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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das erotische Theater des Dionysos (490 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.02.2022 um 14:40 Uhr (Zitieren)
Xenophon, Symposion 9:
Damit endigte diese Unterhaltung. Autolykos aber stand auf, denn es war für ihn die Zeit, seinen Spaziergang zu machen. Auch sein Vater Lykos ging mit ihm hinaus, er drehte sich aber um und meinte: „Bei der Hera, mein lieber Sokrates, du scheinst ein sehr wackerer, tüchtiger Mensch zu sein.“

Darauf wurde zuerst ein Sessel hereingestellt. Dann kam auch der Syrakusier herein und sagte: „Meine Herren [Ὦ ἄνδρες], Ariadne wird in ihrem und des Dionysos Schlafgemach auftreten. Dann kommt Dionysos, der sich bei den Göttern leicht angetrunken hat [ὑποπεπωκὼς παρὰ θεοῖς], und tritt zu ihr. Darauf werden sie einander liebkosen.“

Zuerst erschien Ariadne, als Braut kostümiert, und setzte sich auf den Sessel. Obwohl aber Dionysos noch nicht auftrat, wurde der bakchische Rhythmus auf der Flöte gespielt. Da mußten sie nun den Tanzmeister bewundern. Sobald nämlich Ariadne diese Musik hörte, benahm sie sich so, daß jeder erkannte, sie höre es gern. Sie ging nicht entgegen und stand auch nicht auf, aber man merkte deutlich, daß sie sich nur mit Mühe ruhig verhielt.

Dann erschien Dionysos, und als er sie erblickte, tanzte er mit dem Ausdruck der zärtlichsten Zuneigung auf sie zu, setzte sich auf ihren Schoß, umfing sie und küßte sie. Sie schien sich zu zieren, aber dann umfaßte sie ihn ebenfalls zärtlich.

Als die Tischgenossen das sahen, klatschten sie sofort Beifall. Zugleich aber riefen sie: „Noch einmal [Αὖθις]!“ Als aber Dionysos aufstand und Ariadne mit sich aufhob, da konnte man erst recht aus ihrer Stellung sehen, daß sie sich küßten und lieb hatten. Als sie aber sahen, daß Dionysos schön und Ariadne reizend war und daß sie nicht Theater spielten [οὐ σκώπτοντας], sondern sich in Wirklichkeit auf den Mund küßten, da schauten sie mit größter Spannung zu.

Denn sie hörten auch, wie Dionysos sie fragte, ob sie ihn liebe, und wie sie darauf einen Eid schwur, so daß nicht nur Dionysos, sondern auch die Anwesenden hätten mitschwören mögen, daß der Knabe und das Mädchen einander wirklich und wahrhaftig liebten. Denn es sah nicht so aus, als wenn sie diese Stellungen gelernt hätten, sondern als wenn ihnen aufgetragen sei, das zu tun, was sie schon seit langem ersehnt hatten.

Als die Teilnehmer sahen, wie sie dann, sich umschlungen haltend, als wenn sie zu Bett gingen, abtraten, da schwuren die Unverheirateten, sie wollten heiraten, die Verheirateten aber sprangen auf und eilten zu ihren Pferden, um zu ihren Frauen zu kommen.

Sokrates aber, und wer sonst von den Gästen noch dageblieben war, gingen mit Kallias dem Lykos und seinem Sohn nach, um mit ihnen spazieren zu gehen. So löste sich damals das Symposion auf.

(Xenophon: Die sokratischen Schriften. Hrsg. v. Ernst Bux. Stuttgart 1956, S. 230 f.)
 
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