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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Pausanias über die Knabenliebe (89 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 13.10.2021 um 00:17 Uhr (Zitieren)
Platon, Symposion 182a-183d:
[...] Was nun aber eigentlich Sitte ist in bezug auf die Liebe [περὶ τὸν ἔρωτα], ist in anderen Staaten wohl gar sehr leicht zu erkennen; denn ganz einfach ist es bestimmt, die hiesige aber schwierig und verwickelt. In Elis nämlich und in Lakedaimon und unter den Böotern und wo sonst man nicht geschickt ist im Reden, da ist es schlechthin zur Sitte geworden, daß man für schön hält, zu willfahren den Liebhabern [ἁπλῶς νενομοθέτηται καλὸν χαρίζεσθαι ἐρασταῖς], und keiner, weder jung noch alt, wird sagen, es sei schändlich, damit sie, meine ich, nicht erst Mühe haben, wenn sie versuchen müßten, durch Reden die Jünglinge zu bewegen, weil sie nämlich unvermögend sind zu reden.

In Ionien aber und sonst an vielen Orten erklärt es die Sitte für schändlich [αἰσχρὸν νενόμισται], wo man nämlich unter Barbaren wohnt. Denn den Barbaren gilt der unumschränkten Gewalt wegen dies für schändlich, wie auch die Lust zur Wissenschaft und zu den Leibesübungen [φιλογυμναστία]. Denn den Herrschenden, meine ich, ist es nicht zuträglich, daß große Einsichten sich unter den Beherrschten hervortun noch auch starke Freundschaften und Verbindungen, was doch vornehmlich sowohl durch jenes andere alles als auch durch die Liebe gebildet zu werden pflegt. Durch die Tat aber haben dies auch die hiesigen Tyrannen erfahren; denn die Liebe des Aristogeiton und die feste Freundschaft des Harmodios zerstörten ihre Herrschaft. (1)

Also, wo es für schändlich geachtet ist, den Liebhabern zu willfahren, da besteht diese Sitte durch Schlechtigkeit derer, welche sie aufgestellt, nämlich durch der Herrschenden Begehrlichkeit [πλεονεξία] und der Beherrschten Unmännlichkeit [ἀνανδρία]; wo es aber schlechthin als schön festgestellt ist, da durch die Trägheit der Seele derer, welche sie aufgestellt.

Hier aber [sc. in Athen] ist eine weit schönere Sitte als jene eingeführt, nur die, wie ich sagte, nicht leicht zu verstehen ist. Denn bedenkt einer, daß gesagt wird, es sei schöner, offen zu lieben als verstohlen, und zwar vorzüglich die Edelsten und Besten, wären sie auch minder schön als andere, und was für sonderliche Aufmunterung dem Liebenden von allen widerfährt, gar nicht, als ob er etwas Schändliches täte; und daß, den Geliebten zu gewinnen, für schön gehalten wird, ihn nicht zu gewinnen aber für schimpflich, und daß, um den Versuch zu machen, ob er ihn gewinnen könne, die Sitte dem Liebhaber freigestellt hat, gar vielerlei verwunderliche Dinge zu unternehmen und dafür gelobt zu werden, wofür, wenn jemand wagen wollte, sie zu tun, indem er sonst irgend etwas verfolgte und erreichen wollte als nur dieses, er den schärfsten Tadel der Philosophie ernten würde; denn wer etwa, um Geld von jemand zu bekommen oder zu einem Amt und sonstiger Gewalt [δύναμις] zu gelangen, das tun wollte, was Liebhaber ihren Lieblingen [οἱ ἐρασται πρὸς τὰ παιδικά] tun, mit demütig flehenden Stellungen und Gebärden bitten, Eide schwören, sich vor die Tür lagern und freiwillig Dienstleistungen verrichten, wie sie nicht einmal ein Knecht [δοῦλος] verrichtet, so würde er gehindert werden, die Sache so zu betreiben, von Freunden und Feinden, indem diese ihm Schmeichelei und Niedrigkeit vorwerfen, jene ihn zurechtweisen und sich darüber schämen würden; dem Liebenden aber, wenn er all dies tut, wird es gutgeheißen, und es ist ihm herkömmlich zugestanden, dies ohne Schande zu tun, weil er nämlich eine gar herrliche Sache betreibe.

Ja, das stärkste ist, wie man doch allgemein sagt, daß auch, wenn er geschworen hat, für ihn allein Verzeihung bei den Göttern ist, wenn er den Schwur bricht; denn ein Liebesschwur, sagen sie, sei keiner [ἀφροδίσιον γὰρ ὅρκον οὔ φασιν εἶναι].

So haben sowohl Götter als auch Menschen dem Liebenden gar viele Freiheit gestattet, wie die hiesige Sitte besagt. Hiernach nun sollte man glauben, es gelte in dieser Stadt für etwas gar Schönes, sowohl zu lieben als auch den Liebha-bern Freund zu werden.

Wenn aber wiederum die Väter [οἱ πατέρες] Aufseher [παιδαγωγούς] bestellen für die Geliebten, um nicht zuzugeben, daß sie sich mit ihren Liebhabern unterhalten, und dem Aufseher gerade dies vorzüglich aufgetragen wird, ja auch die Gespielen und anderes es ihnen zum Vorwurf machen, wenn sie sehen, daß so etwas geschieht, und die Älteren diesen Vorwürfen nicht Einhalt tun noch sie dafür schelten, als täten sie Unrecht daran, auf dieses also wiederum sehend sollte man im Gegenteil glauben, daß eben dies hier für das Schändlichste gelte.

(1) Der Umsturzversuch und Tyrannenmord des Jahres 514 v.u.Z. wird auch bei Thukydides VI 54, 2 f. auf das Liebesverhältnis zwischen Harmodios und Aristogeiton zurückgeführt.

Daß es einen Zusammenhang gebe zwischen Knabenliebe und Freiheitsbewußtsein, ist ein bemerkenswerte These und macht den (in damaliger Sicht) pädagogischen Aspekt der Sache deutlich.
 
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