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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Kassandra (306 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.10.2023 um 15:31 Uhr (Zitieren)
Kassandra war eine Tochter des Königs Priamos von Troja und seiner Gattin Hekabe. Offenbar war sie außerdem ein hübsches Mädchen, denn kein Geringerer als Apollon, der Gott der Heil- und Seherkunst, wollte mit ihr schlafen. Um sie entgegenkommend zu stimmen, schenkte er ihr die Gabe der Prophetie: Sie konnte nun die Zukunft sehen und den Menschen verkünden.

Es hat aber etwas nicht geklappt – die Quellen berichten Verschiedenes -, jedenfalls war Kassandra nicht bereit, mit dem strahlenden Gott zu schlafen. Dieser konnte das Geschenk nicht zurücknehmen – das gehört sich weder für Götter noch für Menschen -, aber er konnte es vergiften: Kassandra sollte mit ihren Prophezeiungen, so bestimmte er, nirgends Glauben finden.

Was aber ist das, was die Menschen am wenigsten zu glauben bereit sind, während sie sich im Rausch eines vermeintlichen Triumphes befinden? Die Ankündigung einer Katastrophe. So kam es: Kassandra warnte ihre Trojaner, das hölzerne Pferd, das angebliche Geschenk der angeblich die Belagerung aufgebenden und heimsegelnden Griechen, in ihre Stadt zu bringen. Niemand glaubte ihr.

Nach der Eroberung und Zerstörung Trojas mußte sie als Beute und Sklavin des Königs Agamemnon, des Anführers der Griechen, mit diesem nach Mykene fahren. Sie warnte ihn, diese Heimkehr werde ihm, dem strahlenden Sieger, Unglück bringen. Er schenkte ihr keinen Glauben.

Als dann seine Frau Klytämnestra mit ihrem Liebhaber Ägisth, den sie sich in den Jahren des Wartes zugelegt hatte, den Agamemnon erschlagen hatte, schaute Kassandra noch einmal in die Zukunft; sie sah, daß die Mörder auch sie nicht am Leben lassen würden, daß aber diese Mörder sich in den Kindern des ermordeten Agamemnon ihre eigenen Rächer auf den Hals ziehen würden. Das Unheil würde sich fortsetzen. Wenigstens sie selbst glaubte an ihre Gabe. Vielleicht hat sie sogar geahnt, daß bis auf unsere Tage die „Kassandrarufe“ und damit ihr eigener Name einen schlechten Klang besitzen würden. So zieht sie (Aischylos: Agamemnon Vers 1314) eine Bilanz, die nur aus zwei Wörtern besteht – die Bilanz eines großen, mutigen, aber tragischen Frauenlebens: ἀρκείτω βίος.

Wörtlich kann man das nicht übersetzen, weil das Deutsche keinen Imperativ der 3. Person Singular kennt. Übersetzt man es grammatisch möglichst dicht am Text, dann kommt etwas Längeres als die unübertreffliche Prägnanz von zwei Wörtern dabei heraus. Deshalb entscheide ich mich für eine freiere Übersetzung: Genug gelebt!

Re: Kassandra
Γραικύλος schrieb am 26.10.2023 um 15:44 Uhr (Zitieren)
Jahren des Wartes --> Jahren des Wartens
Re: Kassandra
filix schrieb am 26.10.2023 um 20:50 Uhr (Zitieren)
Hat nicht Schopenhauer gemeckert, dass diese resignative Bilanz in ihrer Reinheit als Erkenntnis, dass es das Leben nicht wert sei, dadurch getrübt wird, dass sich Kassandra mit Rachegedanken tröstet?
Re: Kassandra
Γραικύλος schrieb am 29.10.2023 um 19:49 Uhr (Zitieren)
Kassandra ist keine Heilige, denn ja, sie erfreut sich an ihrer Rache.
 
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