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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Arion und der Delphin (81 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.05.2022 um 13:39 Uhr (Zitieren)
Herodot I 23 f.:
Periandros [...] war der Sohn des Kypselos. Periandros herrschte über Korinth. Die Korinther erzählen – und die Lesbier bestätigen die Geschichte -, daß er das seltsamste Erlebnis in seinem Leben gehabt habe: Es handelte sich um Arion von Methymna, der von einem Delphin über das Meer nach Tainaron getragen wurde. Arion war damals der berühmteste Sänger und Zitherspieler, der als erster von den uns bekann-ten Menschen einen Dithyrambus dichtete, ihn benannte und in Korinth zur Aufführung brachte.

Als dieser Arion recht lange bei Periandros verweilt hatte, wollte er – so erzählt man – nach Italien und Sizilien fahren und wieder nach Korinth zurückkehren, wenn er dort große Reichtümer verdient habe. Er brach also von Tarent auf und mietete sich ein Fahrzeug mit korinthischen Matrosen, weil er den Korinthern am meisten vertraute.

Die Matrosen verschworen sich auf hoher See gegen ihn und planten, Arion über Bord zu werfen und seine Schätze zu behalten. Arion bemerkte dies und flehte sie an, ihm nur das Leben zu lassen; die Schätze wolle er ihnen gern geben. Er konnte sie aber nicht umstimmen; vielmehr befahlen ihm die Seeleute, sich selbst das Leben zu nehmen, damit man ihn an Land bringen und bestatten könne; oder er sollte möglichst schnell ins Meer springen.

In seiner Verzweiflung bat Arion um die Erlaubnis, nachdem sie einmal den Entschluß gefaßt hätten, in vollem Schmuck auf die Bänke am Heck zu treten und noch einmal singen zu dürfen. Er versprach, nach seinem Gesang sich das Le-ben zu nehmen. Die Matrosen wandelte die Lust an, den besten Sänger der Welt zu hören. Sie zogen sich vom Heck nach dem Mittelschiff zurück.

Arion legte den vollen Sängerschmuck an, ergriff die Zither, stieg auf die Ruderbank und trug ihnen die „hohe“ Weise [νόμον τὸν ὄρθιον] vor. Als das Lied zu Ende war, stürzte er sich mit vollem Schmuck ins Meer. Die Matrosen fuhren weiter nach Korinth.

Arion aber nahm – so erzählen sie – ein Delphin auf den Rücken und trug ihn nach Tainaron. Dort stieg er ans Land und wanderte in seinem Schmuck nach Korinth. Als er dort ankam, erzählte er seine Erlebnisse auf dem Meer. Periandros glaubte ihm nicht und ließ ihn in strengste Haft nehmen. Er achtete auf die Ankunft der Matrosen.

Als sie endlich eintrafen, rief er sie zu sich und fragte, ob sie etwas von Arion wüßten. Sie berichteten, er lebe wohlbehalten in Italien; sie hätten ihn gesund und munter in Tarent verlassen. Da trat Arion vor sie hin in demselben Aufzug, in dem er ins Meer gesprungen war. Sie erschraken furchtbar und konnten, so überführt, nichts mehr ableugnen.

Dies berichten die Korinther und die Lesbier. Es gibt auch ein ehernes, nicht sehr großes Weihgeschenk des Arion in Tainaron: einen Mann, der auf einem Delphin reitet.

(Herodot, Historien. 2 Bde. Herausgegeben von Josef Feix. München ²1977; Bd. 1, S. 22-25)
Re: Arion und der Delphin
Γραικύλος schrieb am 12.05.2022 um 13:12 Uhr (Zitieren)
Ah, auch bei Hyginus steht das.
 
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