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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Tsunami im Mittelmeer (97 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.11.2021 um 14:45 Uhr (Zitieren)
Über das Erdbeben und den folgenen Tsunami am 21. Juli 365 (mit Apollonia auf Kreta als Epizentrum) berichtet Ammianus Marcellinus XXVI 10, 15-19:
Als der Aufrührer (1) noch am Leben war, dessen viele Taten und dessen Untergang ich beschrieben habe, verbreiteten sich am 21. Juli des Jahres, in dem Valentinian und Valens zum erstenmal das Konsulat bekleideten, furchtbare Schrecken plötzlich über die ganze Weite des Erdkreises [horrendi terrores per omnem orbis ambitum grassati sunt subito], wie sie uns weder die fabelhaften noch die zuverlässigen Überlieferungen des Altertums berichten [quales nec fabulae nec ueridicae nobis antiquitates exponunt].

Kurz nach Sonnenaufgang folgten sich heftig zuckende Blitze Schlag auf Schlag, die ganze Erde, so fest sie auch sein mag, begann zu zittern und wurde erschüttert, und das Meer teilte sich und trat mit rückwärts strömenden Fluten zurück. Der Schlund der Tiefe öffnete sich; die vielgestaltigen Arten der Meerestiere wurden, im Schlamm zappelnd, sichtbar, und die weiten Täler und Höhen, die die Natur bei ihrer Entstehung unter unermeßlichen Fluten verborgen hat, wurden damals, wie man glauben darf, den Sonnenstrahlen zugänglich.

Viele Schiffe waren daher wie auf trockenem Boden gestrandet, und eine Menge Menschen lief ohne Scheu zwischen den kleinen zurückgebliebenen Tümpeln umher, um Fische und ähnliches Getier mit den Händen einzusammeln. Da erhoben sich die Meereswogen wie im Zorn über den erzwungenen Rückzug in umgekehrter Richtung [marini fremitus uelut grauati repulsam uersa uice consurgunt], brachen durch die brodelnden Untiefen über Inseln und weit ausgedehnte Strecken des Festlandes mit Gewalt herein und machten unzählige Gebäude in den Städten, und wo sie sonst zu finden waren, dem Erdboden gleich. So bot die äußere Erscheinung der Welt, die durch das Wüten der Elemente verändert war, merkwürdige Anblicke dar.

Als niemand das Zurückfluten der Wassermassen erwartete, töteten und verschlangen sie viele tausend Menschen. Bei dem heftigen Strudel der zurückbrandenden Fluten sanken manche Schiffe, wie man später sah, als sich die Brandung des stürmischen Elements gelegt hatte, und die beim Schiffbruch entseelten Seeleute lagen auf dem Rücken oder mit dem Gesicht nach unten am Strand.

Andere, sehr große Schiffe, wurden von den wütenden Böen davongerissen und landeten hoch oben auf den Dächern, wie es in Alexandrien der Fall war; einige wurden fast zwei Meilen weit vom Strand fortgespült, wie ich auf einer Reise in der Nähe der Stadt Mothone (2) ein lakonisches Schiff selbst gesehen habe, das hier im Laufe der Jahre verfault und zerfällt.

(Ammianus Marcellinus: Römische Geschichte. Herausgegeben von Wolfgang Seyfarth. 4 Teile, Darmstadt 1970; Teil 4, S. 48-51)

(1) Prokop gegen die Kaiser Valentinian I. und seinen Bruder Valens
(2) Stadt in Messenien
Re: Tsunami im Mittelmeer
Γραικύλος schrieb am 23.11.2021 um 15:37 Uhr (Zitieren)
 
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