Eine Selbstdarstellung des Salmanassar III. (324 Aufrufe)
Salmanassar III. von Assyrien (858-824
v.u.Z.), gefunden auf eine Stele in Stadt Kalchu:
Assur, der große Herr, der König der Gesamtheit aller großen Götter; Anum, der König der Igigen und der Anunnaki, der Herr der Länder; Enlil, der Erhabene, der Göttervater, der Schöpfer der Welt; Ea, der Herr der tiefen Wasser, dem große Weisheit zusteht; Sin, der König der königlichen Krone, dessen Glanz berühmt ist; Schamasch, der Richter von Himmel und Erde, der hohe Herr der Schöpfung; Ninurta, der Mächtige, der Stolze, der erste der Götter, der Glorreiche; Ischtar, die Herrin des Krieges und des Kampfes, die die Schlacht liebt; die großen Götter, welche die Schicksalswege bestimmen, welche mein Reich groß gemacht haben und meine Herrschaft erweitert sowie meine Heere und meine Macht – sie sind es, die mir großzügigerweise einen wirkungsvolleren Namen und einen erhabeneren Ruhm verliehen haben als allen anderen Königen.
[Ich bin] Salmanassar, der König der Gesamtheit der Men-schen, der Fürst, der Repräsentant Assurs, der mächtige König, der König der insgesamt vier Weltteile, der Lieblingskönig der Götter, die „Pupille der Augen“ von Enlil, der Tapfere Assurs, der Vorsichtige, welcher Abhänge und Schluchten erkundet, der die Bergeshöhen allüberall betritt, der Tribute und Geschenke an jedem Ort bekommt, der neue Wege bahnt hoch oben und tief unten, vor dessen unbändigem Ansturm die ganze Welt sich jedesmal ängstigt und die Städte erzittern; der mächtige Mann, welcher mit Assurs und Schamaschs Unterstützung, der Götter voller Hilfe für ihn, sieg-reich voranschreitet und niemand seinesgleichen unter den Königen der vier Weltteile hat, der enge Pfade beschreitet und Berge und Meere überwindet; der Sohn Assurnasirpals, der erhabene Prinz, dessen Priesterschaft den Göttern genehm war und der die Gesamtheit der Länder unterwarf; der reine Nach-komme von Tukulti-Ninurta, der alle seine Widersacher tötete und sie wie eine Sturmflut wegfegte.
(Giovanni Pettinato: Semiramis. Herrin über Assur und Babylon. München 1991, S. 99 f.)
Hier taucht eine ganze Reihe
babylonischer Götter in der Anrufung auf. Diese Übernahme ist zuerst zur Zeit der Regentschaft Sammuramats zu beobachten, und man nimmt an, daß dies auf ihre Initiative hin geschah, um dem assyrischen Reich eine gemeinsame religiöse Grundlage zu geben.