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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Shame and Scandal in the Family #4 (218 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.07.2021 um 13:59 Uhr (Zitieren)
Parthenios, Liebesleiden 11, 1-4
BYBLIS

Über Kaunos und Byblis [Βυβλίς], die Kinder des Miletos, wird unterschiedlich erzählt. Nikainetos nämlich sagt, Kaunos habe seine Schwester geliebt und – weil sein Leiden nicht nachließ – das Haus verlassen; nach langer Wanderung habe er weit entfernt von der Heimat eine Stadt (namens Kaunos) gegründet und darin die seinerzeit noch verstreut wohnenden Ionier angesiedelt.

Dies erzählt er mit folgenden Versen:

Er aber machte sich auf und gründet‘ die Stadt Oikusion,
wählte zur Frau sich Tragasia, Kelaineus‘ Tochter,
die ihm den Kaunos gebar, der stets die Gesetze wahrte,
und eine Tochter, dem schlanken Wacholder ganz ähnlich, Byblis,
für die dann Kaunos unweigerlich brannte, von Liebe bezwungen,
[...]
wandte Pherendios fliehend zum hangreichen Kypros sodann,
und ins waldige Kapros, zu Kariens heiligen Bädern
[...]
gründete dort sodann als erster der Ioner ein Städtchen.
Sie nun, Byblis, die Schwester, der Nachtigall ähnlich im Unglück,
beklagte fern vor den Toren der Stadt die Reise des Kaunos.

Die Mehrzahl hingegen berichtet, Byblis habe den Kaunos geliebt, zu ihm von ihrer Liebe gesprochen und ihn gebeten, nicht zuzusehen, wie sie ganz ins Unheil gerate [οἱ δὲ πλείους τὴν Βυβλίδα φασὶν ἐρασθεῖσαν τοῦ Καύνου λόγους αὐτῷ προσφέρειν καὶ δεῖσθαι μὴ περιιδεῖν αὐτὴν εἰς πᾶν κακὸν προελθοῦσαν]. Kaunos aber sei darüber so entsetzt gewesen, daß er in das seinerzeit im Besitz der Leleger befindliche Gebiet ausgewandert sei, wo die Quelle Echeneïs fließt, und habe hier die nach ihm genannte Stadt Kaunos gegründet. Byblis aber habe, da ihr Leiden nicht nachließ und sie sich als Ursache für die Auswanderung des Kaunos ansah, ihre Kopfbinde an eine Eiche geknüpft und sich erhängt.

Auch bei uns wird es so erzählt:

Als sie den Willen des unheilstiftenden Bruders erkannte,
klagte sie heftiger noch als Nachtigallen im Walde
um den sithonischen Knaben tausendfach jammern.
Und sie umschlang einen rohen Zweig sogleich mit der Binde,
legte den Hals hinein – so starb sie. Vor Trauer
rissen milesische Jungfrau’n die kostbaren Kleider in Stücke.

Einige erzählen auch, aus den Tränen sei die nie versiegende Quelle entstanden, die Byblis genannt wird.

 
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