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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Abenteuer einer Seefahrt #4 (76 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.04.2021 um 00:00 Uhr (Zitieren)
Was die Gefahr uns so nahe rückte, war nichts anderes als der Umstand, daß das Schiff mit vollen Segeln fuhr; sie einzuholen, war nicht möglich, da die Taue in den Flaschenzügen steckenblieben. So lauerte die nicht geringe Furcht für den Fall, daß wir aus dem Sturm entkämen, in diesem Zustand bei Nacht an Land zu stoßen.

Da aber kommt schon der Tag. Wir erblickten die Sonne wohl nie so freudig wie jetzt. Der Wind ließ nach, während die Wärme zunahm, und während die Nässe verging, wurde es unmöglich, die Taue zu gebrauchen und das Segel in Ordnung zu bringen. Ein Ersatzsegel aufzuziehen, war nicht möglich, denn dieses war verpfändet. Wir besserten das alte Segel aus, wie bei den Gewändern den Bausch. Und ehe es vier Stunden waren, landen wir, die den Tod erwartet hatten, an einem ganz öden Ort: keine Stadt, kein Acker in der Nähe, etwa 130 Stadien entfernt vom bebauten Land. Das Schiff lag auf offener See, denn der Platz war kein Hafen, und es schwankte mit nur einem Anker; der zweite war verkauft und einen dritten hatte Amarantos nicht besessen.

Als wir nun die liebe Erde betraten, umarmten wir sie wie unsere leibhaftige Mutter. Wir brachten Gott Dankeshymnen dar, wie wir es gewohnt waren, und fügten dem Gebet auch das eben überstandene Unglück bei, aus dem wir wider Erwarten gerettet waren. Wir blieben zwei Tage am Platz, bis sich das Meer besänftigt hatte.

Da es unmöglich war, einen Weg ausfindig zu machen – denn es war kein Mensch zu sehen –, wagten wir uns wieder auf das Meer. Wir starteten sogleich nach Tagesanbruch und segelten mit Rückenwind den ganzen und den folgenden Tag. Als dieser Tag zur Neige ging, ließ uns der Wind im Stich[,] und wir waren in Not. Wir sollten aber noch Grund haben, die Windstille herbeizusehnen!

Es war der dreizehnte Tag des abnehmenden Mondes. Eine große Gefahr stand bevor, sollte doch die Begegnung der Gestirne (Neumond) zusammenfallen mit den berüchtigten Gefahrenzeiten, an denen noch niemand, wie man sagt, gut davonkam, wenn er zur See fuhr. Während wir im Hafen hätten bleiben sollen, waren wir unversehens auf das Meer hinausgefah-ren.

Der Aufruhr begann mit nördlichen Winden[,] und es regnete viel in der Nacht vor Neumond. Dann tosten die Winde[,] und das Meer geriet in Wallung. Was uns betrifft, so verhielten wir uns so, wie es in dieser Lage zu erwarten ist; ich will nicht dieselben Leiden zweimal erzählen. Was uns zustatten kam, war gerade die Stärke des Sturms. Die Segelstange krachte; wir glaubten, mit den Tauen das Schiff zu straffen, da brach sie in der Mitte[,] und wir waren alle nahe dem Untergang. Da es aber nicht zum Untergang kam, hat gerade dieses Unglück uns gerettet. Denn es gab keine andere Möglichkeit, die Gewalt des Sturms zu ertragen; wieder war das Segel unbändig und ließ sich nicht einholen. So fingen wir wider alles Erwarten die Ungastlichkeit des gewaltigen Sturmes auf und fuhren einen ganzen Tag und die Nacht.

(Joseph Vogt: Begegnung mit Synesios, dem Philosophen, Priester und Feldherrn. Gesammelte Beiträge. Darmstadt 1985, S. 34-43)
 
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