α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Außerbiblische Versionen des Exodus-Mythos #4 (427 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.01.2023 um 14:42 Uhr (Zitieren)
3. Tacitus: Historien

Die meisten Autoren teilen die Annahme, daß bei dem Ausbruch einer über Ägypten sich verbreitenden, den ganzen Körper entstellenden Seuche der König Bocchoris sich an das Hammon-Orakel mit der Bitte um ein Heilmittel gewandt und dort die Weisung erhalten habe, er solle sein Reich einer Säuberung unterziehen und dabei dieses Geschlecht [genus] [sc. der Juden] als gottverhaßt [ut invisum deis] in andere Länder abschieben. So habe man denn die Leute zusammengesucht und gesammelt.

Wie man sie dann in Einöden ihrem Schicksal überließ, da habe, während die übrigen wie stumpfsinnig vor sich hinweinten, Moses, einer der Ausgewiesenen, sie aufgefordert, keinesfalls auf ein Eingreifen der Götter oder auf Menschenhilfe zu warten, da sie ja von diesen und jenen verlassen seien; sie sollten vielmehr, angesichts der himmlischen Führung, unter der sie stünden, auf sich selber vertrauen; dieser himmlische Beistand sei es in erster Linie, wodurch sie das gegenwärtige Elend überwinden würden.

Man stimmte bei und trat, aller Dinge unkundig, aufs Geratewohl den Marsch an. Es setzte ihnen aber damals nichts so zu wie der Mangel an Wasser. Schon waren sie, der Erschöpfung nahe, überall auf den Gefilden rings hingesunken, als eine Herde Wildesel von ihrem Weideplatz zu einer waldbeschatteten Schlucht hinüberwechselte. Moses folgte ihr und entdeckte, was er bei dem grasreichen Boden schon vermutet hatte, reichliche Wasseradern. Dies war eine rechte Erquickung für die Leute, und so konnten sie einen Dauermarsch von sechs Tagen zurücklegen und am siebten Tag nach Vertreibung der bisherigen Bewohner das Land besetzen, in dem sie dann ihre Hauptstadt anlegten und den Tempel weihten.

Um sich des Volkes für die Zukunft zu versichern, führte Moses neue religiöse Bräuche ein, die mit den sonst auf der Welt üblichen im Widerspruch standen [Moyses quo sibi in posterum gentem firmaret, novos ritus contratiosque ceteris mortalibus indidit]. Dort bei den Juden ist alles unheilig, was bei uns heilig ist; anderseits ist bei ihnen gestattet, was wir als Greuel betrachten [profana illic omnia quae apud nos sacra, rursum concessa apud illos quae nobis incesta].

Im Allerheiligsten stellten sie das Weihebild eines der Tiere auf, die ihnen den erlösenden Weg aus Irrsal und Verschmachtung gewiesen hatten; dabei wurde wie zum Hohn auf Hammon ein Widder geschlachtet. Auch Stieropfer bringen sie dar, da ja die Ägypter den Apis verehren. Des Genusses von Schweinefleisch enthalten sich die Juden in Erinnerung an die einstige Heimsuchung; war doch über sie selbst seinerzeit der schreckliche Aussatz gekommen, von dem dieses Tier befallen zu werden pflegt.
Zeugnis von ihrer einstigen langen Hungersnot gibt noch jetzt ihr häufiges Fasten, und zum Beweis dafür, daß sie einmal Feldfrüchte rauben mußten, hält man am Genuß des ohne Sauerteig bereiteten jüdischen Brotes fest.

Jeweils den siebten Tag zur Ruhe zu bestimmen, sagt ihnen angeblich deshalb zu, weil dieser Tag das Ende ihrer Mühsal gebracht habe. Daß sie weiterhin auch jedes siebte Jahr dem Müßiggang weihten, soll von ihrer Freude am Nichtstun herrühren. Nach anderer Ansicht wird damit dem Saturn eine Ehre erwiesen, sei es, weil die Idäer, die der Überlieferung zufolge zu der gleichen Zeit wie Saturn vertrieben wurden und die die Stammväter des Judenvolkes sind, die Anfänge seines Kultes lehrten, vielleicht auch, weil von den sieben Gestirnen, von denen die Menschen gelenkt werden, der Saturnstern sich im höchsten Kreis und mit vorzüglichem Einfluß bewegt; überdies sei es ja den meisten Himmelskörpern eigen, sich in der Vollendung ihrer Laufbahn nach der Siebenzahl zu richten.

[V 3 f.]

Der gemeinsame Nenner dieser Berichte ist der, daß die Juden nicht aus der Sklaverei Ägyptens geflohen, sondern von den Ägyptern vertrieben worden sind.
Re: Außerbiblische Versionen des Exodus-Mythos #4
Johannes schrieb am 08.01.2023 um 10:44 Uhr (Zitieren)
Zur Historizität:
https://de.wikipedia.org/wiki/Exodus_(Bibel)#Historische_Genauigkeit

Ein weiteres biblisches Ammenmärchen von
Theologen mit theologischen, anthroplologischen und
v.a.wohl politischen Hintergedanken eines
von sich und seiner Privilegiertheit überzeugten "erwählten Volkes".
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Speerspitzen

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.