Mentha Trecenta am 13.6.12 um 16:34 Uhr (Zitieren)
"Laude patronos cano gloriosa
Fulgus arcens et demones malignos
Sacra templis a populo sonanda
Carmine pulso
Gerhardus wou de Campis me fecit.
Anno Dni [Domini] M. CCCC.XCV II"
"Ich besinge mit ruhmreichem [gloriosa] Lob die Schutzherren,
abwehrend die Blitze und bösen Geister,
läute zum Gottesdienst, der im Dom vom Volk
mit Gesang gekündigt werden soll.
Gerhardus Wou aus Kampen hat mich gegossen.
Im Jahr des Herrn 1497."
Inschrift auf der Glocke Gloriosa im Erfurter Dom
"läute zum Gottesdienst, der im Dom vom Volk
mit Gesang gekündigt werden soll."
- das gefällt mir gar nicht. aber was soll es heißen? Vorschläge?
Es ist schon die Vorgabe problematisch - historische Wiedergaben der Inschrift lauten - grammatisch sinnfälliger -: „...fulgur arcens...“ bzw. „...sacra...carmina...“
Dass sich die Glocke schon beim Guss selbst den Spitznamen gibt und sich so
rühmend, spricht, ist mehr als zweifelhaft.
Für „sacra [in] templis a populo sonanda carmina pulso“ lautete eine mögliche Übersetzung: „ich gebe den Anstoß/läute/rufe (pulso - das nicht nur auf den Glockenschlag verweist, sondern auch auf anregen, zu etwas treiben, etwas anstoßen usf. - daher der bloße Akk. ) zu den frommen Liedern/Gebeten (carmina sacra), die im Dom ([in]templis - als poet.Plural oder als Plural für den über anderen Gotteshäusern stehenden Dom) vom Volk ( a populo) erklingen sollen (sonanda).“
Re: cano gloriosa
Mentha Trecenta am 13.6.12 um 18:22 Uhr (Zitieren)
hier ist ein foto der glocke, mit dem fraglichen teil der inschrift sichtbar:
ich konstruiere folgendermaßen:
sacra sonanda --> Heiligtümer, die erklingen sollen
carmine pulso --> mit/durch das geschlagene Lied (Anspielung auf den Glockenschlag)
Ich, Gloriosa, besinge die Schutzherren mit Lob,
den Blitz und die bösen Geister abwehrend,
die Hieligtümer, welche in den Tempeln von dem Volk ertönen sollen,
wobei mein Lied geschlagen wird.