Die Schuhe waren mal ursprünglich purpurfarben.
Purpur war nur den allerhöchsten Autoritäten vorbehalten
(Kaiser)
Der Papst mit seinem Anspruch die allerallerhöchste Autorität zu sein, zog sich die Purpurschuhe der Kaiser an.
Übrigens:
Der letzte byzantinische Kaiser,
der heldenhaft auf den Mauern Konstantinopels 1453 gefallen ist,
konnte nur anhand seiner Purpurschuhe identifiziert werden.
Auch der Vatikan hat seine pragmatischen Seiten. Da die Ablassgeschichte vom Tisch ist, können damit vielleicht ein paar neue Mitglieder gewonnen werden.
Allerdings gebe ich zu bedenken: Auch der neue Papst könnte ein Häretiker sein! Denkt an die Warnungen Ignatius'!
Ich höre gerade im Radio, dass der „weiße Rauch“ ökologisch bedenklich ist: Es werden Chemikalien beigemischt, damit’s die Farbe stimmt. Ich glaub’s irgendwie nicht, wirklich?
Bestimmt bleibt ihm der Doktor der Chemie, denn das mit dem Rauch soll ja ausgezeichnet geklappt haben.
Irgendwie finde ich’s toll, dass mal ein bisschen Schwung in den Vatikan kommt: Südamerikaner, sprachbegabt, volksnah, Jesuit, empathisch (Gute Erholung hat er dem Volk gewünscht!). Was will man mehr?
Hast recht. Lassen wir ihn erst mal wirken. Tatsächlichen Veränderungen in der katholischen Kirche sehe ich skeptisch gegenüber, die bis in die Basis durchgreifen.
Auf jeden Fall bin ich gespannt, ob der neue Papst der katholischen Kirche zu einer Wende verhilft, wenigstens ansatzweise.
In der Kürze der Zeit gab’s nun doch so manche Überraschung:
- der erste Rücktritt eines Papstes
- der erste Papst aus einem nichteuropäischen Land
- der erste Jesuit als Papst?
- ein Papst der Armen?
- ein Papst, der sich schon bei der Amtsübernahme volksnah gibt
Wenn es stimmt, dass der römisch-katholische Papst Oberhaupt von 1,2 Milliarden Gläubigen ist, könnte durch entsprechende Einflussnahme schon etwas bewegt werden. Ob ein über 70jähriger soviel Power und Dynamik aufbringt, sei dahingestellt.
Wie alt ist er denn, der Jesuitenorden? Gehört er zu den jüngsten? Ich weiß nur, dass schon des Öfteren sogenanntes Führungspersonal von diesem Orden rekrutiert wurde.
@peada,
der Jesuitenorden („Societas Jesu“, daher die Abkürzung „SJ“),
ist als Reaktion auf die Reformation gegründet worden, 1534.
Er wurde zeitweilig sogar vom Papst verboten, weil sie es doch zu toll trieben
(nein, nein, nicht was ihr jetzt denkt, sondern mit ihrem religiösem Eifer)
Als Reaktion auf die Reformation klingt bedenklich. Und dass ein Mönch Papst wird, dessen Orden mal von einem Papst verboten wurde, hat ja auch etwas für sich. Ironie des Schicksals?
Aber komisch ist es schon, dass jemand aus dem Jesuitenorden den Namen des Franziskanerordens wählt. Haben die beiden Orden irgendwelche Gemeinsamkeiten?
In Eco’s „Der Name der Rose“, er spielt aber um 1340,
sind Franziskaner und Dominikaner Konkurrenten...
Die Jesuiten waren aber niemanden immer ganz geheuer.
Der Orden ist ja auch militärisch organisiert.
Der Chef nennt sich „General“.
Bismarcks Kulturkampf zielte in erster Linie auf die Jesuiten ab.
(Die Jesuiten hatten das Schulwesen in den überwiegend katholischen Gebieten Preussens fest im Griff.
Allerdings hat Preussen erst durch den Wiener Kongreß 1815 Gebiete mit überwiegend katholischer Bevölkerung zugeschlagen bekommen.)
die Societas Jesu wurde von Ignatius von Loyola, der aus dem allerchristlichsten Spanien kam, im Zuge der Gegenreformation gegründet. Die Vollmitglieder mussten zuerst zweijährige Exerzitien (= Gehirnwäsche) durchführen, dann zwei Studiengänge, neben Theologie noch ein weltliches Fach. Neben dem absoluten Gehorsam gegenüber dem General (und dem Papst) ist erwähnenswert, dass sie nicht in Klöstern kaserniert waren, sondern - auch in weltlicher Kleidung - an strategisch wichtigen Stellen ihre militia Christi durchführten. Bemerkenswert ist auch, dass ihnen, wenn´s ad maiorem Dei gloriam war, sich auch der Verstellung und der Lüge bedienen durften (was ja auch Mohammed erlaubt hat).
Lenin nahm sich die Organisation zum Vorbild für seine (illegale) Partei der Berufsrevolutionäre. Der ihm zugeschriebene Spruch „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ mag auch darauf zurückgehen, dass - wegen dieser Maxime - die Jesuiten immer zu zweit unterwegs sein mussten.
Eine Petitesse am Rande:
Der Gründer des Jesuitenordens, dessen Mitglied der neue Papst ist,
führte einen Taufnamen, der vor Kurzem in diesem Forum für ein wenig Aufregung sorgte:
„Ignatius“
:-)))
wenn das nicht ein conclusio curriculi ist, was dann...?
wegen der Papstwahl fiel mir gerade ein, wie würde man eigentlich sagen, wenn zB di ev. Kirche einen neuen Ratsvorsitzenden oder eine neue Ratsvorsitzende hat?
die evangelischen Kirchen sind ja verschieden organisiert.
Einige haben Landesbischöfe, andere haben „nur“ Vorsitzende,
wieder andere sind kollegial geleitet,
Manche „Vorsitzende“ heißen „Superintendent“ (wörtlich: „Oberaufseher“)
Das mit der Exemption scheint doch sehr speziell zu sein, eben eine Ausnahme, und der Begriff gefällt mir am besten für die Befreiung vom Militärdienst. ;-))