Danke, filix, das PPA hatte ich total übersehen, ob des Fokus (Fokusses?) auf den Folgesatz.
(Lang dürfte sich der Sterbeprozess nicht hingezogen haben, da ihm das Schwert vermutlich direkt ins Herz gerammt wurde. War’s nicht Brutus? Fällt vielleicht in das Hobbygebiet von Bibulus.)
Nach Sueton: Caesar cum M. Brutum, quem loco filio habebat, in coetu sceleratorum videret, dixit: „Tu quoque, mi fili!“ Tum caput toga velavit ac tribus et viginti ictibus transfossus est.
„des Fokus“ Da du Merksprüche ja liebst: „Endet im Deutschen ein Fremdwort auf -us, ist damit in der Regel auch beim Genitive Schluss.“ Oder so.
Das Zitat von Klaus ist nicht Sueton - der schreibt: „ ... Atque ita tribus et viginti plagis confossus est uno modo ad primum ictum gemitu sine voce edito, etsi tradiderunt quidam Marco Bruto irruenti dixisse: καὶ σὺ τέκνον; Exanimis diffugientibus cunctis aliquamdiu iacuit, donec lecticae impositum, dependente brachio, tres servoli domum rettulerunt. Nec in tot vulneribus, ut Antistius medicus existimabat, letale ullum repertum est, nisi quod secundo loco in pectore acceperat.“
Caesar neigt in entscheidenden Situationen (wie vermutlich schon bei ἀνερρίφθω κύβος - iacta alea est) zu code-switching: er spricht sterbend also griechisch, zumindest wenn es nach der einen Überlieferung geht, nach Berichten anderer verstirbt er kommentarlos. Der Obduktionsbericht des Antistius macht von den 23 Wunden bloß eine als tödlich aus, ohne dass der Text deutlich sagt, wer sie ihm zugefügt hat.
Danke für den berühmten Satz im O-Ton! Alles verstehe ich auf Anhieb nicht. Ich versuch’s:
Als Caesar M. Brutus, den er an Sohnes statt angenommen (adoptiert) hatte, in der Menge der Verbrecher sah, sagte er: „Auch du, mein Sohn!“ (Schon sehr tragisch!!!) Dann bedeckte er mit der Toga sein Haupt (Caesar?), und/aber?? er war (Zustandspassiv?) mit 23 Stichen durchstochen. (Unglaublich, dass man da nicht sofort mausetot ist/war!!!)
@filicem: Ich schrieb „nach Sueton“ Ist also leider kein O-Ton.
@paedam: Er hat sein Haupt selbst verhüllt, so human waren die Herren nicht.
....und ist von 23 Stichen durchbohrt worden.
Danke für die Genitivregel für Wörter auf -(u)s. Nach meiner Erinnerung gab es ja mal eine Variante für Wörter, die auf -s/-x enden: z. B. Maxens für Max. Das heute übliche Apostroph nach „s“ oder „x“ finde ich nicht sehr genial.
Danke auch für die Hinweise zum Tod Caesars. Meine Vorstellungskraft reicht leider nicht aus, mir vorstellen zu können, dass jemand, dem so viele und schwere Verletzungen zugefügt wurden, noch zu Äußerungen und Handlungen fähig gewesen sein soll.
@Klaus
Ob O-Ton oder nicht, so genau nehme ich’s nicht. Jedenfalls ein Quelltext.
Neigen nicht eher diejenigen, die die Geschichten später überliefern, dazu, die Dinge zu verklären?
Bei „Alea iacta est“ kann ich es mir noch vorstellen, dass er vor seiner Armee ein wenig pathetisch klingen wollte - aber Gegenüber seinem (fast) Sohn während er stirbt...?
Re: Was bedeutet dieser Satz?
filix am 8.3.13 um 11:46 Uhr, überarbeitet am 16.3.15 um 16:05 Uhr (Zitieren) III
Dahinter stehen interessante Fragen:
Wann taucht (in der Antike) die Idee auf, dass den „ultima verba“ eine besondere Bedeutung zukommt, ob diese nun am Schlachtfeld, im Kerker, in der curia Pompeia unter dreiundzwanzig Messerstichen oder daheim in lecto gesprochen worden sein sollen? Welche Typen (Sentenziöses, Prophetisches, Banalitäten, situativ Affektives, Komisches, Obszönes, Orakelhaftes ... usf. ) lassen sich unterscheiden?
Wohin gehört z.B. Sokrates geschuldeter Hahn?
Wie funktionieren Sprachregisterwechsel, code-switching usf. innerhalb dieser Konstellationen? Denn, ob angedichtet, stilisiert oder nicht, spielt dafür im Wesentlichen keine Rolle, spekuliert selbst der Fälscher doch immer auf einen Effekt, der sich nur innerhalb einer gewissen historisch entfalteten Erwartung an letzte Worte einzustellen vermag.
Favorisiert der Einwand, dass das „so ganz sicher nicht gesagt wurde“, „dass kein so Sterbender auf diese Weise spricht“ usf. nicht nur einen ganz bestimmten Typus unter den letzten Worten (oder das Schweigen als deren Rand), der ihm Authentizität verbürgt?
Man kann dies auch nicht am Festhalten an einer Sprache oder an der situativ plausibel erscheinenden Qualität des Gesagten festmachen: Bei Nero - folgt man Sueton - gibt es eine ganze Reihe vorweggenommener letzter Wort, bis er im Finale zunächst zur Ilias (ἵππων μ' ὠκυπόδων ἀμφὶ κτύπος οὔατα βάλλει) greift, um, nachdem er sich mit Hilfe des Sekretärs das Eisen in die Kehle gerammt hat, in schnödes (?) Latein zurückzufallen:
„Semianimisque adhuc irrumpenti centurioni et paenula ad vulnus adposita in auxilium se venisse simulanti non aliud respondit quam: “Sero,„ et: “Haec est fides. Atque in ea voce defecit ...„ “Als ein Zenturio heranstürmte und ihm unter dem Vorwand, zu Hilfe geeilt zu sein, einen Umhang auf die Wunde legte, erwiderte der Halbtote nichts als: „Zu spät“ und „Das ist Treue“. Mit diesen Worten verschied er..."
Auch wenn der Protagonist am Ende einsilbiges Latein röchelt, wirkt das für uns nicht weniger inszeniert.
Große Männer müssen große letzte Worte hinterlassen und einen gebührenden Abgang hinlegen,
so wollen es die Historiker und das werte Publikum.
(wobei „groß“ nicht nur im Sinne von „verdienstvoll“, sondern im „Gedächtnis bleibend“ gemeint ist.)
Alle Julisch-Claudier haben „große“ Worte hinterlassen,
von Augustus („Applaus, Applaus, Applaus!“)
bis Claudius („Weh mir, ich glaube, ich habe mich beschissen.“)
Sueton sammelte (besser: erfand, bog um) solche Sprüche mit wohligem Vergnügen.
Re: Was bedeutet dieser Satz?
filix am 8.3.13 um 16:25 Uhr, überarbeitet am 28.10.18 um 15:11 Uhr (Zitieren) IV
Schon, Bibulus - aber die historische Rekonstruktion der Vorstellung, dass der unmittelbar bevorstehende Tod dem Wort ein Surplus an Wahrheit verleiht, und die sprachliche Gestaltung derselben ist damit nicht erledigt. Wenn beim gehässigen Seneca Claudius zuerst sich an- und schließlich abkackt, macht dieser sich in der Pointe all diese Erwartungen und Mechanismen, die Jahrhunderte aufbauten, zunutze.