Manuela Braun am 9.10.12 um 21:22 Uhr (Zitieren) II
Hallo!
Ich brauche eine Übersetztung von folgendem Spruch:
„Fange jetzt an zu leben und zähle jeden Augenblick als ein Leben für sich.“
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen könnte.
Vielen Dank!
So geht das nicht.
Der deutsche Satz muß zunächst „latinisiert“ werden:
„Mögest Du von nun an das Leben geniessen und jeden Moment ...“
usw...
„Modernes“ Deutsch kann man nicht ins Latein übertragen,
ohne sich über die Vorstellungswelt und damit über die sprachliche
Ausdrucksweise des Lateins Gedanken zu machen.
Sicher gab es auf den Straßen des antiken Roms auch Punker,
die den Vorrübergehenden anhauten:
„Hey, Alder, haste ma nen Sesterz?“
Leider ist uns solch eine Szene nicht schriftlich überliefert worden...
Haja, Lateiner haben ja generell weder wie Cicero, noch wie Cäsar noch wie Vergil geklungen.
Ich rede ja auch nicht wie ein Anwalt beim Plädoyer, Merkel bei einer Rede im Bundestag oder als wäre ich eine Schillersche Dramenfigut...
Nur, wenn man heute Latein anwendet,
muß man sich an die 2.000 Jahre alte
überlieferte Konstruktion halten,
d.h.
wir müssen die Sätze so konstruieren wie Caesar, Cicero und Consorten,
sonst versteht es ein anderer heutiger „Lateiner“,
der eben dieses Latein gelernt hat, nicht.
Stimmt - wenn auch ich bezweifle, dass die heutigen „Lateiner“ sich allzuoft die Mühe machen, Tatoos auf den Ärmen und Rücken anderer zu übersetzen... :D
Ich habe mal Versucht mich mit meinem Vorschlag auf dem dünnen Grat zwischen Seriosität und Lächerlichkeit zu bewegen, das mag vielleicht missglückt sein...
Aber vllt Seneca =) Er braucht ein wenig länger, um das auszudrücken, was oben steht und passt auch vllt nicht auf einen Arm - aber die Textstelle aus „De brevitate vitae“ finde ich doch sehr schön:
„Non exiguum temporis habemus, sed multum perdidimus. Satis longa vita est et in maximarum rerum consummationem large data, si tota bene collocaretur.[...]. Ita est: Non accepimus brevem vitam, sed facimus, nec inopes eius, sed prodigi sumus. Sicut amplae et regiae opes, ubi ad malum dominum pervenerunt, momento dissipantur, at quamvis modicae, si bono custodi traditae sunt, usu crescunt: ita aetas nostra bene disponenti multum patet.“
Vllt. würde es ja auf einen Rücken draufpassen :-)
Seneca musste sich mit Nero rumschlagen.
Nero soll seinen Hofstaat gezwungen haben,
seinen „Auftritten“ als Schauspieler im Wachzustand (sic!)
beiwohnen zu müssen.
Bei so einem 5-Stunden-Monolog hat man vieeel Zeit,
etwas auf’s Wachstäfelchen zu bringen...
Der junge Vespasian ist ja soweit ich weiß während so einer Vorstellung eingeschlafen und wurde von Nero auf’s Land verbannt :-D
Bis der gemerkt hat, dass er den begabten General in Judäa braucht um den Judenaufstand unter Flavius Josephus niederzuschlagen ...