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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Spruch aus dem Kohelet (1263 Aufrufe)
Γραικίσκος schrieb am 16.11.2009 um 17:37 Uhr (Zitieren)
τί τὸ γεγονός; αὐτὸ τὸ γενησόμενον. καὶ τί τὸ πεποιημένον; αὐτὸ τὸ ποιηθησόμενον. καὶ οὐκ ἔστι πᾶν πρόςφατον ὑπὸ τὸν ἥλιον.

(1, 9)

Das ist ja berühmt, enthält aber einige ungewöhnliche Formen.
Stimmt das: "καὶ οὐκ ἔστι πᾶν πρόςφατον ὑπὸ τὸν ἥλιον."?
Ist es nicht vielmehr wahr, was Nietzsche gesagt hat: "Es gibt so viele Morgenröten, die noch nicht geleuchtet haben."? Und ergäbe das einen Sinn, wenn sie nichts Neues brächten?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 16.11.2009 um 17:50 Uhr (Zitieren)
πρόςφατον von πρόςφαινω ? (Partizip)

nichts ... was zum Vorschein gekommen ist ... ?

Hier geht es doch darum, dass alles schon dagewesen ist und nichts wirklich Neues entsteht, oder? Es wandelt sich, bleibt aber immer dasselbe, denke ich.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 16.11.2009 um 17:55 Uhr (Zitieren)
πρόςφατος, ον: frisch, neu
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 16.11.2009 um 18:18 Uhr (Zitieren)

Ich habe das "σ" übersehen , oh , Oh, OH

... ich geh zum Optiker.

In dem Bibelzitat geht es m.E. darum, dass es immer wieder die dieselbe Morgenröte ist:
" (14) Ich habe alles Arbeiten beobachtet, das unter der Sonne betrieben wird, und siehe da: alles war (oder: ist) nichtig und ein Haschen nach Wind."

Da ist kein Übermensch zu erwarten ...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 16.11.2009 um 18:22 Uhr (Zitieren)
Ich übersetze mal versuchsweise:

Was ist das Gewordene? Dasselbe (wie) das, was werden wird.
Was ist das Getane? Dasselbe (wie) das, was getan werden wird.
Und nichts unter der Sonne ist ganz (gänzlich) neu.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 16.11.2009 um 18:25 Uhr (Zitieren)
Der späte, der Übermensch-Nietzsche war vermutlich derselben Meinung: die ewige Wiederkehr des Gleichen.
Mein Zitat ist das Motto seiner frühen Schrift "Morgenröthe".
Vielleicht sieht die Jugend das anders. Aber ich bin nicht mehr jung und kann es dennoch nicht so sehen wie ein Alter.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 16.11.2009 um 18:40 Uhr (Zitieren)
1,17 Als ich mich aber daranmachte, zu erkennen, was Weisheit sei, und zu erkennen, was Torheit und Unverstand sei, da wurde es mir klar, daß auch dies nur ein Haschen nach Wind ist; 18 denn wo viel Weisheit ist, da ist auch viel Verdruß, und mit der Zunahme der Erkenntnis wächst auch der Schmerz (oder: die Enttäuschung).

Das hat wohl eher mit Depressionen zu tun als mit dem Alter. M.E. liegt der Trick im Leben darin, auch mal 5 e gerade sein zu lassen und sich nicht ständig über das Wesen der Welt zu bekümmern.
Solange die Denkbeule noch arbeitet, labt man noch. Einfach das Humorzentrum aktivieren und das Alter konvergiert gegen Null.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
kornelia schrieb am 17.11.2009 um 09:59 Uhr (Zitieren)
Sagt der junge Optimist zum alten Pessimisten:

"Einfach das Humorzentrum aktivieren und das Alter konvergiert gegen Null."

Darauf antwortet der alte Pessimist:

"Das ist nur ja auch nur ein Haschen nach Wind!"
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
kornelia schrieb am 17.11.2009 um 10:01 Uhr (Zitieren)
"Das ist ja auch nur ein Haschen nach Wind!"

(Dieser Fehler hat wohl die ganze Pointe verpatzt! Muss besser aufpassen...)
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 10:25 Uhr (Zitieren)
Wenn Du (gesundet bist und) mal Zeit und Interesse hast, Kornelia: Wir hatten hier mal eine große Pessimismus-Diskussion:
http://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=51#47
(Das ist irgendwo mittendrin - Du müßtest das nach oben rollen.)
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 19:04 Uhr (Zitieren)

Ich fasse mal zusammen, was der Psychologe Martin E. P. Seligman über Optimismus und Pessimismus gesagt hat:

Dauerhaftigkeit: Pessimisten halten die Ursachen für unangenehme Ereignisse, in die sie geraten, für dauerhaft und bleibend, Optimisten dagegen halten die Ursachen für zeitweilig und vorübergehend.

Geltungsbereich:Pessimisten übertragen Fehlschläge, die sie in einem bestimmten Bereich hinnehmen müssen, ins Allgemeine, sie generalisieren, während Optimisten durch einen Fehlschlag in einem bestimmten Bereich andere Bereiche ihres Lebens unbeeinflusst sehen.

Personalisierung.:Pessimisten geben sich selbst die Schuld für Fehlschläge, unangenehme Ereignisse usw. und haben daher eher ein schwaches Selbstwertgefühl. Optimisten suchen die Gründe für Fehlschläge dagegen eher bei anderen Menschen oder den Umständen und haben ein starkes Selbstwertgefühl.

Nach Seligman ist eine optimistische Lebenseinstellung erlernbar. Er sprich auch von der „erlernten Hilflosigkeit“ (vgl. auch Steven F. Maier), dem Phänomen, dass Menschen und Tiere infolge von Erfahrungen der Hilf- oder Machtlosigkeit ihr Verhaltensrepertoire dahingehend einengen, dass sie negative Zustände nicht mehr abstellen, obwohl sie es (von außen betrachtet) könnten.
Die entsprechenden Experimente wurden an Hunden durchgeführt. Fraglich ist, ob sie auf den Menschen einfach übertragbar sind. Allerdings gefällt mir in diesem Zusammenhang das bekannte Lutherzitat : „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen“.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 19:33 Uhr (Zitieren)
Optimismus, der – Doktrin oder Glaube, alles sei schön, einschließlich des Häßlichen; alles gut, vor allem das Schlechte, und alles sei richtig, wie das Falsche. Am zähesten von jenen verteidigt, die am meisten Erfahrung mit dem Mißgeschick widriger Umstände sammeln mußten, und am eindringlichsten dargelegt mit jenem Grinsen, das ein Lächeln nachäfft. Als blinder Glaube ist der O. unzugänglich für das Licht der Widerlegung – eine intellektuelle Störung, die nur durch den Tod heilbar ist. Erblich, aber zum Glück nicht ansteckend.

Optimist, der – Verfechter der Lehre, schwarz sei weiß.
Ein Pessimist wandte sich an Gott um Beistand.
„Aha, du wünschst, daß ich dir Hoffnung und Fröhlichkeit wiedergebe“, sagte Gott.
„Nein“, erwiderte der Bittsteller. „Ich wünsche, daß du etwas erschaffst, wodurch Hoffnung und Fröhlichkeit gerechtfertigt würden.“
„Die Welt ist fertig“, sagte Gott. „Aber du hast etwas übersehen – die Sterblichkeit des Optimisten.“

Pessimismus, der – Philosophie; dem Beobachter aufgezwungen durch die entmutigende Übermacht des Optimisten mit seiner gräßlichen Hoffnung und seinem abstoßenden Lächeln.

(Ambrose Bierce: Das Wörterbuch des Teufels)

Bitte um Entschuldigung, aber das mußte ich als Pessimist loswerden nach alle den Seligman-Gedanken.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 19:36 Uhr (Zitieren)
Und noch ein Zitat - aus der Bergpredigt (oder?): "Selig sind die Hoffnungslosen, denn sie können nicht enttäuscht werden."
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 19:43 Uhr (Zitieren)

Ja, der Bierce hat prima Definitionen ...

Eine noch (weiß nicht von wem):

"Humor ist überwundenes Leid an der Welt."

Reine Definitionssachen heben ja wenig mit persönlichen Haltungen zu tun. Jeder kann sich ändern. Ich bin da ganz optimistisch ...

Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Venus schrieb am 17.11.2009 um 19:46 Uhr (Zitieren)
Gott: „Aber du hast etwas übersehen – die Sterblichkeit des Optimisten.“

:-)

Magst Du (auch) Bierce?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 19:51 Uhr (Zitieren)
Lieber Graeculus,

du müsstest ein glühender buddhistischer Anhänger
Schopenhauers sein: "Alles Leben ist Leiden". Im Grund stimmt das sogar, aber solange das Ergebnis noch nicht eingetreten ist, das unausweichlich ist, finde ich, gibt es keinen Grund, den Weg zu genießen (ohne dabei anderen zu schaden natürlich).
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 19:52 Uhr (Zitieren)

... gibt es keinen Grund, den Weg NICHT zu genießen ...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 19:57 Uhr (Zitieren)
Es gibt keinen Grund für Pessimismus......Der Pessimist macht seinen Pessimismus selbst....das Leben hat sehr viele Dinge, die lebenswert und schön sind.....
Das sage ich immer meinen depressiven Patienten.....und wo findet man das Schöne? Häufig in der Natur, die man wieder erkennen muß...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 19:57 Uhr (Zitieren)
finde ich, gibt es keinen Grund, den Weg zu genießen

Was hätte Freud dazu gesagt?
Du hast doch ein pessimistisches Unbewußtes!

Übrigens stehe ich nahezu andauernd in einer intellektuellen und temperamentmäßigen Auseinandersetzung mit einer hartnäckigen Optimistin. Wir sind uns inzwischen einig, daß beides Lebensstrategien sind, welche Druck mindern. Sie, weil sich ihr alles schön & bunt färbt, ich, weil ich mich vor Enttäuschungen hüte.
Mit viel Humor ertragen wir einander.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:01 Uhr (Zitieren)
und wo findet man das Schöne? Häufig in der Natur

Darauf hat Schopenhauer einmal erwidert: "Zu sehn sind diese Dinge freilich allerliebst; sie zu seyn ist etwas ganz Anderes. Aber ist denn die Welt ein Guckkasten?"
Ringeltauben (sehe ich häufig vor meinem Fenster) zuzuschauen, ist schön; aber eine Ringeltaube zu sein ... ständig ist sie auf der Hut vor Gefahren.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 20:02 Uhr (Zitieren)

Meine Freud`sche Fehlleistung hatte ich unmittelbar korrigiert !!!

Dachte , das reicht, war wohl zu optimistisch ...
;-)
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:03 Uhr (Zitieren)
......wenn ich die Natur oder die Berge sehe, denke ich aber nicht an Schopenhauer, sondern an die Schönheit der Natur...;-)
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:04 Uhr (Zitieren)
Meine Freud`sche Fehlleistung hatte ich unmittelbar korrigiert !!!

Du weißt, daß das nicht zählt bei einer Freudschen Fehlleistung. Wenn einmal die wahren Gedanken zum Vorschwein gekommen sind ...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:09 Uhr (Zitieren)
......wenn ich die Natur oder die Berge sehe, denke ich aber nicht an Schopenhauer, sondern an die Schönheit der Natur...;-)

Ja, das weiß ich. Aber ich sehe immer auch die Angst der Taube. Wir unterscheiden uns - unter anderem - auch durch unseren Blick.

Schopenhauers Blick, also wenn er Phänomene beschreibt, ist sehr faszinierend.

Bei Woody Allen habe ich in einem seiner Filme kürzlich folgenden Dialog gehört:
Sie: "Du denkst immer negativ. Für dich ist das Glas nicht halbvoll, sondern halbleer."
Er: "Nein, auch für mich ist das Glas halbvoll. Voll Zynakali."
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 20:10 Uhr (Zitieren)

Man muss sich nur Lebensziele setzen, dann wird sogar das Schlimmste erträglich:

Kohn, der alte Kaufmann, steht an der Pforte des Todes und die Familie hat sich um ihn versammelt.
"Sarah, mein Weib, bist du hier en meinem Bett?"
"Ja, mein lieber <Mann, ntürlich bin ich hier.""David, mein Ältester, bist du auch hier?"
"Ja, Papa."
"Und Rachel, meine Tochter, bist du auch hier?"
"Ja, Vater, ich stehe am Fußende."
"Und Samuel, mein Jüngster, auch Du?"
"Ja, Papi, schluchtzt Samuel."

"S0, , sagt der Kaufmann, und wer ist im Geschäft?"

Man muss Prioritäten setzen .. :-)
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:11 Uhr (Zitieren)
Von meinen depressiven Patienten denkt keiner philosophisch, sondern sie gewinnen aus der Schönheit und Beobachtung der Natur wieder Lebensfreude, wenn sie Blumen, Berge, Tiere usw. erkennen und als schön empfinden....das ist ein Therapieprinzip, das erfolgreich ist..
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:18 Uhr (Zitieren)
...eine Kollegin von mir (Ärztin für Psychotherapie) macht sogar Exkursionen und Wanderungen mit ihren Patienten bei uns in den nahegelegenen Bergen...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:22 Uhr (Zitieren)
Depression ist eine schwere Krankheit. Ich habe (erschreckend) viele depressive Schüler.
Das ist nicht dasselbe wie Pessimismus - auch wenn Ihr das zu glauben scheint. Ich bin nicht depressiv. Und für die Therapie von Depressiven möchte ich hier auch keinerlei Ratschläge geben - dem Fachmann schon gar nicht.

Ihr wißt es übrigens alle, daß die griechische Kultur einen deutlich pessimistischen Einschlag hat. Aber Sophokles, Platon usw. usw. sind nicht klinisch depressiv.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:25 Uhr (Zitieren)
...eine Kollegin von mir (Ärztin für Psychotherapie) macht sogar Exkursionen und Wanderungen mit ihren Patienten bei uns in den nahegelegenen Bergen...

Medizinisch finde ich das erstaunlich. (Und ich habe als Laie immer noch keine Neigung, dem Fachmann therapeutische Ratschläge zu geben.) Aber die erwähnten Schüler kommen durchweg in eine Klinik und werden dort medikamentös 'eingestellt'. Was in vielen Fällen hilft.
So hätte es ja auch bei Robert Enke sein sollen, der sich aber nicht einweisen lassen wollte.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:27 Uhr (Zitieren)
Aber Sophokles, Platon usw. usw. sind nicht klinisch depressiv.

Weißt du das ?
Die Quote der latenten Depressionen wird sehr hoch geschätzt (bis zu 20%) , die nicht klinisch "auffällig" werden.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 20:33 Uhr (Zitieren)

Pessimismus ist m.E. nur eine Vermeidungsstrategie,
Enttäuschungen auszuschließen. Kontrollierte Hoffnung.
Depression ist dagegen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt, da hat man die Phase der Enttäuschung lange hinter sich.
Scheinbar optimistische Menschen, die ich kenne , leiden auch an Depressionen - zumindest vorübergehend. Das ist wirklich ein schlimme Krankheit.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:33 Uhr (Zitieren)
Wenn Du mich so fragst ...
Gibt es Depressive, die zu einem hohen Maß an kreativer Arbeit fähig sind und ein umfangreiches Werk schaffen? So wie es mir begegnet, erlebe ich es als beinahe vollständige Handlungslähmung.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:35 Uhr (Zitieren)
Vollständige Handlungslähmung ist nur bei schwerer Depression existent.
Latente Depression heißt ja gerade, daß die Leute noch "nach außen funktionieren" ...siehe Robert Enke
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:40 Uhr (Zitieren)
Das sehe ich ein. Und weil die Leute "noch nach außen funktionieren", erkennt man es als Laie nicht.

Und Du vermutest, daß hinter Pessimismus eine latente Depression liegt resp. liegen kann?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:41 Uhr (Zitieren)
kann, aber muß nicht sein....nur Optimisten haben es einfach leichter, weil sie auch in Schicksalschlägen oft das Positive "eher" sehen.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 20:42 Uhr (Zitieren)

Übrigens finde ich die Sache mit Robert Enke auch traurig.

Aber den Kult darum (das meine ich nicht abwertend !) , verstehe ich nicht !

Treffen uns Schicksale von Menschen der Unterhaltungsindustrie (hier: Fußball) mehr, als andere ?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:46 Uhr (Zitieren)
Haben nicht auch Pessimisten es leichter, insofern sie sich vor zu hohen Erwartungen (--> Enttäuschungen) hüten? Bei Optimisten habe ich immer den Eindruck, daß für sie einmal die Stunde der Wahrheit - spätestens im Tod - kommen wird. Und zu metaphysischen Hoffnungen, die dann leicht zu Hilfe genommen werden, neigen wir hier ja nicht.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 20:47 Uhr (Zitieren)
In oder trotz Schicksalsschlägen?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:49 Uhr (Zitieren)
Das verstehe ich nicht, Ὑληβάτης. Worauf soll sich das beziehen? Auf Pessimismus, Optimismus, metaphysische Hoffnungen?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:50 Uhr (Zitieren)
Als Optimist kann man sich auch vor zu hohen Erwartungen hüten, da Optimist ja nicht "überschwänglich" heißt.....
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 20:51 Uhr (Zitieren)
Ich bin ein bisschen langsam!
nur Optimisten haben es einfach leichter, weil sie auch in Schicksalschlägen oft das Positive "eher" sehen

Bei Schlägen welcher Art auch immer bin ich z.B. eher der Fatalist, meine Frau aber hat immer die besten Ideen und hebt mich aus kleinen und großen Löchern heraus.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:52 Uhr (Zitieren)
@Ὑληβάτης:
Genau das ist, was ich meine...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 20:54 Uhr (Zitieren)
In und trotz, also.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 20:54 Uhr (Zitieren)
Ja...:-)
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 20:55 Uhr (Zitieren)

Keiner ist reiner Optimist oder Pessimist ! - glaube ich. Nur eine Tendenz.

Als Apollo 13 meldete "Houston , wir haben ein Problem" (und das war stark untertrieben), war die Antwort NICHT: wir werden für euch beten.

Das hätte zwar sicher nicht geschadet - aber nicht gereicht.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:57 Uhr (Zitieren)
Ist das dann vielleicht einfach ... Glück?

Im Freundeskreis habe ich es jetzt erlebt, daß eine Frau ihrem Mann sechs Wochen nach der Hochzeit beim Frühstück eröffnet hat, daß sie ihn wegen eines anderen Mannes verlassen werde. Aus (scheinbar) heiterem Himmel. Dabei kannte sie den anderen Mann bereits vor der Hochzeit.
Dieser Mann - mein Freund, nicht "der andere" - hatte sich auf seine Frau verlassen. Nun holt sie ihn nicht aus dem Loch, sondern stürzt ihn hinein.

Aber ich ahne schon, was Ihr Optimisten darauf antworten werdet ...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 20:59 Uhr (Zitieren)
Mein Beitrag bezieht sich nicht auf Apollo 13, sondern auf Ὑληβάτης; es geht hier etwas schnell heute abend.

Schade, daß Sokrates nicht mitdiskutiert!
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 21:01 Uhr (Zitieren)
@ανδρέας:
Ja, sie hätten nicht überlebt, wenn sie "zu" pessimistisch" gewesen wären. Sie waren in dem Sinne Optimisten..
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 21:02 Uhr (Zitieren)
Glück im Sinne von "Glück haben", meinst Du.
Während Dein Freund Pech hatte. Frauen sind wie jedes Ereignis ... Schicksal.
Das klingt pessimistisch, ist es aber nicht. Vielleicht fatalistisch. Frauen und andere Menschen tun einfach, was sie für richtig halten. Das kann wünschenswerte und weniger wünschenswerte Wirkungen auf den einzelnen haben.
Ich bin mir sicher, dass es eine philosophische Betrachtung zu "Glück/Pech" gibt, oder?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 21:04 Uhr (Zitieren)
Bezogen auf mich? - Dass ich Glück mit meiner Frau habe? Klar!
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 21:07 Uhr (Zitieren)
Bezogen auf mich? - Dass ich Glück mit meiner Frau habe? Klar!

Wenn ich Glück habe, können wir an dieses Gespräch in 20 Jahren einmal anknüpfen.
Es ist ja auch eine griechische Weisheit, daß man niemanden vor seinem Tode glücklich preisen solle.

Wie ungriechisch Ihr seid, Ihr Philhellenen! Das muß ich jetzt wirklich einmal loswerden.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 21:11 Uhr (Zitieren)

Ltzte Woche hat mich (natürlich im Auto sitzend, Anmerkung für Germanisten) ein LKW von links kommend gerammt - das war Pech.
Keiner verletzt - das war Glück.
Der LKW-Fahrer und ich haben dann auf die Polizei gewartet und uns nett unterhalten (ich musste ihn ein wenig trösten, denn er war eindeutig schuld). Dabei haben wir den Regen ganz vergessen. Meine Erkältung ist auch schon weg.
Nur das Auto bekomme ich erst in 2 Tagen.
Aber welch ein Glück: die Stelle, die demoliert worden war, hatte vorher schon eine kleine Beule - die wird jetz auch beseitigt sein - so ein GLÜCK !!!
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 21:11 Uhr (Zitieren)
ἀγαθοὶ οἱ δύο ὑπὲρ τὸν ἕνα, οἷς ἐστὶν αὐτοῖς μισθὸς ἀγαθὸς ἐν μόχθῳ αὐτῶν.

(Kohelet 4, 9)

Das werde ich meinem Freund, der durchaus Griechisch kann, besser nicht sagen.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 21:11 Uhr (Zitieren)
Philhellenen sind keine Hellenen!
Aber ja, da bin ich ungriechisch. Oder: Ich nehme meine Menschlichkeit in Anspruch und urteile jetzt über das, was ich jetzt habe und tue - natürlich mit dem Wissen, dass die Zukunft im Verborgenen liegt und jeder Schritt ein Irrtum sein kann.
Bin ich griechischer, wenn ich diese menschliche Perspektive einnehme und für mich voll ausschöpfe?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 21:13 Uhr (Zitieren)
Die Griechen waren durchaus optimistisch gestimmt....wir dürfen nicht nur "das Geschriebene" der Intellektuellen sehen...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 21:14 Uhr (Zitieren)
Ich wieder, Γραικίσκος? Ich glaube, ich muss bald ins Bett, weil ich so etwas wie ein Brett vor dem Kopf habe.

ανδρέας, ich klopfe Dir virtuell aufmunternd auf die Schulter.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 21:14 Uhr (Zitieren)
....wir können uns persönlich auch nicht nur durch die Literatur bestimmen.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 21:15 Uhr (Zitieren)
Ich nehme meine Menschlichkeit in Anspruch und urteile jetzt über das, was ich jetzt habe und tue - natürlich mit dem Wissen, dass die Zukunft im Verborgenen liegt und jeder Schritt ein Irrtum sein kann.

Das ist ... realistisch, oder? So etwas zwischen Optimismus und Pessimismus, schätze ich. Und etwas, worauf wir uns wohl schlußendlich einigen könnten.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 21:16 Uhr (Zitieren)
Nein, nein, Ὑληβάτης. Mit 'meinem Freund' meinte ich den, über den ich oben geschrieben habe.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 21:16 Uhr (Zitieren)
Tertiumne datum est?
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 21:17 Uhr (Zitieren)
Ich verstehe.

...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 21:19 Uhr (Zitieren)

Verwechseln wir nicht einfach nur den griechischen Pessimismus in der Literatur mit mit dem Bestreben, Oberflächlichkeit zu hinterfragen?

Da hat Aristoteles bei Alexander sicher versagt ...
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 21:21 Uhr (Zitieren)
...

Die Kunst spiegelt in Wahrheit den Betrachter ...

Vielleicht auch die Griechen, als "Kunst", bzw. "aus der Literatur".
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 21:21 Uhr (Zitieren)
Nun haben wir einen Andreas, der Riesenglück gehabt hat, einen Mann (Freundvon mir), der in einem tiefen Loch sitzt, und haben uns auf eine realistische Einstellung geeinigt. Für heute abend.
Das ist doch etwas, womit wir schlafen gehen können ... nachdem wir das "Abendlied" von Matthias Claudius bis zum Ende gesungen und "unseres kranken Nachbarn auch" gedacht haben.
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Ὑληβάτης schrieb am 17.11.2009 um 21:24 Uhr (Zitieren)
Das ist ein guter Abschluss. Ich muss jetzt sowieso "weg". Schönen Abend noch. (ein optimistischer Wunsch)
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
ανδρέας schrieb am 17.11.2009 um 21:25 Uhr (Zitieren)

... kalt weht der Abendhauch ..."

Aber nur draußen !

Gute Nacht !
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 17.11.2009 um 21:26 Uhr (Zitieren)
Ich auch...Gute Nacht ....und optimistische Einstellung ist gefragt :-)
(Meine Patienten wollen ja auch keinen pessimistischen Arzt :-)
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 17.11.2009 um 22:14 Uhr (Zitieren)
Hier noch eines der berühmten letzten Worte:

"Denkt daran, daß wir dem Asklepios noch einen Hahn schulden! Opfert ihm den und vergeßt es nicht!"
Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
kornelia schrieb am 18.11.2009 um 10:13 Uhr (Zitieren)
Wozu der Hahn aber krähte:
"Sokrates glaubte nicht an Aeskulap, noch war er imstande, eine Fliege zu töten und noch weniger einen Hahn, um dem Pöbel seinen Spaß zu bieten.“


Re: Ein Spruch aus dem Kohelet
Γραικίσκος schrieb am 18.11.2009 um 15:40 Uhr (Zitieren)
Das stimmt, Kornelia. Was Sokrates eigentlich damit sagen wollte, ist etwas anderes:
1. Das Leben ist eine Krankheit.
2. der Tod ist die Heilung dieser Krankheit.

3. Dafür schulde ich, Sokrates, dem Asklepios ein Dankopfer.
4. Als Toter kann ich das nicht mehr tun; also tut Ihr es für mich.

Sokrates war ein überaus pfiffiger Kommunikator, und ich bin überzeugt, daß seine versteckte Botschaft in den Sätzen 1 & 2 enthalten ist. 3 & 4 buche ich eher unter sokratische Ironie.
 
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