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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Harmodios und Aristogeiton (480 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.06.2021 um 14:09 Uhr (Zitieren)
Die bekannte Geschichte der beiden Tyrannenmörder findet sich am ausführlichsten geschildert bei Aristoteles, Der Staat der Athener (18).
Die Berichte bei Herodot und Thukydides fallen demgegenüber etwas ab.
Die Staatsgeschäfte führten [sc. nach dem Tode des Peisistratos] aufgrund ihres Ranges und ihres Alters [sc. seine Söhne] Hipparchos und Hippias, aber da Hippias älter, von Natur aus politisch begabt und vernünftig war, leitete er die Regierung.

Hipparchos dagegen war vergnügungssüchtig, zu Liebschaften geneigt und kunstinteressiert; er war es auch, der Anakreon, Simonides und die anderen Dichter (nach Athen) einlud.

Thettalos aber war viel jünger und in seiner Lebensart übermütig und arrogant, und durch sein Benehmen geschah es, daß die Ursache aller Übel entstand, die ihnen zustießen. Er verliebte sich nämlich in Harmodios; als es aber nicht ge-lang, dessen Liebe zu gewinnen, unterdrückte er seine Wut nicht, sondern zeigte sie bei anderen Gelegenheiten und hinderte schließlich Harmodios‘ Schwester, die einen Korb im Festzug der Panathenäen tragen sollte, an dieser Aufgabe, wobei er den Harmodios beschimpfte, er sei weibisch; daraus ergab es sich, daß Harmodios und Aristogeiton sich dazu veranlaßt sahen, ihr Attentat zu verüben, an dem sich viele (andere) beteiligten.

Als sie bei den Panathenäen dem Hippias auf der Akropolis schon auflauerten – denn dieser sollte den Festzug empfangen, den Hipparchos in Gang setzen sollte –, sahen sie einen der Mitverschworenen mit Hippias freundlich reden und glaubten, er verrate (die Sache); da sie doch noch etwas erreichen wollten, bevor sie ergriffen würden, liefen sie herab, stürmten vor den Priestern (aus der Menge) heraus und brachten Hipparchos um, gerade als er den Festzug am Leokoreion ordnete; sie machten (dadurch) jedoch das ganze Attentat zunichte.

Von den beiden Führern fand Harmodios sofort durch die Leibwache (des Hipparchos) den Tod, Aristogeiton aber (starb) später, und zwar nachdem er gefangen und lange Zeit gefoltert worden war. Er klagte während seiner Folterung viele an, die durch ihre Abstammung zu den führenden Bürgern zählten und auf Freunde der Tyrannen waren; denn man konnte zunächst vom Attentat keine Spur finden, im Gegenteil, die allgemein verbreitete Geschichte, Hippias habe die Teilnehmer des Festzuges entwaffnet und dadurch diejenigen ertappt, welche die Dolche hatten, ist nicht wahr; denn damals nahm man nicht mit Waffen am Festzug teil, vielmehr führte das Volk diesen Brauch erst später ein.

Er (Aristogeiton) denunzierte aber die Freunde des Tyrannen, wie die Anhänger der Volkspartei berichten, absichtlich, damit sie freveln und dadurch schwächer werden sollten, wenn sie die Unschuldigen, die auch ihre Anhänger waren, umbrächten; aber andere sagen, er habe nicht hinterhältig gesprochen, sondern vielmehr versucht, die Mitwisser des Attentats zu entlarven.

Und schließlich, als er trotz allen Bemühens seine Hinrichtung nicht erreichen konnte, versprach er, er werde viele andere verraten, und überredete den Hippias, ihm als Vertrauensbeweis die rechte Hand zu geben. Als er sie gefaßt hatte, schmähte er ihn, daß er dem Mörder seines Bruders die Rechte gegeben habe, und reizte (dadurch) den Hippias dermaßen, daß dieser sich vor Wut nicht mehr zurückhalten konnte, sondern sein Schwert zog und ihn tötete.

(Aristoteles: Der Staat der Athener. Hrsg. v. Mortimer Chambers. Darmstadt 1990, S. 26 f.)
 
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