand nicht gerade viel Latein und sprach es nur schüchtern [pudore cohibito]; dagegen war sie im Ägyptischen perfekt.
In der alexandrinischen und orientalischen Geschichte war sie so bewandert, daß sie einen Auszug daraus verfaßt haben soll; die römische Geschichte hatte sie in griechischer Fassung gelesen.

Als Aurelian sie nach ihrer Gefangennahme vor sich führen ließ und sie mit den Worten anherrschte: „Zenobia, wie konntest du dich nur erdreisten, römischen Kaisern Hohn zu sprechen?“, soll sie gesagt haben: „Dich, den siegreichen, erkenne ich als Kaiser an [Imperatorem te esse cognosco, qui uincis], einen Gallienus und Aureolus aber und die anderen Herrscher habe ich nicht anerkannt. Ich hätte gewünscht, mit Victoria, die ich als mir ebenbürtig erachte, die Herrschaft gemeinsam auszuüben, wäre es räumlich möglich gewesen.“

So wurde sie dann im Triumph aufgeführt mit einem nie zuvor vom römischen Volk gesehenen Gepränge. Zunächst wurde sie mit einer solchen Masse von Juwelen behangen, daß sie unter der Last des Schmuckes fast zusammenbrach.

Das sehr starke Weib soll nämlich immer wieder stehengeblieben sein und erklärt haben, sie vermöge die Last der Juwelen nicht zu tragen.
Überdies trug sie an den Füßen goldene Fesseln und ebensolche auch an den Händen; auch hatte man ihr um den Nacken eine goldene Kette gelegt, an der ein persischer Possenreißer [surra Persicus] sie führte.

<Das Leben> hat Aurelian ihr geschenkt, sie soll danach mit ihren Kindern im Stil einer vornehmen römischen Dame auf einer ihr im Gebiet von Tibur angewiesenen Besitzung, die noch heute ihren Namen trägt, gelebt haben, in der Nähe vom Palast Hadrians und der Örtlichkeit, die Conca heißt.

(30: Zenobia)

Die erwähnte Victoria war eine ebenfalls sehr militärisch gesinnte Usurpatiorin zur Zeit Aurelians.
Re: Zenobia #2
Marcella schrieb am 18.02.2021 um 18:31 Uhr (Zitieren)
Die Dame war ja, wenn man dem Bericht trauen darf, eine Inkarnation von Fürstentugend - bis hin zur vorbildlichen Sauffestigkeit und Jagdleidenschaft.
Re: Zenobia #2
Γραικύλος schrieb am 18.02.2021 um 18:40 Uhr (Zitieren)
Sie hat jedenfalls in der Spätantike einen starken Eindruck hinterlassen - und dem Aurelian einen harten Kampf geliefert.
In den antiken Berichten wird sie oft als Folie für den völlig untauglichen Kaiser Gallienus verwendet: der weibische Mann und die männliche Frau.

Interessant ist für mich auch ihre am Anfang dieses Abschnitts betonte funktionale Auffassung von Sexualität. (Wobei man nicht recht weiß, woher der Verfasser diese Schlafzimmer-Kenntnis bezogen haben mag.)

Es sind sogar bildliche Darstellungen von ihr überliefert: in Form von Porträtbüsten und auf Münzen.
 
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