Aus einer Rezension über Holts Buch:
"Nehmen Sie an, es gebe nichts. Dann gäbe es keine Gesetze; denn Gesetze sind schließlich etwas. Gäbe es keine Gesetze, wäre alles erlaubt. Wäre alles erlaubt, wäre nichts verboten. Wenn es also nichts gäbe, wäre nichts verboten. Also schließt nichts sich selbst aus. Folglich muss es etwas geben“.
http://www.socialnet.de/rezensionen/17222.php
Warum muss es Gesetze geben ? Sind sie der Grund dafür, dass es nicht nichts gibt ?
Ich bezweifle, ob dieses Gedankenspiel wirklich weiterhilft.
Mit Gedankenspielen kann man alles Mögliche herleiten/„begründen“.Bleibt die Frage, wie sinnvoll so ein Gedankenspiel bei dieser fundamentalen Frage letztlich ist. Ein Gedankenspiel ist ein geistiges Konstrukt, dem menschl. Beobachtungen und Erfahrungen zugrunde liegen und das mit der „Wirklichkeit an sich“ nichts zu tun haben muss. Es ist eine Theorie, die es zu verifizieren gilt.
Das ist aber in diesem Fall wohl unmöglich, weil es einen „objektiven“ Begriff von Wirklichkeit und Zugang zu ihr voraussetzt, den wir aber vermutlich nie haben werden.
Genauso gut könnte man sagen: Es ist „besser“, dass es etwas gibt, als dass es nichts gibt. Die Analogie dazu wäre die Erfahrung, dass es besser ist im Leben bestimmte Dinge zu haben, als sie nicht zu haben (Nahrung, Gesundheit ...).
Oder: Sein ist besser als Nichtssein. Erfahrungshintergrund wäre die menschliche Angst vor dem Tod/Nicht-mehr-Sein.
Es besteht also immer die Gefahr, aus der Erfahrungen auf etwas schließen zu wollen, das sich unserer Erfahrung entzieht.
Fazit: Mit Gedankenexperimenten kann man theoretisch alles erklären, wenn man von sinnvoll erscheinenden Grundüberlegungen ausgeht. Was für den Menschen sinnvoll erscheint, muss aber objektiv nicht „sinnvoll“ sein.
Allerdings müsste man an dieser Stelle zunächst definieren. was man sich unter „sinnvoll“ vorzustellen hat.
Es könnte sein, dass es sinnvoller wäre, wenn es nichts gäbe. Dann gäbe es auch all die uns sinnlos erscheinenden Dinge nicht wie Krieg, Krankheit und andere Katastrophen.
Allerdings gäbe es auch dann sowas wie Liebe nicht, die bei einem anderen (theologischen /religiösen) Erklärungsversuch der letzte Sinn allen Seins sein soll.
Auch diese Hypothese stammt aus der menschlichen Erfahrung, dass der (gesunde) Mensch geliebt werden will.
Angeblich stellen Menschen, die sich geliebt fühlen, die Sinnfrage nicht. Nach Freud ist das Stellen der Sinnfrage sogar der Hinweis auf eine psychische Störung.
Man kann es drehen und wenden wie man will: Letztendlich ist es eine Glaubensfrage.
Bleibt die Hoffnung: Wer(´)s glaubt, wird selig. :))
PS:
"Wäre alles erlaubt, wäre nichts verboten. Wenn es also nichts gäbe, wäre nichts verboten. Also schließt nichts sich selbst aus. Folglich muss es etwas geben“.
Dieser Gedankengang erscheint mir merkwürdig.
Verbieten kommt aus dem Bereich des
Moralischen.Was hat Moral hier zu suchen ? Hier verwendet Holt den Gesetzesbegriff nicht eindeutig:
Warum bleibt er nicht bei den objektive(re)n Naturgesetzen als Argumentationsbasis? Das materielle Sein beruht auf strengen Naturgesetzen, nicht auf moralischen Ge- oder Verboten.