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Latein Wörterbuch - Forum
timere und sperare — 2702 Aufrufe
paeda am 29.4.13 um 10:50 Uhr (Zitieren) I
timere heißt doch: etw. (Schlechtes) befürchten,
sperare: auf etw. (Gutes) hoffen

Wieso bedarf es der Zusätze male und bene?

Steht so in meinem Text!
Re: timere und sperare
Jonathan am 29.4.13 um 11:35 Uhr (Zitieren) I
Du meinst, SPERARE könne nicht ohne BENE stehen?
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 0:30 Uhr (Zitieren) I
Nein, Jonathan: Ich verstehe nicht, weshalb es der Zusätze von male und bene bedarf.

Aus dem mir vorliegenden Text:

Ut male timentibus horae correptae sunt, sic bene sperantibus productae sunt.
Re: timere und sperare
Ondit am 30.4.13 um 8:15 Uhr (Zitieren) I
Wie denen, die das Schlimmste befürchteten, die Stunden /die Zeit verkürzt wurden/wurde// die Stunden enteilen,
so wird denen, die das Beste hoffen, die Zeit ausgedehnt/verlängert/ lang.
Re: timere und sperare
Kuli am 30.4.13 um 9:21 Uhr (Zitieren) I
Eventuell wird durch die Adverbien hier eher eine Wertung der Handlung bezeichnet.

Wie denen, die sich schändlicherweise fürchten ...
so wird denen, die lobenswerterweise hoffen ...
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 11:01 Uhr (Zitieren) I
Zitat von Ondit am 30.4.13, 8:15Wie denen, die das Schlimmste befürchteten, die Stunden /die Zeit verkürzt wurden/wurde// die Stunden enteilen,
so wird denen, die das Beste hoffen, die Zeit ausgedehnt/verlängert/ lang.


Wieso werden jetzt aus den Positiven der Adverbien (Sagt man so überhaupt?) Superlative?
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 11:02 Uhr (Zitieren) I
Zitat von Kuli am 30.4.13, 9:21Wie denen, die sich schändlicherweise fürchten ...
so wird denen, die lobenswerterweise hoffen ...


Eine interessante Überlegung, Danke!
Re: timere und sperare
Ondit am 30.4.13 um 11:19 Uhr (Zitieren) I
PONS:
male metuere/odisse--> zu viel, sehr, zu sehr, überaus, heftig, stark fürchten/hassen
Warum nicht
male timere = zu viel/ zu sehr... fürchten

ebenfalls in PONS
bene sperare = das Beste hoffen

So ist die Übersetzung auch sinnvoll.
Re: timere und sperare
filix am 30.4.13 um 11:22 Uhr (Zitieren) I
„bene sperare“ steht bei Cicero, C.Nepos, u.a. als Ausdruck der Steigerung wie man analog im Dt. nicht bloß „hofft“, sondern „guter Hoffnung ist“. Entsprechendes gilt für „male timere“, „male metuere“ (cf. Georges: male od. pessime metuere, Plaut.: m. timere, Ter.: m. odisse), d.h. es verstärkt gleichfalls die Verbbedeutung („sich arg/richtig fürchten“) und drückt nicht den Gegenstand aus.
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 11:40 Uhr (Zitieren) I
Danke an Ondit für die Übersetzung und Danke an filix für die Erklärungen dazu!

Bisher kannte ich nur nimis, aber wie ich sehe, kann man auch die Grundform (Positiv?) des Adverbs für eine Steigerung einsetzen, wenn es inhaltlich im Verb schon enthalten ist. (Hoffentlich habe ich mich einigermaßen verständlich ausgedrückt!)

„Guter Hoffnung sein“ ist dann wohl auch als ein Stilmittel zu betrachten. ??
Re: timere und sperare
filix am 30.4.13 um 12:03 Uhr (Zitieren) I
„guter Hoffnung sein, dass .... “ ist schlicht eine stehende Verbindung. (Davon abgesehen, dass „g. H. sein“ auch „schwanger sein“ bedeutet[e]). Dass ein Adverb im Positiv eine Intensivierung in Verbindung mit einem Verb ausdrückt, ist uns, wie oben zu lesen, im Dt. auch geläufig. „sich arg freuen“, „sich recht fürchten“ usf. Von den umgangssprachlichen Varianten wie „voll abzocken“ ganz zu schweigen.
Re: timere und sperare
filix am 30.4.13 um 12:08 Uhr (Zitieren) I
Wobei „arg freuen“ nat. auch umgangssprachlich ist.
Re: timere und sperare
Graeculus am 30.4.13 um 12:08 Uhr (Zitieren) I
Ich habe zweitweilig gedacht, es sei so etwas wie „good luck“ und „bad luck“; aber das ist es offenbar nicht.
„If it wasn’t for bad luck, I would have no luck at all.“
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 12:10 Uhr (Zitieren) I
Danke, filix, für die weiteren Ausführungen.

Die eigentliche Stolperfalle war, dass sich „male timere“ und „bene sperare“ so nicht ins Deutsche übertragen lassen, denn „gut hoffen“ und „schlecht fürchten“ hört sich einfach schief an.

Da „guter Hoffnung sein“ als Alternative aufgrund der Zwei- oder Eindeutigkeit (in anderer Hinsicht) auch nicht in Frage kommt, war ich (etwas) ratlos.

Ich werde mir die Vorschläge durch den Kopf gehen lassen.
Re: timere und sperare
Bibulus am 30.4.13 um 14:42 Uhr (Zitieren) I
Vgl. den Spruch eines Fußballers:
„Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“.
Re: timere und sperare
Blobstar am 30.4.13 um 20:37 Uhr (Zitieren) I
Sagenhaft, was der Kuli aus „male / bene“ heraus zu lesen weiß. Wusste gar nicht, dass man diese Adverbien so fantasievoll übersetzen kann:

Kuli schrieb am 30.04.2013 um 09:21 Uhr (Zitieren)

Eventuell wird durch die Adverbien hier eher eine Wertung der Handlung bezeichnet.

Wie denen, die sich schändlicherweise fürchten ...
so wird denen, die lobenswerterweise hoffen ...
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 22:34 Uhr (Zitieren) I
Zitat von Graeculus am 30.4.13, 12:08„good luck“ und „bad luck“


Das englische „luck“ scheint dem lateinischen fortuna gleichzukommen, das ja auch Glück UND Unglück bedeuten kann.
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 22:36 Uhr (Zitieren) I
Zitat von Bibulus am 30.4.13, 14:42„Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“.


Was kann man schon von Fußballern erwarten? Alle Flaschen leer! (Hieß der Ausspruch nicht so?)
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 22:38 Uhr (Zitieren) I
Zitat von Blobstar am 30.4.13, 20:37Kuli schrieb am 30.04.2013 um 09:21 Uhr (Zitieren)

Eventuell wird durch die Adverbien hier eher eine Wertung der Handlung bezeichnet.

Wie denen, die sich schändlicherweise fürchten ...
so wird denen, die lobenswerterweise hoffen ...


Das wäre eigentlich die einzige Interpretation, die aus grammatischer Sicht nachvollziehbar wäre.
Re: timere und sperare
blopster am 30.4.13 um 22:42 Uhr (Zitieren) I
kannst du das vlt etwas näher erklären?
Re: timere und sperare
paeda am 30.4.13 um 22:57 Uhr (Zitieren) I
Bene und male sind Adverbien.
Gut hoffen und schlecht fürchten ist ein Pleonasmus (Tautologie?) und hört sich im Deutschen jedenfalls nicht gut an. Nicht einmal, wenn man daraus substantivierte Adjektive macht (Gutes hoffen und Schlechtes fürchten).

Aus rein grammatischer Sicht wäre Kulis Vorschlag also die einzig sinnvolle Auflösung.
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